Wissenschaft und Forschung 03.03.2026

Schlechte Zähne in der Kindheit – ein Risikofaktor fürs Herz im Erwachsenenalter?



Wenn wir an Risikofaktoren für Herzinfarkte und Schlaganfälle denken, stehen meist Blutfettwerte, Bluthochdruck oder Diabetes im Vordergrund. Dass der Blick auch sehr viel früher ansetzen könnte, legt nun eine große dänische Studie nahe. Kinder mit vielen Kariesläsionen und ausgeprägten Zahnfleischentzündungen entwickeln als Erwachsene deutlich häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam der Universität Kopenhagen auf Basis nationaler Gesundheitsdaten.

Schlechte Zähne in der Kindheit – ein Risikofaktor fürs Herz im Erwachsenenalter?

Foto: globalmoments – stock.adobe.com

 

Ausgewertet wurden Informationen aus dem „National Child Odontology Registry“ von mehr als 568.000 Kindern der Geburtsjahrgänge 1963 bis 1972. Diese Daten wurden mit Diagnosen zu Herzinfarkt, Schlaganfall und koronarer Herzkrankheit aus dem „National Patient Register“ bis zum Jahr 2018 verknüpft, also bis in das mittlere Erwachsenenalter der Betroffenen. Kinder mit vielen Kariesläsionen wiesen später eine bis zu 45 Prozent höhere Rate an Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf als jene mit weniger Zahnproblemen. Bei schwerer Gingivitis lag die erhöhte Erkrankungshäufigkeit bei bis zu 41 Prozent.

Bild von einem Quotenzeichen
Mit zunehmender Schwere der oralen Erkrankungen stieg auch die spätere Rate kardiovaskulärer Diagnosen. Gleichzeitig ordnen die Forschenden ihre Ergebnisse ein.„Dies ist eine Beobachtungsstudie, und wir können daraus nicht schließen, dass eine schlechte Mundgesundheit in der Kindheit später Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursacht“, wird Studienautorin Merete Markvart in der Pressemitteilung zitiert.
Untersucht worden seien statistische Zusammenhänge, nicht die zugrunde liegenden biologischen Mechanismen. Als mögliche Erklärung verweisen die Autoren auf Entzündungsprozesse. „Entzündungen könnten ein gemeinsamer zugrunde liegender Faktor sein“, heißt es weiter. Eine starke oder langanhaltende Aktivierung des Immunsystems durch Zahnfleischerkrankungen und Karies in jungen Jahren könnte beeinflussen, wie der Körper später auf entzündliche Reize reagiert. Neben kardiovaskulären Erkrankungen analysierte das Team auch den Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes. Kinder mit schwerer Zahnfleischerkrankung zeigten im Erwachsenenalter eine bis zu 87 Prozent höhere Rate für Typ-2-Diabetes. Bei multiplen Kariesläsionen lag der Anstieg bei rund 19 Prozent. Um mögliche Einflüsse wie Lebensstil oder soziale Herkunft mit zu berücksichtigen, wurden Faktoren wie das Bildungsniveau in die statistischen Berechnungen ebenfalls einbezogen. Nach Berücksichtigung dieser Faktoren blieben die Unterschiede in der Rate kardiovaskulärer Erkrankungen bestehen. 

Die Studie basiert auf der langfristigen Verknüpfung von Registerdaten und beschreibt statistische Zusammenhänge. Die Forschenden betonen ausdrücklich, dass sich daraus keine Ursache-Wirkungs-Beziehung ableiten lässt.

Mehr News aus Wissenschaft und Forschung

ePaper