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Wissenschaft und Forschung 03.07.2018

Zusammenhang zwischen Piercings und Parodontitis aufgedeckt

Zusammenhang zwischen Piercings und Parodontitis aufgedeckt

Zungenpiercings haben einen negativen Einfluss auf Zahnfleisch und Zähne in unmittelbarer Nähe. Das zeigen aktuelle Studien, die auf der EuroPerio9 in Amsterdam vorgestellt wurden.

Dr. Clemens Walter, Spezialist für Parodontologie an der Klinik für Parodontologie, Kariologie und Endodontologie, Universität Basel, ist durch einen Fall auf das Thema Piercings aufmerksam geworden. Ein Patient mit Zungenpiercing war parodontal gesund, mit Ausnahme der unteren Schneidezähne. Risikofaktoren konnten ausgeschlossen werden. Nichtchirurgische und chirurgische Behandlungen blieben erfolglos, der Patient verlor Zähne. Dr. Clemens Walter begann, Fälle dieser Art zu sammeln.

Die Studie umfasst 18 Patienten (davon 14 weiblich) zwischen 28 und 36 Jahren mit Lippen- oder Zungenpiercing oder beidem. Klinische Parameter und die maximale Tragezeit des Lippen- und/oder Zungenpiercings wurden erfasst. Die Parodontalbefunde der Zähne in Piercingnähe wurden mit denen ohne Nähe zum Piercing verglichen.

Dr. Walter konnte einen Zusammenhang zwischen oralen Piercings und erhöhter parodontaler Entzündung, wie es sich durch erhöhte Blutung beim Sondieren und erhöhte Sondierungstiefe und/oder Attachmentverlust zeigte, feststellen. Je größer die Nähe zum Piercing, umso größer waren die Schäden.

Dr. Bernard Loir aus Brüssel stellte auf der EuroPerio9 ebenfalls zwei Fälle vor. Die Patientinnen (27 und 32 Jahre alt) trugen acht bis zehn Jahre lang Zungenpiercings und zeigten wiederholt Zahnfleischbluten, -schäden und Parodontitis, verursacht durch den chronischen Druck des Metalls gegen Zähne und Zahnfleisch bei Zungenbewegungen während des Sprechens, Essens und Schluckens. Die Läsionen wurden auf der lingualen Seite der Schneidezähne in der Nähe des Piercings lokalisiert.

Nachdem sich auch Abszesse gebildet und Zahnbewegungen stattgefunden hatten, wurden die Piercings entfernt. Für beide Patienten waren eine zeitraubende und kostspielige chirurgische Behandlung sowie Antibiotika nötig, die vollständige Regeneration des verlorenen Gewebes konnte jedoch nicht erreicht werden. Da die Schäden im ästhetischen Bereich auftreten, sei dies für die meist jungen weiblichen Patienten in besonderer Weise dramatisch, erklärt Dr. Loir.

Dr. Walter plant, zukünftig noch mehr Daten weltweit zu sammeln, um ein Bewusstsein für die Folgen von oralen Piercings zu schaffen. Er empfiehlt, Patienten vor den Risiken zu warnen und ihnen dazu zu raten, vorhandene Piercings zu entfernen, um das Risiko für Zahn- und parodontale Komplikationen zu verringern.

Quelle: EFP

Foto: beccarra – stock.adobe.com
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