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Branchenmeldungen 21.02.2011

Interdisziplinäre Periimplantitis-Sprechstunde IPS am ZZMK der Universität Zürich

Interdisziplinäre Periimplantitis-Sprechstunde IPS am ZZMK der Universität Zürich

Am ZZMK Zürich konstituierte sich eine interdisziplinäre Periimplantitis-Sprechstunde IPS, um niedergelassenen Zahnärzten Hilfestellung zu bieten bei der Behandlung periimplantärer Entzündungen. Johannes Eschmann berichtet über die Abendveranstaltung „Periimplantitis und Implantatkomplikationen – Aktuelle Problematik und Therapieansätze“ am 3. Juni 2010, die gleichzeitig das offizielle „Kick off“ für die IPS war.


Mit Periimplantitis wird sich die Zahnmedizin vermehrt beschäftigen müssen, darüber sind sich die Experten einig. Dass dieses Thema von grossem Interesse ist, zeigte sich daran, dass knapp 200 Teilnehmer den Weg ans ZZMK fanden und drei Tage später über 350 Teilnehmer das Symposium zum gleichen Thema der fortbildung Rosenberg besuchten. (Dental Tribune Schweiz wird in der September-Ausgabe darüber berichten.)

Der Moderator des Abends und Leiter der IPS, PD Dr. Ronald Jung, präsentierte erste Zahlen aus einer Umfrage des ZZMK, die mithilfe der Schweizerischen Gesellschaft für Implantologie durchgeführt wurde. Auffällig dabei ist, dass fast alle Teilnehmer der Umfrage bei Rauchern implantieren und immerhin noch etwa die Hälfte bei Patienten, die parodontale Resttaschen aufweisen. Damit sind zwei der Hauptrisikofaktoren für periimplantäre Entzündungen abgedeckt: so wird Periimplantitis-Prävalenz auf etwa 6 Prozent nach fünf Jahren und auf etwa 7 Prozent nach zehn Jahren geschätzt, wobei die Einschätzungen weit auseinanderlagen.

Prof. Dr. Thomas Imfeld beklagte in einem fast philosophisch angehauchten Vortrag die fehlenden epidemiologischen Daten. Zudem lägen auch die Definitionen weit auseinander, was weitere Schwierigkeiten hervorrufe. „Was heisst Knochenverlust? – Sind das 1 oder 2 Millimeter?“ – „Wer hat versagt?, Das Implantat, der Patient oder Behandler?“ Implantologie sei heutzutage „Everybodys Darling“, so Prof. Imfeld und schloss mit dem Motto: „Implanto ergo sum“.

„Was unterscheidet parodontale und periimplantäre Defekte?“, PD Dr. Patrick Schmidlin erläuterte in seinem Vortrag initial die parodontale und die periimplantäre Anatomie. Er konnte zeigen, dass der schüsselförmige Defekt um Implantate mit gut 50 % wie erwartet wohl der häufigste ist, dass aber andere Morphologien ebenfalls oft auftreten würden. Die Pathogenese der beiden Erkrankungen scheint sich beim heutigen Stand des Wissens stark zu ähneln.

„Welche Bakterien sind für Periimplantitis verantwortlich?“, titelte Prof. Dr. Rudolf Gmür, um die Frage gleich selbst zu beantworten: „Wir wissen es nicht!“ Die Besiedelung der Mundhöhle mit Mikroorganismen ist äusserst komplex: Eine Gesamtzahl von 1’010 bis 1’012 Bakterien, etwa 700 Spezies und Phytotypen, wovon nur etwa 30 % kultivierbar sind. In der Theorie sei alles relativ einfach – in der Praxis aber sehr schwer. Orale Biofilmbakterien haben eine panmiktische Populationsstruktur und es gibt keine gesicherte Verknüpfung einer einzelnen Art oder eines Subtyps mit einem Krankheitsbild. Aus Sicht des oralen Mikrobiologen und Immunologen zog Prof. Gmür folgendes Fazit: Die Mikrobiologie um gesunde wie auch erkrankte Implantate und Zähne scheint sich stark zu ähneln.

PD Dr. Frank Schwarz gilt international als einer der Experten auf dem Gebiet der Periimplantitis. Aus einem grossen Fundus an eigener präklinischer und klinischer Forschung, aber auch aus eigener klinischer Erfahrung, die er durch das Leiten seiner Periimplantitis-Sprechstunde an der Universität in Düsseldorf sammeln konnte, stellte er aktuelle Therapiekonzepte vor: Wichtig ist die Desinfektion einer aktiven Tasche, bevor eine chirurgische Therapie beginnen kann. Studien beweisen, dass die nicht-chirurgische Therapie alleine keine langfristige Besserung der Situation ergibt. Bei der chirurgischen Intervention wird unterschieden zwischen supra- und infrakrestalen Defektanteilen, wobei suprakrestal eine Implantatplastik durchgeführt und infrakrestal mit konventionellen Massnahmen knöchern augmentiert wird.

Den fachlichen Abschluss bildeten Fallpräsentationen aller bei der IPS beteiligten Kliniken. Dabei wurden jeweils fachspezifische Problemlösungen gezeigt: Für die PPK sprach Patrick Schmidlin und demonstrierte eine Patientin mit parodontitischem Hintergrund, wo er eine erfolgreiche 8-Jahres-Kontrolle einer Augmentation eines periimplantären Defektes durchgeführt hat. Dr. Fidel Ruggia (KFS) zeigte anhand eines hybridprothetischen Falles, dass die Symptome einer Periimplantitis auch durch eine nicht fachgerechte Herstellung einer Prothese hervorgerufen werden können. Eine eindrückliche periapikale Periimplantitis hat Dr. Dr. Michael Locher, Chirurgische Poliklinik, per Explantation, Augmentation des Defektes und erneute Implantation gelöst. PD Dr. Ronald Jung (KBTM) präsentierte eine junge Patientin mit zwei zu bukkal gesetzten und periimplantitischen Zir­kon­oxid-Implantaten in der Front. Auch hier war eine Explantation angezeigt, wobei bei der Lösung auf eine konventionelle Brückenarbeit zurückgegriffen wurde.

Mit der „Interdisziplinären Periimplantitis Sprechstunde“ IPS baut das ZZMK unter Beteiligung aller Kliniken ein Kompetenzzentrum für dieses Problem auf. Hauptfokus ist die Unterstützung der Privatpraktiker bei unklaren biologischen Problemen. Überwiesene Patienten werden nach der Befundaufnahme interdisziplinär und vom ganzen Team besprochen. Dabei wird ein Therapievorschlag erarbeitet, der dem nach Rat suchendem Zahnarzt zugeschickt wird. Sollte dieser eine Therapie am ZZMK wünschen, wird der Patient der für diese spezifische Aufgabe spezialisierten Klinik überwiesen, wo die Behandlung durchgeführt wird. Zusätzlich soll mit den gesammelten Patientendaten interdisziplinäre Forschung betrieben werden: Dies alles dient dem Gesamtziel, klinische Vorgehensweisen und Indikationen für konkrete Therapieschritte zur Behandlung von entzündeten Implantaten zu erarbeiten.

Kontakt:
IPS Sprechstunde des ZZMK
Universität Zürich
Esther Wiederkehr
Tel.: 044 634 41 03
esther.wiederkehr@zzmk.uzh.ch

Foto: © ZZMK

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