Branchenmeldungen 19.08.2020
Zwielichtige Online-Bewertungen in den Heilberufen – Ein Aufruf!
Dass Kundenbewertungen im Netz von großer Wichtigkeit für die Reputation vieler Firmen, insbesondere Gastronomen und Hotels einen maßgeblichen Faktor für die Kundenentscheidung darstellen, ist heute eindeutig belegt.
Seit einigen Jahren ist es auch möglich, seine Ärztin oder Arzt auf entsprechenden Portalen hinsichtlich Softskills wie Freundlichkeit, telefonische Erreichbarkeit oder Barrierefreiheit aber auch Hardskills wie ärztliche Kompetenz zu bewerten. Auch wenn die Mund-zu-Mund-Propaganda nachweislich einen höheren Stellenwert bei der Arztwahl spielen, geben laut einer Studie der FAU Nürnberg-Erlangen 65% der Befragten an, solche Plattformen zumindest einmal genutzt zu haben (Emmer et al. 2013). So erklärt sich auch, dass zunehmend mehr Patienten bei Zufriedenheit oder Unzufriedenheit ihre Erfahrung im Internet kundtun.
Leider finden sich bei den Bewertungen bei diesen Plattformen nicht nur konstruktive Kommentare, die auf einer eigenen Erfahrung beruhen. Es finden sich zunehmend auch Bewertungen, die in den Praxen keinem Patienten zugeordnet werden können, gerade auch weil es die Portale erlauben, einen fingierten Namen zu benutzen oder anonym zu bleiben. Dieses Phänomen tritt interessanterweise häufig in traditionsgemäß eher durch weniger Patientenaufkommen geprägten Zeiten wie etwa in den Sommermonaten auf.
Erstaunlich ist auch der Zusammenhang zwischen einer zeitlichen Häufung von negativen Bewertungen und den kurz darauffolgenden „Hilfeangeboten“ von Unternehmen, die teilweise mit der nahezu 100 %igen Löschung aller negativen Bewertung werben. Die zeitliche Korrelation lässt zumindest einen Verdacht eines Geschäftsmodels zu?
Diesem Umstand soll nun prüfend nachgegangen werden. Daher gilt es zunächst, dieses Auftreten numerisch zu erfassen. Solche Vorfälle sollten dem juristischen Beistand der zuständigen Landeszahnärztekammern gemeldet werden.
Betroffene werden gebeten, ihre Erfahrungen oder begründete Verdachte an bewertungsradar@gmail.com zu senden, welche im Nachgang ausgewertet und möglichst zeitnah und anonym in der Fachpresse eine Veröffentlichung finden.
Melden Sie sich, dies ist der erste Schritt diesem Geschäftsmodell, welches berufliche Existenzen nur aus Profitgier angreift, das Treiben schwerer zu machen.
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