Branchenmeldungen 10.06.2026
Mit bewegender Story: Kinderzahnärztin eröffnet Rostocker Praxis
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Carolin Herzbergs Weg in die Zahnmedizin hatte nicht die Leichtigkeit eines Zufalls oder langsamen Herauskristallisierens. Ganz im Gegenteil: Ihr Weg war frühzeitig biografisch fixiert, obwohl sie nicht, wie so viele ihrer Mitkommilitonen im Studium, einer Zahnarztfamilie entstammt und in elterliche Fußstapfen hätte treten können. Trotzdem beeinflusste ihre Familie die Entscheidung, Zahnärztin zu werden: „Meine Mama war die Ideengeberin dafür.“ Sie habe ihr geraten, aufgrund ihrer Interessen und Fähigkeiten, einen Beruf zu wählen, der sowohl handwerklich als auch kreativ sei. Da schien die Zahnmedizin ein perfektes Match.
Besondere Motivation und Drive
Nun muss nicht jeder mütterliche Vorschlag eingelöst werden, bei Carolin Herzberg aber bekam diese frühe berufliche Orientierung eine unabwendbare Gewichtung, als die Mutter an Krebs erkrankte. Zahlreiche Krankenhausbesuche weckten in dem damals zehnjährigen Mädchen das Bedürfnis, zu verstehen, was mit ihrer Mutter geschah und wie kranken Menschen geholfen werden kann. Das anfängliche Interesse wurde zum medizinischen Ehrgeiz, der auch ihre schulische Performance und Disziplin antrieb. Als die Mutter verstirbt, ist Carolin Herzberg 16 Jahre alt und verspricht ihr zum Abschied, Zahnärztin zu werden. „Mir war klar, dass ich dieses Versprechen durchziehen würde, komme was wolle. Ich wusste auch aus sportlichen Kontexten, von nichts kommt nichts, und war bereit dafür.“
Prägende Einflüsse
Nach dem Abitur sammelte sie zunächst praktische Erfahrungen, arbeitete ein Jahr in einer Zahnarztpraxis in Leipzig und absolvierte anschließend ein Freiwilliges Soziales Jahr im Krankenhaus in Mittweida. In dieser Zeit lernte sie die Realität des Gesundheitswesens kennen und erlebte, wie Menschen unter hoher Belastung arbeiten. „Durch diese Einblicke trete ich heute meinen Mitarbeitenden ganz anders gegenüber. Ich weiß, was sie leisten.“ Auch während des Studiums in Rostock, sammelte die angehende Zahnärztin Erfahrungen, die nachhaltig Spuren hinterließen: „Hier spielte plötzlich die familiäre Herkunft eine Rolle und ich konnte und wollte das nicht nachvollziehen. Der berufliche Kontext meiner Eltern machte mich doch nicht besser oder schlechter.“
JVA: Patienten, die Hilfe benötigen
Diese Abwehr sozialer Zuschreibungen und eine bewusste Offenheit allen Menschen gegenüber, unabhängig von gesellschaftlichen Kategorien, prägte später auch ihre Tätigkeit als Zahnärztin bei der Justizvollzugsanstalt Waldeck. Hier arbeitete sie ein halbes Jahr lang mit Inhaftierten und begegnete dabei den Gefangenen in erster Linie als Patienten mit Behandlungsbedarf: „Ich sah meine Situation so: Ich bin Ärztin und mir gegenüber sitzt ein Patient, der Hilfe braucht.“ Zwar hatte sie Einblick in die Führungsakten, doch urteilen wollte sie darüber nicht. Viele Menschen, die ihr hier gegenübertraten, hatten schwierige Lebensgeschichten und waren oftmals in problematischen Verhältnissen aufgewachsen. „Anstelle Menschen vorschnell abzustempeln, sollte man ihnen doch immer eine Chance zur Resozialisierung geben.“ Abgesehen vom Erfahrungsreichtum, den diese Zeit hervorbrachte, gab es noch einen Pluspunkt: „Es half mir, Eigenkapital für die spätere Praxisgründung aufzubauen.“
Praxiseröffnung in Lütten Klein
