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Branchenmeldungen 16.09.2014

Kontroverse Positionen in Leipzig – Implantat vs. Zahnerhalt

Georg Isbaner
E-Mail:
Kontroverse Positionen in Leipzig – Implantat vs. Zahnerhalt

Am 19./20. September fand das 11. Leipziger Forum für Innovative Zahnmedizin statt. Das Thema lautete: Implantologie interdisziplinär – das Implantat vs. Zahnerhalt. Somit bot das Forum genügend Anlass für einige kontrovers diskutierte Themen.

Das Spannungsfeld des diesjährigen Leipziger Forums für Innovative Zahnmedizin am 19./20. September war mit dem Hauptthema bereitet: Implantologie interdisziplinär – das Implantat vs. Zahnerhalt. Rund 200 Teilnehmer konnten sich in verschiedenen Seminaren, Workshops, Vorträgen und in der begleitenden Dentalausstellung zu diesen Schwerpunktthemen weiterbilden.

Experten von Universitäten und aus der Praxis berichteten über ihre Erfahrungen und erörterten mit den Teilnehmern die praktische Umsetzung. Die Vorträge und Diskussionen im Hauptpodium wurden abgerundet durch ein vielseitiges begleitendes Kursprogramm zu den Themen Parodontologie, Endodontie, Sinuslift, GOZ, Hygiene und QM. Die wissenschaftliche Leitung der Tagung lag in diesem Jahr in den Händen von Priv.-Doz. Dr. Dr. Steffen G. Köhler und Dr. Theodor Thiele M.Sc., beide Berlin.

Videoimpressionen aus Leipzig

Minimalinvasiv und interdisziplinär

Es lässt sich scheinbar kaum ein größerer Gegensatz in der zahnmedizinischen Herangehensweise finden, als zwischen der Endodontie auf der einen Seite und der Implantologie auf der anderen. Doch so gegensätzlich diese Prinzipien aufgefasst werden können – es gibt zahlreiche interdisziplinäre Ansätze, die von beiden Welten das Beste vereinen möchten.

Grundsätzlich einig war man sich in Leipzig zunächst darüber, dass der Ausgangspunkt einer erfolgreichen Zahnmedizin eine patientengerechte und möglichst atraumatische Therapie sein sollte. Doch schon hier gibt es glücklicherweise sehr unterschiedliche Therapieoptionen, die alle ihre Berechtigung zu haben scheinen.

So stellten Priv.-Doz. Dr. Dr. Steffen G. Köhler und sein Berliner Kollege Prof. Dr. Hans Behrbohm in ihrem Seminar und den jeweiligen Vorträgen effiziente und minimalinvasive Verfahren der Sinusbodenelevation vor. Diese können bei fachgemäßer Ausführung zeitsparend und schonend für den Patienten durchgeführt werden. Andere Experten wie Prof. Dr. Mauro Marincola sehen vor allem bei der Verwendung von Kurzimplantaten große Potenziale, um invasivere Methoden wie z.B. die Knochenaugmentation zu umgehen. Aber auch die sogenannten Mini-Implantate, wie sie von Prof. Dr. Dr. Norbert Enkling vorgestellt wurden, reihen sich hier in ein möglichst minimalinvasives implantologisches Konzept ein, welches weitestgehend auf Knochenaufbaumaßnahmen verzichten möchte.

Impressionen aus Leipzig

Dass aber nicht nur die reine Implantattherapie als Dreh- und Angelpunkt patienten- und fachgerechter Behandlungsstrategien betrachtet werden sollte, machte u.a. Dr. Peter Gehrke in seinem Vortrag deutlich. Seiner Auffassung nach sollten die beteiligten Ärzte in bestimmten Fällen die Therapieoptionen im ganzen Behandlerteam – inklusive Zahntechniker – erörtern, um eine in zahnmedizinischer und finanzieller Hinsicht optimale Lösung für den Patienten zu finden: der Patient im Mittelpunkt.

Prof. Dr. Rainer Buchmann und Prof. Dr. Astrid Brauner vertieften diesen interdisziplinären Aspekt in ihren jeweiligen Vorträgen zu Parodontologie vs. Implantologie. Als Fachärzte für Parodontologie machten Prof. Brauner und Prof. Buchmann klar, dass sowohl prophylaktische Maßnahmen vor, während und nach der zahnmedizinischen Chirurgie als auch tiefgreifende parodontologische Kenntnisse unabdingbar sind.

Dass nicht jeder Zahn einem Implantat weichen muss, demonstrierte der Endodontologe Dr. Thomas Lang in seinem zweitägigen Seminar und seinem Vortrag am Samstag. Hierbei stellte er die rhetorische Patientenfrage: Was würden Sie tun, wenn es Ihr Zahn wäre? Die Endodontie bietet unter Zuhilfenahme modernster Mikroskop-Technologien und Endodontie-Materialien genügend Ansätze für eine nachhaltig erfolgreiche Therapie, die in vielen Fällen eine mögliche implantologische Versorgung wenn nicht gänzlich verdrängt, dann doch wenigstens um etliche Jahre verschiebt.

Endodontie vs. Implantologie

Aber bei aller Interdisziplinarität konnte der Brückenschlag zwischen Endodontie und Implantologie nur bedingt gelingen. So spitzte Dr. Ulrich Volz seine implantologische Grundthese dermaßen zu, dass eine kontroverse Diskussion im Podium nicht ausbleiben konnte. Dr. Volz und sein Team sind der Ansicht, dass z.B. endodontisch auffällige Zähne gar nicht erst behandelt werden müssen, sondern im Idealfall sofort durch (Keramik-)Implantate ersetzt werden sollten. Die bakteriologischen und immunologischen Risiken endodontisch auffälliger Zähne dürfe man nicht unterschätzen, so Dr. Volz. Doch laut Dr. Köhler könne ein endodontisch gut versorgter Zahn noch Jahre beschwerde- und komplikationsfrei erhalten bleiben. Auch seien Dr. Volz' Annahmen nicht ausreichend durch wissenschaftliche Belege untermauert, so Priv.-Doz. Dr. Dr. Steffen G. Köhler und Dr. Guido Sterzenbach. Dem widersprach Dr. Volz deutlich und verwies auf zahlreiche Kollegen aus Deutschland und den USA, die die wissenschaftlichen Grundlagen für seinen Therapieansatz schon seit einiger Zeit erarbeitet haben. Man darf gespannt bleiben, wie diese Kontroverse weitergeführt wird.

Ausblick FIZ 2015

Das Leipziger Forum für Innovative Zahnmedizin hat sich in den letzten zehn Jahren aufgrund seiner Themenvielfalt und Aktualität einen festen Platz im jährlichen Fortbildungskalender erobert, daher sollten sich Interessierte schon jetzt den Termin im kommenden Jahr vormerken: Das 12. Leipziger Forum für Innovative Zahnmedizin findet am 11. und 12. September 2015 im pentahotel Leipzig statt. Das Hauptthema des Forums lautet dann: Die Implantologie als chirurgische Disziplin – OP-Techniken und Risikomanagement.

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