Praxismanagement 03.08.2026
Co-Leadership: Geteilte Führung, doppelte Stärke
Co-Leadership ist ein Modell, das in der Wirtschaft schon länger gedacht wird und nun auch im medizinischen Bereich sukzessive Einzug hält. Die Idee: Zwei Personen übernehmen gemeinsam die Führung einer Praxis, ob als Neugründung oder als Übernahme einer bestehenden Praxis. Dabei tragen sie die Verantwortung gemeinsam und treffen Entscheidungen gemeinsam.
Das Modell ist flexibel gestaltbar und lässt sich individuell auf die Bedürfnisse der Personen und der jeweiligen Praxis anpassen. Es gibt verschiedene Spielarten:
- Zwei Zahnärzt/-innen teilen sich Praxisführung und Behandlung, etwa mit Fokus auf unterschiedliche Schwerpunkte oder Kompetenzen.
- Eine Person fokussiert sich auf Behandlung und fachliche Entwicklung, die andere auf Team, Prozesse und Organisation.
- Übergangsmodell bei Nachfolge: Senior-Inhaber/-in und jüngere Person teilen sich die Führung vor dem finalen Übergang.
Co-Leadership kann bedeuten, dass beide in Vollzeit tätig sind. Es kann aber auch bedeuten, dass eine oder beide Personen in Teilzeit arbeiten. Das Modell passt sich der Lebensrealität an, nicht umgekehrt.
Warum das Modell für Zahnarztpraxen funktioniert
Eine Zahnarztpraxis zu führen, bedeutet heute weit mehr als die reine Patientenversorgung. Personalführung, Abrechnung, Digitalisierung, Qualitätsmanagement, regulatorische Anforderungen: Die Liste wird länger und die Verantwortung für Praxisinhaber/-innen steigt.
Co-Leadership verteilt diese Last, indem zwei Personen mit unterschiedlichen Stärken und Kompetenzprofilen gemeinsam abdecken, was eine Person allein kaum leisten kann. Die eine hat vielleicht mehr Freude an Personalführung und Teamentwicklung, die andere bringt mehr Expertise in Abrechnung, Dokumentation oder Digitalisierung ein.
Hinzu kommt die Flexibilität in den Arbeitszeitmodellen. Teilzeit wird möglich, auch in einer verantwortungsvollen Rolle. Wer gerade Kinder großzieht oder andere persönliche Prioritäten hat, muss nicht zwischen Selbstständigkeit und Privatleben wählen.
Was Co-Leadership braucht
Co-Leadership funktioniert nicht automatisch. Wie jede Veränderung braucht es Zeit und Bewusstsein, das Modell gut aufzusetzen. Wer gemeinsam führen will, sollte sich zu Beginn gezielt Zeit nehmen, am besten außerhalb des Praxisalltags, um gemeinsame Ziele zu formulieren, klare Verantwortungsbereiche festzulegen und Regeln für die Zusammenarbeit zu definieren.
Wichtig ist dabei: Fachliche Partnerschaft ist nicht dasselbe wie geteilte Führung. Zwei Menschen können hervorragende Zahnärzt/-innen sein und trotzdem als Führungstandem nicht zueinanderfinden, wenn das Fundament fehlt. Es braucht ein gemeinsames Führungsverständnis, klare Kommunikation ins Team und die echte Bereitschaft, Verantwortung zu teilen.
Fazit
Autorin: Stefanie Junghans