Branchenmeldungen 26.02.2026

Curriculum operative und ästhetische Parodontologie im November 2025



Am zweiten Novemberwochenende fand die zweite curriculare Fortbildung 2025 im Bereich der operativen und ästhetischen Parodontologie der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie und des Berufsverbandes Deutscher Oralchirurgen in Düsseldorf statt. Den teilnehmenden Oral- und Kieferchirurgen bot sich ein spannendes und abwechslungsreiches Programm aus den unterschiedlichen Bereichen der Parodontologie.

Curriculum operative und ästhetische Parodontologie im November 2025

Foto: Lukasz – stock.adobe.com

Am Freitag wurde die Veranstaltung von Dr. Paul Weigl (Frankfurt) mit dem Vortragstitel „Innovativer Start einer Periimplantitis-Therapie: Die intra-orale elektrolytische Reinigung und Hydrophilisierung von kontaminierten Implantatoberflächen“ eröffnet. Auch wenn es den sogenannten Goldstandard für die Periimplantitistherapie noch nicht gibt, kann die Ursachenentstehung einer Periimplantitis doch sehr wohl auf viele bekannte Faktoren zurückgeführt werden. Die Erkrankung ist ein multifaktorielles Geschehen und laut Weigl sollten die auslösenden Faktoren auf ein Minimum reduziert werden. Daher ist die Planung der Implantation und auch die Durchführung bestimmter Schritte von großer Bedeutung. Dr. Weigl sieht in der Periimplantitis, genauso wie jede andere Fremdkörperreaktion auch, als sogenannte „Einkapselung“ an. Ein Implantat, das vom Körper nicht mehr gehalten werden kann, wird eingekapselt und über diesen Prozess konsekutiv abgestoßen. Weiterhin sieht er die Prothetik in der Implantologie als Wundverschluss an, denn die Prothetik trennt letztendlich das Implantat vom Mundhöhlenmilieu. Neben weiteren Faktoren ist seine Erkenntnis, dass je weniger an diesem Übergang manipuliert wird, desto weniger Probleme es mit Periimplantitis gibt. Er stellte sein „One Abutment – One Time“-Konzept vor, bei dem genau dies umgesetzt wird und das Implantat in der Sofortversorgung mit einem Abutment versorgt wird, welches nie wieder abgenommen werden muss und primär mit provisorischer Krone und sekundär mit finaler zementierter Krone versorgt wird. Wie eine Periimplantitistherapie mit Galvo Surge aussehen kann, worauf zu achten ist, welche Indikationen eher zu behandeln sind oder ausgeschlossen werden sollten, wurde im zweiten Teil seiner Präsentation im Detail aufgezeigt. Wichtig zu verstehen ist, dass das Gerät nicht nur die Oberfläche des Implantates elektrolytisch reinigt, sondern das zuvor kontaminierte Implantat auch seine Hydrophilie zurückerhält. Dies ist für ein Erhalt des Implantats mit anschließender Knochenaugmentation von großer Relevanz. Gelingt der Erhalt des Implantates mit diesem Therapieansatz, dann ist im Anschluss die Neuversorgung auch zu überdenken, denn dieser mögliche Faktor der Ursache einer Periimplantitis sollte ausgeschlossen werden.

Am Freitagnachmittag widmete sich Prof. Johann Wölber (Dresden) dem Thema „Moderne ätiologische Modelle und Risikofaktorenmanagement“.  Wie der Vortragstitel schon erahnen lässt, wurde im ersten Teil seiner Präsentation auf die Entstehung und zugehörige Risikofaktoren parodontaler Erkrankungen eingegangen. Womit allerdings die Wenigsten im Raum rechneten, war, was nach dem kurzen Teil seiner Einführung dann folgte. Der Vortrag nahm insofern eine unerwartete Wendung, als dass nun der Fokus seines Vortrags auf Ernährung und Lifestyle gerichtet wurde. Er gab in seinem Vortrag anhand diverser Studien einen Ausblick in die Entwicklung unserer heutigen Ernährung und kommt zu dem klaren Schluss, dass unser Körper auf die Nahrung der heutigen Nahrungsindustrie einfach nicht eingestellt ist. Unser Körper braucht die heutigen Nahrungsmittel, vor allem die verarbeiteten Nahrungsmittel, nicht. Unsere Ernährungsweise ist somit verantwortlich für diverse Erkrankungen unserer heutigen Zeit. Dies war für die meisten Kollegen im Raum in Bezug auf beispielsweise Diabetes und anderen „Volkskrankheiten“ wie Karies hinreichend bekannt. Er betonte jedoch auch, dass von Menschen aus der „Steinzeit“ auch so gut wie kaum zahnlose Relikte aufzufinden sind. Und dies, obwohl keinerlei Pflegeprodukte, wie heutzutage erhältlich, vorlagen. Ein Hauptgrund hierfür scheint also vor allem der Ernährungsstil gewesen zu sein. Sein Vortrag konnte das Auditorium davon überzeugen, dass auch die Gingivitis und in der Folge die Parodontitis zu einem nicht unerheblichen Faktor von den Ernährungsgewohnheiten des Menschen abhängig ist. Wir alle wissen, dass die Parodontitis ein multifaktorielles Geschehen ist, aber Prof. Wölber hat das Auditorium davon überzeugen können, dass die Ernährung auf Basis ihrer Makro- und Mikronährstoffverteilung Einfluss auf eine parodontale Erkrankung oder die Heilung haben kann. Vielen Dank für diese großartigen Erkenntnisse.

