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Branchenmeldungen 29.06.2012

Frühe Sensibilisierung der Eltern für Zahngesundheit

Karies ist eine der häufigsten Erkrankungen im Kindesalter. Frühkindliche Karies (Early Childhood Caries, ECC) befällt die Zähne schon kurz nach ihrem Durchbruch und kann zur völligen Gebisszerstörung führen. Je nach Region erkranken zwischen 10 und 50 Prozent der Kinder im Alter zwischen 0 und 3 Jahren an dieser schweren Kariesform. [1]

„Vorsorge vor der Sorge“, ein zukunftsweisendes Präventionsprojekt, bei dem Zahnmediziner der Universitätsklinik Jena, Hebammen und Erstbesuchsdienst[2] interdisziplinär zusammenarbeiten, wendet sich an werdende und frischgebackene Eltern. Ziel ist die Vermeidung von ECC durch Zahnpflege und Vorsorge. MAM Babyartikel unterstützte dieses wichtige Projekt von Anfang an mit Zahnpflegeprodukten und Informationsmaterial. Seit Mai 2012 übernimmt das Unternehmen die Schirmherrschaft und Finanzierung für die nächsten zwei Jahre. „Es ist uns ein großes Anliegen, das Pilotprojekt in Jena zum Wohl der Zahngesundheit der Kinder zu unterstützen“, so Ing. Peter Röhrig, Gründer von MAM Babyartikel. „Wir möchten damit einen wesentlichen Beitrag zu dieser wichtigen Vorsorge gegen Karies bei Kindern leisten und dieses Thema auch international einer breiten Öffentlichkeit bekannt machen.“

33 Prozent Kariesrisiko schon bei 1-jährigen Kindern

Erste Ergebnisse der Projektstudie verdeutlichen den Handlungsbedarf bei der Zahnhygiene: Bereits 1-jährige Kinder weisen ein Kariesrisiko von 33 Prozent auf.[3] Fünf Prozent der Kinder von vier bis neun Monaten haben beginnende, ein Prozent fortgeschrittene Karies.[4] Bei erhöhtem Kariesrisiko werden folgende Maßnahmen getroffen:

  • vierteljährliche statt halbjährliche Kontrolle beim Zahnarzt
  • Behandlung der Zähne mit Fluoridlack
  • Umstellung der Trink- bzw. Ernährungsgewohnheiten
  • Besondere Sorgfalt bei der Zahnpflege: Zahnputzinstruktionen und professionelle Reinigung beim Zahnarzt

Jährlich werden in Jena etwa 1.000 Kinder geboren. Seit Projektbeginn 2008 informieren die Teams des Erstbesuchsdienstes der Stadt, bestehend aus Hebammen und Sozialarbeitern, Eltern über die wichtigsten Maßnahmen für Zahngesundheit und Mundhygiene bei Kindern:

  • Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Zahnpaste ab dem ersten Zahn
  • richtige Zahnputztechnik bei Kleinkindern
  • zahnfreundliche Ernährung
  • Bedeutung des ersten Zahnarztbesuchs

Die Familien werden zur Teilnahme am Präventionsprogramm eingeladen. Nach Erstvorsorgeuntersuchungen im Rahmen der Babysprechstunde der Poliklinik für Kinderzahnheilkunde werden die Kinder laufend risikoorientiert zahnärztlich betreut. Die Eltern erhalten in Kursen theoretisches Hintergrundwissen, aktuelle Präventionsempfehlungen und trainieren das richtige Zähneputzen bei Kleinkindern in praktischen Schulungen. 2009 wurden mit 28 Schulungen 256 Familien erreicht.

„Über den Erstbesuchsdienst haben wir die Möglichkeit, die Eltern sehr früh für die Mundgesundheit ihrer Kinder zu sensibilisieren“, erklärt Projektleiterin Dr. Yvonne Wagner, Zahnärztin der Poliklinik für Präventive Zahnheilkunde und Kinderzahnheilkunde am Universitätsklinikum Jena. „Leider wird die Zahnpflege bei Kindern häufig stark vernachlässigt. Das betrifft besonders sozial benachteiligte Schichten.“ Weitere Maßnahmen des Programms, die von Zahnmedizinstudenten der Kinderklinik Jena angeboten werden, sind Mundgesundheitskurse sowie Beratungen bei Geburtsvorbereitungskursen und Babygymnastik bzw. -massagekursen.

Hebammen prägen Gesundheitsverhalten

Hebammen sind in den ersten Monaten wichtige Ansprechpartner für die Eltern.  Sie  begleiten die Familien und können ihr Gesundheitsverhalten nachhaltig prägen. Im Rahmen des Projekts werden die Hebammen zur Mundgesundheit und Vermeidung frühkindlicher Karies geschult. „Dank der Einbindung von Hebammen erfahren Eltern von der Bedeutung der Zahngesundheit. Wir können sie frühzeitig für die Zahnpflege ab dem ersten Zahn sensibilisieren“, so Dr. Yvonne Wagner.

Das Modellprojekt „Vorsorge vor der Sorge“ wird 2013 umfassend  evaluiert. Die Ergebnisse sollen zu einer dauerhaften Etablierung dieser interdisziplinären Kooperation und damit zur Verbesserung der Kinderzahngesundheit führen.

Terminvorschau: Vortrag Dr. Art Nowak, „Zahngesundheit bei Kindern“

50. Jahrestagung der Österr. Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, Salzburg, 27.09.2012, 15:15 Uhr
MAM Babyartikel bringt Dr. Art Nowak, einen Pionier der Kinderzahnheilkunde aus den USA, für einen Vortrag nach Salzburg.


[1] Quelle: Vadiakas G (2008). Case definition, aetiology and risk assessment of early childhood caries (ECC): a revisited review. Eur Arch Paediatr Dent. 9(3):114-25.

[2] Die Teams des Erstbesuchsdienstes (Hebammen und Sozialarbeiter) besuchen die jungen Eltern in Stadtgebiet Jena. Sie überbringen Informationsmaterial, kleine Präsente und informieren im Rahmen des Projekts über Zahngesundheit und Mundhygiene.

[3] Der Zahnarzt beurteilt das Kariesrisiko, d.h. das Risiko neue kariöse Läsionen, zu bekommen, anhand folgender Merkmale: Zahnzustand (fehlende, behandelte oder von Karies befallen Zähne), Familienanamnese d.h. Gebisszustand der Eltern/Geschwister, allgemeine Erkrankungen/Medikamenteneinnahme, Trink- bzw. Ernährungsgewohnheiten, Sozialstatus. Für die Studie bedeutet das, dass 33 % der Kinder Allgemeinerkrankungen haben, die Eltern alleinerziehend sind oder Migrationshintergrund haben, Ernährungsgewohnheiten von mehr als 3-mal nächtliches Stillen oder Flaschengabe vorherrschen.

[4] Zwischenauswertung von 512 teilnehmenden Familien im Zeitraum Juli 2009-Juli 2010 bei insgesamt 1.162 Erstbesuchen.

Projektleiterin Yvonne Wagner: Dr. Yvonne Wagner ist Zahnärztin der Poliklinik für Präventive Zahnheilkunde und Kinderzahnheilkunde am Universitätsklinikum Jena.