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Endodontologie 12.08.2014

Der systematische Abschluss der „Endo“ durch die „Kons“

Der systematische Abschluss der „Endo“ durch die „Kons“

Den Begriff „Endodontie“ bringen wir meist in erster Linie mit der Aufbereitung von Wurzelkanälen, dem Entfernen von Debris und dem Einbringen von Guttapercha in Verbindung. Eine endodontische Therapie ist damit allerdings keineswegs beendet, sondern erst mit der erfolgreichen restaurativen Behandlungsphase. Im Folgenden wird die Anwendung eines Gesamtsystems von Hilfsmitteln vorgestellt, die den Zahnarzt von der Füllung des Wurzelkanals bis zur Füllungstherapie im Sinne des Wiederaufbaus der Krone unterstützen.

Die koronale Versorgung spielt als Maßnahme zum Abschluss einer endodontischen Behandlung eine wesentliche Rolle. Denn was sie leisten muss, ist nichts weniger als der bakteriendichte Verschluss der Zugangskavität. So gehören die beiden Fachdisziplinen „Endo“ und „Kons“ im klinischen Ablauf untrennbar zusammen. Das Endo-Resto System von DENTSPLY DeTrey stellt eine praktische Komplettlösung für die endodontisch-restaurative Behandlung dar. Das System beinhaltet bis auf Guttapercha und das konventionelle Deckkomposit alles, was für die Wurzelfüllung und einen dichten koronalen Verschluss benötigt wird:

1. den etablierten Sealer AH Plus für das Einbringen der Wurzelfüllung

2. den AH Plus Cleaner, um die Zugangskavität nach der Wurzelfüllung von Sealer zu befreien

3. 36%ige Phosphorsäure für die Konditionierung von Schmelz und Dentin

4. das Adhäsiv XP BOND (aktuell unter dem neuen Namen Prime&Bond XP erhältlich)

5. das fließfähige Bulkfüll-Komposit SDR (Smart Dentin Replacement)

Abschließend kann mit dem Komposit der Wahl die okklusale Schmelzschicht rekonstruiert werden, in unserem Fall das nano-keramische Komposit Ceram·X. Ceram·X zeigte in unserer eigenen Untersuchung in Freiburg klinisch sehr gute Ergebnisse.1 Die Wurzelkanalfüllung und der definitive adhäsive Verschluss können mit dem Endo-Resto-System in nur einer Sitzung erfolgen, ein temporärer Verschluss erübrigt sich.

SDR – fließfähiges Füllungsmaterial für die Bulkfüll-Technik

Mit SDR steht seit 2010 ein Seitenzahnkomposit zum Dentinersatz zur Verfügung, das die positiven Handlingeigenschaften eines fließfähigen Komposits mit einem minimalen resultierenden Schrumpfungsstress kombiniert.2 Dadurch ist es möglich, das Material in bis zu 4 mm starken Schichten zu verarbeiten.3 Diese Schichten werden nach Auftrag eines herkömmlichen Dentin-Schmelz-Adhäsivs in Klasse I- und II-Kavitäten appliziert. SDR ist kompatibel mit allen methacrylatbasierten Universal- oder Seitenzahnkompositen, die als Ersatz des okklusalen Schmelzes die adhäsive Füllung abschließen. Damit ergeben sich im Praxisalltag interessante Vorteile für die wirtschaftliche und gleichzeitig hochwertige Herstellung von ästhetischen Restaurationen. Das Komposit basiert auf der Reduktion des Polymerisationsschrumpfungsstresses. Ein sogenannter Polymerisationsmodulator verändert dabei das visko-elastische Verhalten bei beginnendem Stressaufbau während der Polymerisation derart, dass eine Spannungsreduzierung ohne Beeinträchtigung der Polymerisationsgeschwindigkeit oder Konversationsrate erreicht wird. Aufgrund des signifikant reduzierten Polymerisationsstresses weist SDR die physikalischen und mechanischen Eigenschaften auf, damit es als fließfähiges, in der Bulkfüll-Technik angewandtes Unterfüllungsmaterial im Seitenzahnbereich eingesetzt werden kann. Der Ansatz, diese Veränderungen im Bereich der bewährten Methacrylat-Chemie zu entwickeln, erlaubt die Kompatibilität mit bestehenden methacrylatbasierten Adhäsiven und Kompositen, mit denen die Zahnärztinnen und Zahnärzte in den Praxen bereits vertraut sind und deren klinische Leistungsfähigkeit wissenschaftlich abgesichert ist. Zu den Indikationen bei Klasse I- und II-Kavitäten kommen Indikationen in der Endodontie hinzu: Eine Studie von Dr. Johannes Ebert, Universität Erlangen, hat gezeigt, dass SDR auch sehr gut für die direkte adhäsive koronale Kavitätenversorgung nach erfolgter Wurzelfüllung geeignet ist.4 Gerade in der Endodontie bringt die Möglichkeit der 4-mm-Schichtung aufgrund der Tiefe der Zugangskavität Vorteile im Behandlungsablauf. Da SDR selbstnivellierend ist, ist das Einbringen entsprechend einfach und wenig techniksensitiv. In einer Studie bezüglich Klasse I-Kavitäten konnte gezeigt werden, dass SDR auch bei ungünstigem C-Faktor sehr gut funktioniert.5 In dieser Studie hat sich SDR als einziges der untersuchten Materialien in der Bulkfüll-Technik bewährt. Damit gewährleistet SDR einen dichten Verschluss der endodontischen Zugangskavität, was einen wesentlichen Faktor für den endodontischen Langzeiterfolg darstellt.6 Auch klinisch hat sich SDR bei Klasse I- und Klasse II-Kavitäten in einer prospektiven Studie nach 24 Monaten bewährt.7

