Branchenmeldungen 04.03.2026

IDS 2027: Neue Impulse für die zahnärztliche Prophylaxe

KOELNMESSE – Die zahnärztliche Prophylaxe gilt als Feld mit vielen bewährten Konstanten – und überrascht dennoch immer wieder mit neuen Erkenntnissen und Anwendungen. Von neu entdeckten Mikroorganismen über weiterentwickelte Fluoridkonzepte bis hin zu digital unterstützten Mundhygienehilfsmitteln: Die 42. Internationale Dental-Schau (IDS) zeigt vom 16. bis 20. März 2027 in Köln, wie dynamisch sich Prävention und Prophylaxe weiterentwickeln.

IDS 2027: Neue Impulse für die zahnärztliche Prophylaxe

Foto: Koelnmesse GmbH, Thomas Klerx

In der menschlichen Mundhöhle sind mehr als 770 verschiedene Bakterienarten bekannt. Im Frühjahr 2025 wurde mit Dentiradicibacter hellwigii ein weiteres Mundbakterium identifiziert, benannt nach Prof. Dr. Elmar Hellwig, dem Freiburger Professor und ehemaligen Ärztlichen Direktor der Klinik.

Nach bisherigen Erkenntnissen kommt es bevorzugt in infizierten Wurzelkanälen vor, gilt jedoch nicht zwingend als Krankheitsauslöser. Bestehende Prophylaxestrategien müssen daher nicht grundlegend verändert werden, werden jedoch gezielt ergänzt.

Ein zentraler Baustein der Kariesprävention bleibt Fluorid. Neben der klassischen Anwendung in Zahnpasten erweitern sich die Darreichungsformen, etwa durch Fluoridlacke mit mehreren Fluorid-Typen wie Olaflur, Dectaflur, Natriumfluorid und mäßig löslichem Kalziumfluorid.

Dieser und andere Lacke fluoridieren Zahnoberflächen zur Kariesprophylaxe, reduzieren Hypersensibilitäten, unterstützen die Behandlung von freiliegenden Zahnhälsen und werden während und nach kieferorthopädischen Behandlungen angewendet. Ergänzend werden nach Entfernung kieferorthopädischer Apparaturen hydroxyapatithaltige Pflegecremes zur Remineralisierung der Zahnhartsubstanz angeboten.

Für die häusliche Mundpflege bleibt, neben fluoridhaltigen Zahnpasten, die Zahnbürste das das wichtigste Hilfsmittel – zunehmend elektrisch, digital und intelligent. KI-basierte elektrische Zahnbürsten erfassen bei der Reinigung in Echtzeit Parameter wie Putzdruck, Putzdauer und die Putzregion sowie die Position im Mund. Die Daten werden über Bluetooth an das Smartphone des Patienten übertragen, dort analysiert und visuell dargestellt. Patienten erhalten so eine Übersicht über gut gereinigte Bereiche und sogenannte „Risiko-Regionen“, denen sie künftig mehr Aufmerksamkeit widmen sollten.

Über eine anonymisierte Cloud-Übertragung können diese Daten zusätzlich auf einen zahnärztlichen Computer übermittelt werden. Das Praxisteam gewinnt dadurch Einblicke in das individuelle Putzverhalten und kann gezielte Empfehlungen geben. Studien zeigen, dass KI-gestützte Zahnputz-Apps bei ihren Nutzern im Vergleich zu Nicht-Nutzern die Anzahl entzündeter Parodontaltaschen signifikant stärker reduzieren können.

Auch Produkte für besondere Lebenssituationen bereichern das Spektrum der Individualprophylaxe. Für Reisende stehen beispielsweise elektrische Zahnbürsten mit Reiseetui und integrierter UV-C-Lampe zur Verfügung, mit der sich Bürstenköpfe innerhalb von 30 Sekunden sterilisieren lassen.

