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Endodontologie 27.08.2012

Adhäsivtechnik – so einfach wie nie

Adhäsivtechnik – so einfach wie nie

Zahnfarbene plastische Füllungswerkstoffe sind aus der heutigen Praxis nicht mehr wegzudenken. Bei der ständigen Weiterentwicklung der Werkstoffe steht neben der Verringerung der Polymerisationsschrumpfung und -spannung vor allem die  Vereinfachung des adhäsiven Procederes im Mittelpunkt. Dabei geht der Trend im Bereich der adhäsiven zahnfarbenen Füllungsmaterialien in die Richtung, möglichst viele Zwischenschritte einzusparen.

Bei den All-in-One-Systemen sind also, vereinfacht gesagt, die klassischen Komponenten der Etch & Rinse-Technik – Conditioner, Primer und Adhäsiv – in einer Flasche kombiniert. Sie bieten die Möglichkeit, ohne vorherige Ätzung eine Klebung an Schmelz und Dentin vorzunehmen, was unter dem Aspekt der Zeitersparnis in etwa eine Halbierung der Anwendungszeit bedeutet. Die Entwicklung in den letzten Jahren hat dem Markt eine Vielzahl von Adhäsiv-systemen beschert, die heute zur zeit-effizienten Anfertigung von zahnfar-benen direkten Kompositrestaurationen genutzt werden.

Klinische Anwendung

Bei CLEARFIL S3 BOND PLUS handelt es sich um eine Weiterentwicklung des Adhäsivsystems CLEARFIL S3 BOND. Obwohl CLEARFIL S3 BOND zu den wirksamsten Einflaschen-Adhäsiv-Systemen auf dem Markt gehört,1 gilt heute immer noch die Etch & Rinse-Technik als der Golden Standard bei den Adhäsiven. Dennoch wurde z.B. CLEARFIL SE BOND sogar als der „Gol-den Standard“ unter den sogenannten  Non-Rinse-Adhäsiven bezeichnet,2 nicht zuletzt auch deswegen, weil das bereits in den 1980er-Jahren entwickelte und vielfach untersuchte  Haftmonomer MDP (10-Methacryloyloxydecyldihydrogenphosphat) sich in der Adhäsivtechnik vielfach bewährt hat. Dabei wurde in einem extensiven Review auch gezeigt, dass zwischen guter Haftfestigkeit und klinischem Erfolg durchaus eine enge Korrelation bestehen kann.3 Da CLEARFIL S3 BOND Plus ebenfalls über MDP als Haftmonomer verfügt, kann den klinischen Langzeitergebnissen mit Spannung entgegengeblickt werden. Die Einfachheit in der Handhabung bringt in der täglichen Praxis sehr viele Vorteile. Dabei spielt letztendlich wohl weniger die gesamte Zeiterspar-nis eine wesentliche Rolle, sondern vor allem die Tatsache, dass durch die Reduktion vieler aufeinanderfolgender Einzelschritte Fehlerquellen vermieden werden. CLEARFIL S3 BOND PLUS ist ein wasserbasiertes, lichthärtendes System. Die Einwirkzeit beträgt zehn Sekunden, anschließend erfolgt nach länger als fünfsekündiger Trocknung mit Luft eine Lichhärtung für zehn Sekunden. Trotz der einfachen Anwendung sollte nicht auf wichtige Grundprinzipien für eine erfolgreiche Kompositfüllung, wie zum Beispiel die Schichttechnik, verzichtet werden.


CLEARFIL MAJESTYTM Flow ist ein dünnfließendes, lichthärtendes, radioopakes Hybridkomposit, das sich dank der gelungenen Applikationsspritze perfekt blasenfrei und punktgenau applizieren lässt und sich auch wegen seiner hohen Radioopazität von 290% Al hervorragend als erste Schicht bei jeder Art von Kompositrestauration eignet. Laut Herstellerangaben gelang es dank einer neuen Oberflächenbeschichtung der Füllkörper, die gute Fließfähigkeit mit einem hohen Füllstoffanteil von 81 Gewichtsprozent zu vereinen und ein gut anfließendes Komposit mit physikalischen Eigenschaften eines Hybridkomposits herzustellen (Druckfestigkeit von 329 Megapascal, Biegefestigkeit von 145 Megapascal, Polymerisationsschrumpfung von 1,9 Prozent).

CLEARFIL MAJESTYTM Posterior ist ein lichthärtendes, hochgefülltes, radioopakes Nanokomposit. Die spezielle Oberflächenbeschichtung der inorganischen Nano- und Mikrofüllerpartikel ermöglicht einen hohen Fülleranteil in der Matrix (92 Gewichtsprozent, 82 Volumenprozent). CLEARFIL MAJESTYTM Posterior bietet laut Herstellerangaben eine hohe Oberflächenhärte, hohe mechanische Festigkeit, hohe Abrasionsresistenz, eine geringe Polymerisationsschrumpfung (1,5 Volumenprozent) und einen geringen thermischen Expansionskoeffizienten. Trotz des sehr hohen Fülleranteils ist die Konsistenz von CLEARFIL MAJESTYTM Posterior sehr angenehm in der Verarbeitung. Die Darreichungsform der Compulen ist hygienisch und erleichtert das Einbringen in die Kavitäten.