Der Samstagvormittag stand erneut im Zeichen der Periimplantitis.  Dr. Sebastian Becher (Düsseldorf) konnte in seinem Vortrag „Das Implantat in trouble: chirurgische Therapie der Periimplantitis, Strategien und Evidenz“ glänzen. Er setzte seine Schwerpunkte auf die Klassifikation der Diagnosen, auf die konservative und chirurgische Behandlung der biologischen Komplikationen sowie das Weichgewebsmanagement bei periimplantären Erkrankungen und brachte die teilnehmenden Kollegen detailliert auf den aktuellen wissenschaftlichen Stand. Zu Beginn standen die Ätiologie, Pathogenese und die Diagnose der periimplantären Erkrankungen im Vordergrund. Unter Betrachtung der Literatur wurde das synoptische Behandlungskonzept im Rahmen der implantologischen Versorgung betont und die Risikofaktoren wie Nikotinabusus, Parodontitis, Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und prothetische Gestaltung erläutert. Anschließend strukturierte er nicht-chirurgische Therapieverfahren, vorwiegend für die Mukositis, und chirurgische Therapien mit resektiven und regenerativen Ansätzen. Das Weichgewebsmanagement mittels freien Schleimhauttransplantaten und Bindegewebstransplantaten nahm vor allem in der Nachsorge eine bedeutende Wichtigkeit ein und Dr. Becher empfahl verschiedene Techniken zur Wiederherstellung verlorengegangener Weichgewebe und Schaffung von befestigter und/oder keratinisierter Mukosa. Sein gelungener, exzellent strukturierter Vortrag war im Hinblick auf die aktuelle Literatur und die notwendigen Techniken zur chirurgischen Behandlung von periimplantären Infektionen für die ca. 70 Teilnehmern ein hervorragender Einblick in die aktuelle parodontologische Wissenschaft und praxisnahe Therapiekonzepte.

Im zweiten Vortrag referierte PD Dr. Amelie Bäumer-König zu dem Thema „Regenerative PA-Therapie: Der Defekt bestimmt den Weg!“ und überzeugte mit ihrem lebhaften und praxisnahen Vortrag das Auditorium. Ein Fokus lag auf der Darstellung klinischer Fallbeispiele, die exzellent dokumentiert und teilweise als OP-Video gezeigt wurden. Zu Beginn wurde das Ziel der regenerativen Therapie, nämlich die Verbesserung der Prognose des Zahnes durch mehr Knochenniveau, herausgearbeitet und die essenziellen biologischen Grundlagen, die für das Verständnis der regenerativen Parodontalchirurgie aus wissenschaftlicher und klinischer Sicht bedeutsam sind, beleuchtet. PD Bäumer-König gliederte die klinische Umsetzung der GTR in drei Phasen und verlieh ihrem Vortrag dadurch eine optimale Struktur:

Phase 1 war gleichzusetzen mit der Patientenselektion präoperativ. Es wurden Faktoren mit positivem und negativem Einfluss auf das postoperative Ergebnis diskutiert sowie die Wichtigkeit der korrekten Diagnosestellung auf Zahnebene betont.   Die zweite Phase entsprach der operativen Phase und hier glänzte die Referentin mit umfangreichem Wissen und einer Palette an klinischen Fallbeispielen.

