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Branchenmeldungen 03.07.2017

Krebsmedikamente: Problemfalle Kieferknochen

Krebsmedikamente: Problemfalle Kieferknochen

Krebspatienten mit metastasierenden Tumoren erhalten oft Medikamente (z.B. sog. Bisphosphonate), um den Knochenabbau und das Fortschreiten der Absiedlungen im Knochen zu stoppen. Leider hat der medizinische Segen eine Schwachstelle im Mundbereich: Die Zähne fungieren als Verbindung von außen in den Knochen, sodass unter bestimmten Umständen Keime in diesen eindringen und ihn zerstören können. Anhand der aktualisierten interdisziplinären S3-Leitlinie der DGMKG kann jedoch in vielen Fällen diese gefährliche Kiefernekrose vermieden werden. Die Details wurden auf der Jahres- Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) anlässlich des großen 67. Kongresses in Köln/Bonn vorgestellt. Der typische Spagat zwischen dem Segen der medikamentösen Therapie und den dadurch mitunter entstehenden Problemen für die MKG-Chirurgie wird am Beispiel einer 65-jährigen Patientin mit ihrem speziellen Krankheitsverlauf gezeigt.

Meist sind die Wirbelsäule und das Becken von metastasierenden Tumoren betroffen. Durch Knochenbrüche drohen starke Schmerzen, Bewegungsunfähigkeit und verfrühter Tod. Moderne Medikamente (sog. Bisphosphonate oder spezifische Antikörper) können den Abbau aufhalten. Sie hemmen die Zellen, die beim gesunden Knochenstoffwechsel für den Knochenabbau zuständig sind, die sogenannten Osteoklasten. Dafür gibt es unterschiedlich stark wirkende Medikamente.

Leider begünstigen diese aber auch z. T. gravierende Komplikationen am Kieferknochen, sodass Betroffene immer öfter Hilfe beim MKG-Chirurgen suchen. Denn: Die Zähne bilden die Verbindung von außen in den Knochen, sodass über diese „Schwachstelle“ Keime eindringen können. Der mit den sog. Antiresorptiva behandelte Knochen ist nicht mehr in der Lage, sich zu wehren, er wird infiziert und stirbt ab. In der Folge drohen Kieferbruch oder sogar -verlust und eine insgesamt schwierige Behandlung.

Anhand der aktualisierten interdisziplinären S3-Leitlinie der DGMKG kann jedoch in vielen Fällen diese gefährliche Kiefernekrose vermieden werden. Wichtig ist beispielsweise, vor Einnahme der Bisphosphonate oder Antikörper den Mundraum genau untersuchen zu lassen und Zysten, krankhafte Zähne und alle Entzündungsherde zu beseitigen. Während der gesamten Bisphosphonat- oder Antikörpertherapie ist eine penible Mundhygiene Grundvoraussetzung.

Bis zu 21 Prozent der Patienten mit Knochenmetastasen, die antiresorptiv ohne MKG-chirurgischezahnärztliche Vorbehandlung therapiert werden, entwickeln eine Kiefernekrose! Vor Beginn einer antiresorptiven Chemotherapie sollte daher unbedingt eine Sanierung der Mundhöhle von Infektionen und Keimeintrittspforten durchgeführt werden. Durch eine solche Prophylaxe kann eine Senkung der Häufigkeit der Kiefernekrosen auf wenige Prozente (etwa 2 Prozent) erzielt und den Patienten Schmerzen erspart und Lebensqualität erhalten werden.

Patientin mit Knochenmetastasen: Gute Lebensqualität dank Bisphosphonaten und trotz Kiefernekrose

Die komplexe Problematik der Bisphosphonat-induzierten Knochennekrosen wird am Beispiel einer Patientin deutlich, die seit mehr als fünf Jahren an einem Mamma-Karzinom erkrankt ist. Es liegen Metastasierungen an der Wirbelsäule und dem Oberschenkel vor.

 

Die PET-CT-Aufnahmen zeigen metastatischen Befall an Wirbelsäule und Oberschenkel (leuchtende Stellen) © Klinik für MKG-Chirurgie Diakovere Henriettenstift Hannover

Daher war es neben der Behandlung mit den eigentlichen Tumor hemmenden Zytostatika nötig, das weitere Wachstum und die Zerstörung im Knochen zu stoppen. Das gelang ausgezeichnet, denn die ersten PET-CT Bilder stammen aus dem Jahr 2014 und die Knochenmetastasen sind seitdem nicht größer geworden.

Im Frühjahr 2016 trat dann jedoch eine Knochennekrose im Oberkiefer links auf, die bei der Patientin Schmerzen und einen unangenehmen Geschmack im Mund verursachte. Der Befund war unter einer Brücke entstanden.

 

Die beiden Schnittbilder des Oberkiefers zeigen die deutlich aufgelockerte, lückenhafte Knochenstruktur und die mäßige Mitreaktion der unteren Kieferhöhlenschleimhaut. © Klinik für MKG-Chirurgie Diakovere Henriettenstift Hannover

In Absprache mit der behandelnden Onkologin wurde der OP-Zeitpunkt festgelegt und nach einer Zytostatika-Pause erfolgte der MKG-chirurgische Eingriff in Narkose und unter kontinuierlicher Antibiotika- Therapie mit plastischer Deckung des Knochens. Die Wundheilung verlief zunächst verzögert und etwas schleppend, aber letztendlich erfolgreich. Die Patientin behielt ihren Kiefer und wurde beschwerdefrei.

Quelle: DGMKG

Foto: the_lightwriter – stock.adobe.com
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