Zunehmende Aufmerksamkeit erhält zudem die Zungenreinigung. Der Biofilm auf der Zunge gilt als häufigste intraorale Ursache für Mundgeruch, da sich dort 60 bis 80 Prozent der oralen Bakterien befinden. Eine strukturierte Mundgeruchstherapie in der Zahnarztpraxis kann bis zu 90 Prozent der Betroffenen zu frischem Atem verhelfen und lässt sich im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung umsetzen.

Das Prophylaxe-Team verwendet dabei zum Beispiel weiche rotierende Bürsten, Ultraschallsysteme oder auch einen Zungensauger. Darüber hinaus können auch photodynamische Therapieansätze gute Ergebnisse bringen und geruchsauslösende Bakterien selbst im dorsalen Bereich der Zunge wirksam bekämpfen.

Außerdem kann das Prophylaxe-Team dem Patienten für zu Hause verschiedene Hilfsmittel empfehlen: Ein klassischer Zungenschaber spielt seine Vorteile unter anderem bei längeren Fadenpapillen aus. Bei tieferen Zungenfurchen kommen bevorzugt spezielle Zungenreiniger mit Lamellen oder Borsten zur Anwendung. Eine zusätzliche antibakterielle Wirkung lässt sich mit 1-prozentigem Chlorhexidingel erzielen. Üble Schwefelgerüche können zudem mit zinkhaltigen Lutschtabletten, Mundspülungen oder Gelen reduziert werden. Eine wirkungsvolle adjuvante Maßnahme ist das fünf- bis zehnminütige morgendliche Ölziehen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt zudem spezifischen Patientengruppen. Bei Kindern bleibt Karies im Milchgebiss ein relevantes Thema, wobei zunehmend minimalinvasive Therapien wie die Kariesinfiltration Anwendung finden. Bei Senioren führen mehr erhaltene Zähne zu einem erhöhten Risiko für Wurzelkaries und Parodontitis. Entsprechend wichtig ist die professionelle Aufbereitung glatter, harter und dekontaminierter Wurzeloberflächen, etwa mit Gracey-Küretten oder Ultraschallgeräten mit adaptierten Spitzen.

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„Das Engagement der zahnärztlichen Prophylaxe-Teams sowie die präventionsorientierte Zahnheilkunde insgesamt haben großartige Erfolge für die Mund- und Zahngesundheit der Patienten erreichen können“, betont Mark Stephen Pace, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Deutschen Dental-Industrie (VDDI). „Diese Erfolge gilt es mit bewährten und innovativen Mitteln zu sichern und auszubauen.“

Allerdings: Während bei Erwachsenen die Karies deutlich zurückgegangen ist, verharrt die Milchzahnkaries auf einem in etwa konstanten Niveau; und die Erfolge bei der Zahnerhaltung bedeuten für Senioren, dass die größere Zahl der verbliebenen Zähne eine extra Prävention fordert. Diese Beispiele zeigen, wie wichtig eine wirklich individuelle Prophylaxe ist – je nach Alter, Fingerfertigkeit und anderen persönlichen Faktoren.

Die IDS 2027 zeige umfassend, welche Lösungen der internationale Dentalmarkt für die professionelle und häusliche Mundpflege bereithalte, betont Mark Stephen Pace. „Hier informiert sich der Besucher über den aktuellen Stand der Technik und kann die eigene Praxis direkt im Anschluss an die Messe auf ein höheres Niveau upgraden. Damit ist das Prophylaxe-Team selbst gegen neuentdeckte Mikroorganismen hervorragend gefeit.“

Die IDS findet alle zwei Jahre in Köln statt und wird veranstaltet von der GFDI Gesellschaft zur Förderung der Dental-Industrie mbH, dem Wirtschaftsunternehmen des Verbandes der Deutschen Dental-Industrie e.V. (VDDI). Durchgeführt wird sie von der Koelnmesse GmbH, Köln.

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