Praxismanagement 03.08.2026

Co-Leadership: Geteilte Führung, doppelte Stärke

Immer weniger Zahnärzt/-innen entscheiden sich für eine eigene Praxis. Das Problem liegt dabei oft nicht im fehlenden Willen, sondern in den Rahmenbedingungen. Co-Leadership bietet hier einen Weg, die eigene Praxis anders zu denken.

Co-Leadership: Geteilte Führung, doppelte Stärke

Foto: Figuren: Ayush Kumar – unsplash.com

Co-Leadership ist ein Modell, das in der Wirtschaft schon länger gedacht wird und nun auch im medizinischen Bereich sukzessive Einzug hält. Die Idee: Zwei Personen übernehmen gemeinsam die Führung einer Praxis, ob als Neugründung oder als Übernahme einer bestehenden Praxis. Dabei tragen sie die Verantwortung gemeinsam und treffen Entscheidungen gemeinsam.

Das Modell ist flexibel gestaltbar und lässt sich individuell auf die Bedürfnisse der Personen und der jeweiligen Praxis anpassen. Es gibt verschiedene Spielarten:

  • Zwei Zahnärzt/-innen teilen sich Praxisführung und Behandlung, etwa mit Fokus auf unterschiedliche Schwerpunkte oder Kompetenzen.
  • Eine Person fokussiert sich auf Behandlung und fachliche Entwicklung, die andere auf Team, Prozesse und Organisation.
  • Übergangsmodell bei Nachfolge: Senior-­Inhaber/-in und jüngere Person teilen sich die Führung vor dem finalen Übergang.

Co-Leadership kann bedeuten, dass beide in Vollzeit tätig sind. Es kann aber auch bedeuten, dass eine oder beide Personen in Teilzeit arbeiten. Das Modell passt sich der Lebensrealität an, nicht umgekehrt.

Warum das Modell für Zahnarzt­praxen funktioniert

Eine Zahnarztpraxis zu führen, bedeutet heute weit mehr als die reine Patientenversorgung. Personalführung, Abrechnung, Digitalisierung, Qualitätsmanagement, regulatorische Anforderungen: Die Liste wird länger und die Verantwortung für Praxisinhaber/-innen steigt.

Co-Leadership verteilt diese Last, indem zwei Personen mit unterschiedlichen Stärken und Kompetenzprofilen gemeinsam abdecken, was eine Person allein kaum leisten kann. Die eine hat vielleicht mehr Freude an Personalführung und Teamentwicklung, die andere bringt mehr Expertise in Abrechnung, Dokumentation oder Digitalisierung ein.

Hinzu kommt die Flexibilität in den Arbeitszeitmodellen. Teilzeit wird möglich, auch in einer verantwortungsvollen Rolle. Wer gerade Kinder großzieht oder andere persönliche Prioritäten hat, muss nicht zwischen Selbstständigkeit und Privatleben wählen.

Was Co-Leadership braucht

Co-Leadership funktioniert nicht automatisch. Wie jede Veränderung braucht es Zeit und Bewusstsein, das Modell gut aufzusetzen. Wer gemeinsam führen will, sollte sich zu Beginn gezielt Zeit nehmen, am besten außerhalb des Praxisalltags, um gemeinsame Ziele zu formulieren, klare Verantwortungsbereiche festzulegen und Regeln für die Zusammenarbeit zu definieren.

Wichtig ist dabei: Fachliche Partnerschaft ist nicht dasselbe wie geteilte Führung. Zwei Menschen können hervorragende Zahnärzt/-innen sein und trotzdem als Führungstandem nicht zueinanderfinden, wenn das Fundament fehlt. Es braucht ein gemeinsames Führungsverständnis, klare Kommunikation ins Team und die echte Bereitschaft, Verantwortung zu teilen.

Fazit

Co-Leadership ist ein Modell, das Praxisführung langfristig anders denkt und neue Wege eröffnet: flexibler, geteilter und mit echter Mitverantwortung beider Personen. Dabei funktioniert es nur, wenn es von Anfang an bewusst gestaltet wird. Und es ist ein Modell, das die Frage beantwortet, die sich viele jüngere Zahnärzt/-innen stellen: Muss ich wirklich alleine, muss ich wirklich ganz oder gar nicht? Die Antwort ist Nein.

Noch Fragen?


Für mehr Input zum Thema steht die Autorin gerne zur Verfügung: junghans.consulting. Außerdem teilt Stefanie Junghans Einblicke rund um die Themen moderne Führung und Co-Leadership auf LinkedIn und hat das Buch Co-Leadership veröffentlicht.

Autorin: Stefanie Junghans

ZWP spezial 06/26

ZWP spezial


Dieser Beitrag ist im ZWP Spezial erschienen.

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