Anzeige
Wissenschaft und Forschung 26.06.2011

Softdrinks machen krank

Softdrinks machen krank

Süssgetränke erhöhen den Blutzuckerspiegel, machen dick und können auf Dauer zu Arteriosklerose, Herzinfarkt und Hirnschlag führen. Ernährungswissenschaftler Kaspar Berneis hat den Zusammenhang zwischen mässigem Konsum von Softdrinks und erhöhtem Gesundheitsrisiko erstmals kausal nachgewiesen. Besonders tückisch: mit Fruchtzucker gesüsste Getränke.

Ein bekanntes Bild: Tisch, Bücher, Laptop und ein Energy-Drink, der Lern-Power verspricht. Was vielen kaum bewusst ist: Durch den regelmässigen Konsum solcher Süssgetränke nehmen wir täglich zum Teil weit über 100 Gramm verschiedene Zuckerarten wie Fructose (Fruchtzucker) und Saccharose (Haushaltszucker) zu uns. Schon eine Dose gängiger Energy-Drinks enthält zwischen 25 und 30 Gramm Zucker. Im Vergleich dazu: Ein Apfel enthält etwa sechs Gramm Fructose.

«Durch Süssgetränke kann dem Körper mehr Fructose zugeführt werden, als dieser direkt verarbeiten kann», sagt Kaspar Berneis, Endokrinologe an der Universität und am Universitätsspital Zürich. In einer kürzlich im «American Journal of Clinical Nutrition» veröffentlichten Studie erbrachte er erstmals den Nachweis, dass sich bereits mässiger Konsum von Fructose, Glucose oder Saccharose in Form von Süssgetränken fatal auf die Gesundheit auswirken kann – und zwar bereits in einem Zeitraum von Wochen. «Ich war überrascht, wie deutlich die Ergebnisse waren», sagt Berneis.

Fructose kann wie andere Zuckerarten aus Zuckerrohr oder Zuckerrüben gewonnen werden. Dieser künstlich hergestellte Fruchtzucker wird mit Wasser und Geschmacksmitteln vermischt und fertig ist das Süssgetränk! Mit der richtigen Werbung avancieren solche Produkte schnell zum Lieblingsgetränk von Kindern und Jugendlichen.

Alarmierende Ergebnisse

Fructose kann im Gegensatz zur Glukose, die als Glykogen im Körper gespeichert wird, nicht deponiert werden, sondern wandelt sich zum Teil direkt in Fett um. Berneis hat in seiner Studie die Auswirkungen des Konsums von Süssgetränken auf junge, gesunde Männer im Alter von 19 bis 25 Jahren untersucht. «Bei älteren Probanden wären unsere Untersuchungsergebnisse nicht so eindeutig, weil unter Umständen gesundheitliche Störungen gemessen worden wären, die mit der Aufnahme von Fructose primär nichts zu tun haben», sagt Berneis.

Der normale Fructosekonsum von Männern in der Schweiz liegt bei 16,1 Gramm freier Fructose täglich, beziehungsweise bei 48,4 Gramm freier Fructose und Fructose aus Saccharose.

Berneis’ Probanden tranken während drei Wochen drei Mal am Tag je zwei Deziliter Süssgetränke, die entweder Fructose, Glukose oder Saccharose enthielten – Mixturen, die mit vielen gängigen Süssgetränken vergleichbar sind. In einem ersten Durchlauf nahmen die Probanden täglich 40 Gramm Fructose auf (13,3 Gramm pro Getränk). In einem weiteren Versuchsdurchlauf waren es 80 Gramm täglich (26,7 Gramm pro Getränk).

Fettbauch und mehr «schlechtes Cholesterin»

Bereits nach dreissig Tagen wiesen die jungen Testtrinker nicht nur einen grösseren Bauchumfang auf, sie hatten auch einen höheren Blutzuckerspiegel und schlechtere Cholesterin-Werte.

Zusätzlich zeigte sich, dass der Konsum der Süssgetränke zu kleineren, dichteren LDL-Partikeln führte. Diese Partikel gelten als besonders atherogen – das heisst, sie verursachen Atheriosklerose. Daneben sind sie auch ein Risikofaktor für Herzkreislauf-Krankheiten. Ebenso waren Entzündungsmarker (hs-CRP) um etwa das Doppelte angestiegen. Entzündungsmarker – auch inflammatorischer Marker genannt – sind Blutwerte, mit denen man nach Entzündungen im Körper suchen kann.

«Trinken Personen über einen längeren Zeitraum mit Fructose gesüsste Getränke, kann das Risiko für Gefässverkalkungen mit allen Folgen wie Herzinfarkt oder Diabetes steigen», bilanziert Berneis. Für Saccharose, dem Haushaltszucker, konnte dieselbe Wirkung auf den Fettstoffwechsel nicht nachgewiesen werden.

Leider sei die Art des Süssstoffes in den Getränken auf den Etiketten selten ersichtlich, sagt Berneis. Und aus den blossen Mengenangaben könne der Konsument nicht ableiten, welche Zuckerarten im Getränk enthalten sind, bedauert Berneis. «Wichtig ist, dass die Konsumenten wissen, dass Fructose aus natürlichen Quellen wie Obst und Gemüse gut und gesund ist.» Wird Fructose aber als Süssmittel Getränken beigefügt, werden schnell Mengen, erreicht, die dem Körper schaden können. Berneis: «Die herkömmliche Meinung, dass Fruchtzucker per se gut sein muss, nur weil er auch in Früchten vorkommt, ist falsch.»

Zucker ist nicht gleich Zucker

  • Glukose: auch Traubenzucker oder Dextrose genannt. Ist als Baustein in Zweifachzuckern wie Milchzucker oder Saccharose (Rohr- oder Rübenzucker) enthalten.
  • Saccharose (Haushaltszucker) kommt im Saft vieler Pflanzen vor. Für die industrielle Gewinnung sind jedoch nur Zuckerrüben und Zuckerrohr von Bedeutung.
  • Fruchtzucker (Fructose) findet man in Früchten und Honig. Industriell erzeugter Fruchtzucker hingegen wird aus Maisstärke (vorwiegend in den USA) oder aus Zuckerrüben (in Europa) gewonnen.
  • Galaktose (Bestandteil des Milchzuckers).

Marita Fuchs und Roland Gysin, Redaktion UZH News.

Foto: © Shutterstock.com
Mehr News aus Wissenschaft und Forschung

ePaper

Anzeige