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Branchenmeldungen 11.09.2008

Zahnfleischbluten steht in Verbindung mit Herzerkrankungen

Zahnfleischbluten steht in Verbindung mit Herzerkrankungen

Schlechte Zähne, Zahnfleischbluten und eine mangelhafte Mundhygiene können Herzerkrankungen hervorrufen, wie Wissenschaftler heute (11.09.2008) auf dem jährlichen Herbsttreffen der Society for General Microbiology im Trinity Collge in Dublin hören konnten.

Menschen, die ihre Zähne nicht regelmäßig putzen und eine nur mangelhafte Mundhygiene durchführen, leiden häufig unter Zahnfleischbluten. Dieses bietet einen Zugang zum Blutkreislauf für bis zu 700 verschiedene Bakterienarten des Mundraums. Nach Meinung von Mikrobiologen der Universität Bristol und des Royal College of Surgeons in Irland erhöht sich dadurch das Risiko für einen Herzinfarkt.

„Der Mund ist vermutlich der schmutzigste Ort im menschlichen Körper“, sagte Dr. Steve Kerrigan vom Royal College of Surgeons in Dublin. „Durch offene Blutgefäße, wie sie bei Zahnfleischbluten vorkommen, dringen Bakterien in die Blutlaufbahn ein. Dort treffen sie auf winzige Fragmente, die Thrombozyten, welche für die Blutgerinnung bei Verletzungen verantwortlich sind. Indem sie sich an die Thrombozyten anheften, verursachen die Bakterien ein Gerinnen innerhalb des Blutgefäßes, wodurch dieses teilweise blockiert wird. Das Blut kann so nicht mehr ungehindert ins Herz zurückfließen und wir laufen Gefahr einen Herzinfarkt zu erleiden.“

Die einzige Behandlung für diese Art von Erkrankung ist eine aggressive Therapie mit Antibiotika. Mit dem wachsenden Problem mehrfach resistenter Bakterien ist diese Möglichkeit jedoch zunehmend von kurzer Dauer.

„Kardiovaskuläre Erkrankungen sind heutzutage die häufigste Todesursache in der westlichen Welt. Orale Bakterien wie Streptococcus gordonii und Streptococcus sanguinis
sind weit verbreitete Erreger und wir erkennen jetzt, dass bakterielle Infektionen ein eigenständiger Risikofaktor für Herzerkrankungen sind“, sagte Professor Howard Jenkinson von der Universität Bristol. „In anderen Worten: Es ist egal, wie fit, schlank und gesund man ist. Durch schlechte Zähne erhöht man die Wahrscheinlichkeit einer Herzerkrankung.“

Um neue und verbesserte Therapien zu entwickeln, haben Forscher aus Bristol jetzt untersucht, auf welche Weise die Bakterien mit den Thrombozyten interagieren.

„Die meisten Studien, die sich mit der Interaktion der Bakterien mit Thrombozyten beschäftigt haben, wurden unter Bedingungen durchgeführt, die denen im menschlichen Kreislaufsystem nicht entsprechen“, so Professor Jenkinson. „Wir haben den Druck innerhalb der Blutgefäße und des Herzes nachgeahmt. Mit dieser Technik haben wir demonstriert, dass Bakterien verschiedene Mechanismen nutzen, um die Thrombozyten zu verklumpen und von diesen komplett eingeschlossen zu werden. Dies schirmt die Bakterien vor den Zellen unseres Immunsystems ab, welche Bakterien normalerweise abtöten würden; und am wichtigsten: Es schützt sie auch vor Antibiotika.“

Die Ergebnisse zeigen, warum Antibiotika in der Therapie infektiöser Herzerkrankungen nicht immer anschlagen und heben die Notwendigkeit zur Entwicklung neuer Medikamente für diese Erkrankungen hervor.

„Wir befinden uns derzeit im Prozess, den genauen Ort zu bestimmen, an welchem sich die Bakterien an die Thrombozyten anbinden“, sagte Professor Jenkinson. „Sobald dieser identifiziert ist, werden wir neue Medikamente entwickeln, die eine solche Interaktion unterbinden.“

„Wir haben auch verschiedene Proteine an den Bakterien identifiziert, die zur Verklumpung der Blutblättchen führen“, so Dr. Kerrigan. „Die genetische Beseitigung dieser Proteine von den Bakterien verhinderte ein Klumpen der Thrombozyten, was beweist, dass diese Proteine eine wesentliche Rolle spielen und mögliche Kandidaten bei der Entwicklung neuer Medikamente oder in der Impfstoffherstellung sein könnten.“

Quelle: Pressemeldung der Society for General Microbiology über Eurekalert.org, 10.09.2008

Foto: © Shutterstock.com
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