Branchenmeldungen 30.09.2026

Herkunft darf nicht an den Zähnen sichtbar sein

ZÄK-NR – Die Zahnärztekammer Nordrhein fordert eine stärkere und verbindliche Prävention in Kitas und Grundschulen. Das tägliche gemeinsame Zähneputzen muss dabei ein erster wichtiger Schritt sein. Doch bei der Umsetzung fehlt es bislang an der notwendigen Unterstützung des Familien- und des Schulministeriums.

Herkunft darf nicht an den Zähnen sichtbar sein

Foto: RioPatuca Images – stock.adobe.com

Was die Zahnärztekammer Nordrhein für alle Kitas fordert, wird in den „Kitas mit Biss“ bereits vorbildlich umgesetzt: Tägliches Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta und zahngesunde Ernährung sind hier selbstverständlich. Am Weltkindertag erhielten so zum Beispiel in Essen zwölf Kitas von Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) ihre Zertifikate als „Kita mit Biss“. Insgesamt nehmen 148 Kitas der Stadt bereits an dem Präventionsprogramm teil.

Politik muss Prävention gemeinsam voranbringen

Im Juni haben die Gesundheitsministerinnen und Gesundheitsminister aller Bundesländer beschlossen, die frühkindliche Prävention durch gemeinsames Zähneputzen in Kitas und Schulen mit fluoridhaltiger Zahnpasta zu stärken, um insbesondere auch Kinder aus sozial benachteiligten Familien besser zu erreichen. Doch für eine flächendeckende Umsetzung braucht es die Unterstützung aller beteiligten Ministerien. Während das Landesgesundheitsministerium in NRW unterstützt, sperren sich insbesondere die für Schule sowie für Kinder und Familie zuständigen Ministerien, die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen.

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„Es ist für mich unverständlich, wenn ein so wichtiges Thema wie die Prävention an unterschiedlichen Zuständigkeiten und fehlender gemeinsamer Umsetzung scheitert“, sagt Dr. Ralf Hausweiler, Präsident der Zahnärztekammer Nordrhein. „Das Gesundheitsministerium hat die Bedeutung erkannt und den richtigen Impuls gesetzt. Jetzt müssen sich die übrigen Verantwortlichen bewegen.“

Auch in Nordrhein-Westfalen müssen die flächendeckenden Reihenuntersuchungen und die bewährte Gruppenprophylaxe durch tägliche Zahnputzroutinen, zahngesunde Ernährung und die Vermittlung von Gesundheitskompetenz ergänzt werden. „Das gemeinsame Zähneputzen ist dabei ein erster und wichtiger Schritt. Aber es geht um mehr: Wir müssen Prävention frühzeitig und dauerhaft im Alltag der Kinder verankern. Nur so schaffen wir die Grundlage für eine gute Zahn- und Mundgesundheit bis ins Erwachsenenalter“, so Hausweiler.

Herkunft entscheidet noch immer über Zahngesundheit

Die Ergebnisse der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie haben gezeigt, dass – trotz des allgemeinen Rückgangs von Karies – soziale Faktoren noch immer einen erheblichen Einfluss auf die Zahngesundheit haben.

Kinder im Alter von acht bis neun Jahren haben bei einem Elternhaus mit niedrigem Bildungsgrad dreimal häufiger Zähne mit Karieserfahrung als Gleichaltrige aus Elternhäusern mit hohem Bildungsgrad. Zwölfjährige Kinder mit Migrationsgeschichte haben fünfmal häufiger Karies als Kinder ohne Migrationsgeschichte.

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„Genau hier muss Prävention ansetzen. Sie muss alle Kinder erreichen – unabhängig davon, aus welchem Elternhaus sie kommen“, sagt Hausweiler. „An den Zähnen eines Kindes darf nicht sichtbar sein, welche Herkunft es hat oder welche Möglichkeiten seine Familie ihm bieten kann.“

Prävention im Kindesalter prägt dabei nicht nur nachhaltig die Zahn- und Mundgesundheit bis ins Erwachsenenalter. Eine gute Mundgesundheit steht auch in engem Zusammenhang mit der allgemeinen Gesundheit. Klar sein muss: Gesundheitskompetenz muss bereits früh vermittelt und gesunde Routinen müssen selbstverständlich in den Alltag von Kindern integriert werden.

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