 

 

Fallbericht: Das System in der Praxis

Die 24-jährige Patientin A. B. entwickelte einige Monate nach Einbringen einer Klasse II-Kompositfüllung pulpitische Beschwerden. Als sich die Patientin vorstellte, berichtete sie bereits von nächtlichen Spontanschmerzen und einer starken Kälteempfindlichkeit. Außer einer Überempfindlichkeit auf den Kältetest waren klinisch keine Symptome festzustellen. Der Perkussionstest und Aufbisstest waren negativ. Es lag keine apikale Druckdolenz vor. Radiologisch war periapikal keine Läsion nachweisbar (Abb. 1). Befund und Diagnostik ergaben eine irreversible Pulpitis. Nach Aufklärung der Patientin wurde anästhesiert, Kofferdam appliziert und die Zugangskavität unter dem Dentalmikroskop präpariert. Auffällig waren ein tiefer Isthmus zwischen den beiden mesialen Kanälen und ein weniger tiefer Isthmus zwischen dem mesiobukkalen und dem distalen Kanal (Abb. 2). Die Aufbereitung erfolgte mit Pathfiles und ProTaper Universal. Die auf apikale Klemmpassung angepassten Guttapercha-Masterpoints wurde radiologisch auf Länge und Passung überprüft (Abb. 3). Um die AH Plus-Reste (Abb. 4) aus der Zugangskavität zu entfernen, wurde der AH Plus-Cleaner eingesetzt (Abb. 5). Nach Konditionierung mit 36%-iger Phosphorsäure (DeTrey Conditioner 36; Abb. 6 bis 8) wurde der Orangefilter am Mikroskop aktiviert und das Adhäsiv XP BOND eingebracht (Abb. 9 und 10) und lichtgehärtet. SDR wurde in 4 mm starken Inkrementen appliziert (Abb. 11 und 12) und gehärtet. Als Schmelzersatz wurde Ceram·X mono M2 eingesetzt (Abb. 13). Die Wurzelfüllung wurde radiologisch kontrolliert (Abb. 14).

Fazit

Mit den bewährten Materialien AH Plus, DeTrey Conditioner 36 und XP BOND, kombiniert mit dem AH Plus Cleaner und SDR, wird den Zahnärztinnen und Zahnärzten mit dem Endo-Resto System ein praktikables, zeitsparendes und qualitativ hochwertiges Komplettsystem inklusive aller Materialien vom Sealer bis hin zum Bulkfüll-Komposit geboten. SDR stellt in diesem System die größte Innovation dar. Die geringe Polymerisationsspannung, verbunden mit einer großen Aushärtungstiefe, ermoglicht erstmals ein fließfähiges Unterfüllkomposit, das in der Bulkfüll-Technik mit einer Inkrementtiefe bis zu 4 mm bei Klasse I- und II-Kavitäten angewendet werden kann. Die guten Dichtigkeitseigenschaften sind gerade bei der endodontischen Zugangskavität entscheidend, um einer Reinfektion vorzubeugen. Die Handhabungsvorteile im Vergleich zu herkömmlichen Kompositen ermöglichen eine deutliche Zeitersparnis. Die selbstnivellierende Konsistenz von SDR ermöglicht eine optimale Adaptation an die Kavitätenwände. Die Kompatibilität mit in der Praxis vorhandenen methacrylatbasierten Adhäsiven und Kompositen und die Darreichung als Universalfarbe in Compula Tips vereinfachen den optimierten Arbeitsablauf hin zu wirtschaftlichen und gleichzeitig hochwertigen ästhetischen Seitenzahnrestaurationen. Lediglich eine geringfügig verlängerte Metallkanüle könnte den Nutzen des Materials für den postendodontischen Anwendungsbereich weiter steigern.

Die Literaturliste ist bei Bedarf bei der Redaktion zu erfragen.

Foto: © Autor
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