Klinischer Fall

Am Beispiel einer okklusalen Kompositfüllung soll die einfache Handhabung der Produkte beschrieben werden. Im hier vorgestellten Fall kam eine 26-jährige Patientin mit einer insuffizien-ten Fissurenversiegelung an Zahn 46 in unsere Praxis (Abb. 1). Nach lokaler Leitungsanästhesie wurde zunächst die alte Fissurenversiegelung entfernt. Die entstandene Sekundärkaries war deutlich zu erkennen (Abb. 2). Nach Entfernung der Karies und einer Glättung der Kavität wurden die Ränder minimal gebrochen, um lose Schmelzprismen zu entfernen (Abb. 3). Zur Vermeidung einer unerwünschten Kontamination der Kavität mit Blut, Speichel oder Sulkusflüssigkeit wurde zur absoluten Trockenlegung ein Kofferdam gelegt. Generell sind die Schritte Konditionierung, Priming und Bonding, unabhängig von der Applikationsweise einzel-ner Systeme, sehr kritisch für die Erzielung eines guten adhäsiven Verbundes. Daher sind die von den einzelnen Herstellern vorgegebenen Applikations- und Einwirkzeiten exakt einzu-halten, denn nur so lässt sich ein optimaler Haftverbund erzielen und Hypersensibilitäten werden vermieden. Hier kann, wie bereits weiter oben erwähnt, die Abkürzung dieser Kette helfen, Feh-ler zu vermeiden, wenn Arbeitsschritte wie Ätzen, Absprayen usw. entfallen. Lediglich CLEARFIL S3 BOND PLUS muss aufgebracht werden (Abb. 4). Nach zehn Sekunden Einwirkzeit wird das Adhäsiv mehr als fünf Sekunden vorsichtig mit einem leichten Luftstrom verblasen und anschließend mit einer Polymerisationslampe zehn Sekunden lang lichtgehärtet. Diese Lichthärtung sollte immer separat vom Komposit erfolgen, da die Haftfestigkeit signifikant erhöht wird.4 Nach dem Aushärten des Adhäsivs wurde zunächst eine Schicht CLEAR-FIL MAJESTY FlowTM als „stress-breaker“ eingebracht (Abb. 5). Eine weitere Schicht wurde im Sinne einer neuen Versiegelung in die minimal erweiterten Bereiche der Fissuren gegeben (Abb. 6). Nach dem Aushärten der Flow-Schichten wurde CLEARFIL MAJESTYTM Posterior in weiteren Schichten mit Heidemannspatel und kleinem Kugelstupfer in die restlichen Bereiche der Kavität eingebracht (Abb. 7).

Dank seiner Standfestigkeit lässt sich das Komposit gut modellieren. Jede einzelne Schicht muss polymerisiert werden (Abb. 8). Um die reaktionsfähigen Restmonomere in der oberflächlichen sauerstoffinhibierten Schicht zu erhalten, darf zwischenzeitlich keine Bearbeitung erfolgen. Nur so wird ein perfekter chemischer Verbund zwischen den einzelnen Schichten gewährleistet. Eine Schichtung verschiedener Farben war aufgrund der einfachen Farbstruktur des behandelten Zahnes und der hervorragenden ästhe-tischen Eigenschaften dieses Komposits nicht notwendig. Schlussendlich muss die Füllung nach Entfernung des Kofferdams (Abb. 9) und Okklusionskontrolle noch mit entsprechenden Instrumenten (z.B. Rotring-Diamantfinierer, Brasseler) fertig ausgearbeitet werden (Abb. 10). Mit Kompositpolierern und einer Occlubrush (Occlubrush System, Hawe Neos) wird die fertige Füllung nur noch poliert. Abbildung 11 zeigt die polierte Füllung direkt nach der Behandlung. Zur Remineralisation der Zahnhart-substanz, deren oberflächliche Verletzung am Füllungsrand bei der Politur nahezu unvermeidbar ist, kann der Zahn am Ende mit einer Fluoridlösung touchiert werden (z.B. elmex fluid, GABA).

Fazit

Eine randdichte und langlebige Verankerung von Kompositfüllungen ist bei konsequenter und richtiger Anwendung der Adhäsivtechnik sicherlich längst keine Utopie mehr. Das Fallbeispiel zeigt jedoch, dass es mit geeigneten Adhäsiven und Kompositen möglich ist, mit geringem Zeitaufwand nicht nur zu funktionell sehr guten Resultaten, sondern auch in ästhetischer Hinsicht ohne eine zeitintensive Lernkurve z.B. für die Anwendung eines aufwendigeren Ädhäsivsystems und beim Schichten sehr ansprechende Ergebnisse zu erzielen. Dabei sollte aber immer beachtet werden, dass speziell beim Adhäsivsystem zumindest ausreichend aussagekräftige In-vitro-Studien vorliegen, die einen klinischen Einsatz rechtfertigen.

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