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Branchenmeldungen 28.02.2011

Studie belegt Zusammenhang von Hormonersatztherapie und Mundgesundheit

Studie belegt Zusammenhang von Hormonersatztherapie und Mundgesundheit

Aktuellen Studien zufolge wird die Hormonersatzherapie (HRT) in der Menopause auch in Deutschland immer seltener: Während zwischen 2000 und 2002 noch rund 35 % der Frauen Hormone einnahmen*), sank die Quote in den Jahren 2002 und 2004 auf rund 23 %, die in jüngerer Zeit verordneten Präparate sind zudem in der Regel niedriger dosiert. Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse bekamen im Jahr 2008 nur noch 11,6 Prozent der Frauen zwischen 45 und 65 Jahren Hormonpräparate - 2000 waren es noch 37 Prozent.

In die Diskussion um Nutzen (z. B. besserer Schutz vor Darmkrebs, Herzerkrankungen und Knochenbrüchen, insbesondere bei frühzeitiger HRT) und Risiken (z. B. leicht erhöhtes Ovarial- und Brustkrebsrisiko) von Hormonsubstitution mischen sich vermehrt auch zahnmedizinische Aspekte: Im Rahmen der verschiedenen Fragestellungen zu Ergebnissen der SHIP-Studie (Study of Health in Pomerania) an der Universität Greifswald wurden auch Zusammenhänge von Hormonersatztherapie und Mundgesundheit geprüft – ausgelöst durch die Fragestellung, warum Frauen parodontologisch gesünder seien als Männer, aber über weniger Zähne als diese verfügen. Prof. Dr. Thomas Kocher/Greifswald, dessen Abteilung maßgeblich an dieser Studienauswertung beteiligt war und der schon vor einigen Jahren über mögliche Zusammenhänge berichtet hatte, sagte hierzu auf Anfrage des Dentista Clubs: „Einerseits wurde die alte Volksweisheit leider bestätigt, dass im Schnitt jedes Kind die Mutter einen Zahn kostet – bei bildungsferneren Frauen war dieser Zusammenhang größer als bei höher gebildeten Frauen. Andererseits fanden wir erstaunlich deutliche Ergebnisse bei unserer Hypothese, dass bei den über 50jährigen Frauen Hormonersatztherapie eine deutliche Rolle spielen könnte.“ Die Studie**) verglich die Anzahl natürlicher Zähne bei Männern über 50 Jahre mit der Anzahl naturgesunder Zähne bei postmenopausalen Frauen mit und ohne HRT. „Wir sahen, dass die Anzahl der natürlichen Zähne in dieser Altersgruppe bei Frauen mit Hormonersatztherapie signifikant über derjenigen der Männer und diese noch über derjenigen der Frauen ohne Östrogensubstitution lag.“

Ein Zusammenhang mit Osteoporose ist nicht ausgeschlossen, wurde aber nicht dezidiert untersucht. Die Konsequenz für die Zahnmedizin: Wenn immer weniger Frauen in der Menopause HRT erhalten, steigt das Risiko für Zahnverlust erheblich an und erfordert intensiveres Recall entsprechender Patientinnen.

Allerdings dürfen die Ergebnisse nicht als Aufforderung zu vermehrter Hormonersatztherapie gelesen werden, so der Dentista Club: Nach wie vor ist Stand der ärztlichen Position, dass in jedem Einzelfall die Entscheidung für oder gegen eine HRT abgewogen werden muss – in diese Entscheidung spielen auch genetische Veranlagungen wie z.B. zu Brustkrebs oder Osteoporose mit hinein.

*) (Climacteric 12, 2009, 349/Ärzte Zeitung)
**) veröffentlicht 2008 in: „Journal of the North American Menopause Society“t.

Quelle: Dentista Club, 20.01.2010


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