Zunächst wurden die unterschiedlichen Defektmorphologien und die damit verbundenen Regenerationspotentiale dargelegt. Anschließend gab sie hilfreiche Tipps zu OP-Techniken (MIST, M-MIST, etc.) und Lappendesign (vereinfacht vs. modifiziert) mit der Betonung des finalen primären Wundverschlusses. Die differenten Schnittführungen wurden detailliert und didaktisch klasse visualisiert. Abgerundet wurde Phase 2 von der Empfehlung der richtigen Materialauswahl: Die Referentin empfahl bei dreiwandigen Defekten die Verwendung von Emdogain und bei zwei- oder einwandigen Defekten die Anwendung einer Membran in Kombination mit einem Füllmaterial (xenogen oder porcin). Als Alternative erwähnte sie die Hyaluronsäure, die in ihrer Praxis bei der GTR allerdings aufgrund besserer Studienergebnisse für Emdogain keine Anwendung findet. Als Alternative zur Extraktion von Zähnen, die einen bis apikal reichenden Knochenverlust aufwiesen und häufig als hoffnungslos eingestuft werden, präsentierte die Referentin ihren therapeutischen, interdisziplinären Fahrplan zum Erhalt dieser Zähne. Die Zusammenarbeit aus Endodontie und Parodontologie führte bei den Fällen zu hervorragenden klinischen und röntgenologischen Ergebnissen.

Abgerundet wurde der Vortag von Phase 3, die das postoperative Patientenmanagement in den Fokus stellte: Absolutes Putzverbot im OP-Feld für 14 Tage, regelmäßige Spülung mit CXH sowie die Nahtentfernung nach 14 Tagen.

Zum Abschluss entstand eine lebhafte und kollegiale Diskussion und das Auditorium bekam eine ganze Palette Tipps – aus der Praxis, für die Praxis – an die Hand.

Den Schlusspunkt setzte am Sonntagvormittag Dr. Markus Bechthold aus Köln. Der Referent ist niedergelassen in Köln und Mitglied im geschäftsführenden Direktorium der Akademie Praxis und Wissenschaft (APW) der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK). Zu Beginn erfolgte eine detaillierte und praxisnahe Einführung in die Ätiopathogenese der Parodontitis und die zum Teil bidirektionalen allgemeinmedizinischen Assoziationen einer parodontalen entzündlichen Erkrankung wurden erörtert. Darüber hinaus wurden die Organisation und die damit verbundene Problematik des Biofilms in den Fokus gerückt und konsekutiv die einzelnen Entzündungsphasen erläutert. Die inflammatorischen Botenstoffe wurden im zeitlichen Zusammenhang mit dem klinischen Korrelat gesetzt und anhand dieser in den zeitlichen Ablauf der systematischen Parodontitis-Therapie gebracht.

Es folgte die ausführliche Vorstellung der EFP S3 Leitlinie und die Translation dieser in die einzelnen parodontalen Therapiestufen. Dr. Bechthold gab wertvolle Ratschläge und die praktische Umsetzung der einzelnen Therapiestufen wurde im Detail anhand von Fallbeispielen dargelegt und die verschiedenen Chancen der adjunktiven Therapien besprochen. Hier lag ein Schwerpunkt auf der Anwendung von Probiotika.

Ein weiterer Fokus seines Vortrags lag auf der UPT: Praktische Umsetzung, Frequenz, Tipps und Tricks aus der Praxis – für die Praxis. Er betonte mehrfach, dass die UPT nicht mit einer prophylaktischen Zahnreinigung gleichgesetzt werden darf. Die UPT sei eine Therapiestufe der parodontalen Behandlungsstrecke und essenziell für den langfristigen Erfolg der Parodontitis-Therapie.

Es folgte eine authentische Diskussion der Hindernisse und Hürden für den Praktiker im System der gesetzlichen Krankenkassen.

Den Teilnehmern boten sich nicht nur Einblicke in die aktuelle parodontologische Wissenschaft und praxisnahe Therapiekonzepte, sondern sie gaben auch Impulse zu weiterführenden kollegialen Gesprächen. Im Dialog mit den anwesenden Kollegen wurde deutlich, dass viele gerade diesen Austausch mit Freunden, Bekannten und anderen Kollegen besonders schätzen.

Einige der anwesenden Oral- und Kieferchirurgen nutzten die erneute Teilnahme am Curriculum Parodontologie, um die nötigen Fortbildungspunkte für die Rezertifizierung als Grundlage für die Verlängerung des Tätigkeitsschwerpunktes Parodontologie zu erwerben. Wir gratulieren außerdem den neuzertifizierten Kollegen und Kolleginnen und freuen uns im März (13-15.03.2026) viele Kollegen im Curriculum „Operative und ästhetische Parodontologie“ in Düsseldorf begrüßen zu dürfen.

Autoren: Dr. Frederik Hofmann, Dr. Robert Würdinger

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