Im April 2026 wagte die 30-jährige Carolin Herzberg dann den vorbereiteten Sprung ins abgesteckte Gründungswasser und eröffnete auf 190 Quadratmetern ihre Praxis Delfident im Rostocker Stadtteil Lütten Klein. Nicht ohne Grund hat sich der Soziologe Stefan Mau 2019 in seinem Buch Lütten Klein. Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft mit diesem Stadtteil auseinandergesetzt. Lütten Klein, die einstmals als Zeichen neuer Moderne deklarierte DDR-Plattenbausiedlung, hatte nach der Wiedervereinigung mit Reputationsverlust, Leerstand und sozialen Problemen zu kämpfen. In den letzten Jahrzehnten wurde die Großraumsiedlung umfangreich modernisiert und zeichnet sich heute durch eine gute Infrastruktur, viele Grünflächen und ihre Nähe zu Warnemünde und vielen Ostseestränden aus. Der Praxisstandort entspricht Carolin Herzbergs Vision: sie bietet eine inklusive Zahnmedizin, die sich insbesondere auch an sozial schwächere Kinder und Jugendliche sowie deren Familien richtet. Und die Nähe zur Ostsee ist auch Kern der in Pastellblau, Grün und Altrosa gehaltenen Corporate Identity, der Praxisname Delfident steht dabei im übertragenen Sinne für die Wasser- und Unterwasserwelt der Kinderzahnmedizin.
Hoher Bedarf sichert Gründung
Stand für Carolin Herzberg das Gründen eigentlich schon immer auf der Agenda? „Absolut, ich wollte meine eigenen Ideen umsetzen! In früheren Anstellungen sah ich oft Verbesserungspotenzial und zugleich einen extrem hohen Versorgungsbedarf – in Rostock wie im ländlichen Umfeld Mecklenburg-Vorpommerns.
Oft konnten wir keine weiteren Patienten aufnehmen, und die Kinder, die wir versorgten, kamen vielfach mit stark zerstörten Zähnen zu uns, mussten unter Narkose behandelt oder vollständig saniert werden. Noch dazu waren sie durch schlechte Vorerfahrungen eingeschüchtert und brauchten eine spezialisierte Betreuung. Durch diese Erfahrungen schreckte mich auch das Investitionsvolumen nicht ab. Mir war klar: Eine eigene Praxis wird auf jeden Fall funktionieren.“
Kinderzahnmedizin: Modern, ganzheitlich und schonend
Mit ihrem Behandlungskonzept betrachtet Carolin Herzberg Kinder und Jugendliche nicht nur umfassend und geht diversen Zusammenhängen nach, sondern bietet zudem besonders schonende Behandlungsmethoden. Dafür steht exemplarisch der Einsatz eines Intraoralscanners für Kinder mit Würgereiz, eine minimalinvasive Diagnostik sowie ein erweitertes Narkoseangebot mit einem regelmäßig anwesenden Anästhesisten. Besonders wichtig ist ihr dabei das komplexe Thema Zungenbanddiagnostik. Oft würden die Zusammenhänge zwischen Zungenbandverkürzungen, offener Mundhaltung, Mundtrockenheit, eingeschränkter Entwicklung des Gaumens und erhöhtem Kariesrisiko „zu wenig beachtet oder als ‚Modeerscheinung‘ unterschätzt. Dabei sind diese Aspekte immer miteinander vergesellschaftet und müssen miteinander betrachtet werden.“
DELFIDENT: Moderne, schonende Behandlungsmethoden
- Intraoralscanner für Kinder mit starkem Würgereiz
- Digitale Röntgentechnik in jedem Behandlungsraum
- Minimalinvasive Diagnostik mit Fluoreszenz-Lupenbrille
- Narkosebehandlungen mit Anästhesisten
- Ästhetischere, langlebigere Versorgungslösungen für Kinder mit Kreidezähnen
Passion für Fortbildung
Grundlage für das breite Leistungsspektrum ist Carolin Herzbergs Passion für Verbesserung durch fachliche Weiterbildung. Nach eigenen Angaben investierte sie bereits mehr als 40.000 EUR in Fortbildungen, darunter Curricula in Kinderzahnheilkunde, Hypnose, Lachgasbehandlung sowie Fortbildungen zur Zungenbanddiagnostik. Zusätzlich plant sie eine Zertifizierung im Bereich Zungenbandzentrum.