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Endodontologie 21.11.2014

Schärfer sehen, zeitnah kontrollieren, weniger Feilen

Schärfer sehen, zeitnah kontrollieren, weniger Feilen

Es gibt erfahrene Endodontie-Spezialisten, die zu 90 Prozent Revisionen vornehmen.1 Dennoch: Diese Therapieform hat gerade über die letzten Jahre eine wesentliche Verbesserung der Erfolgsaussichten erfahren. Wie sich die Behandlung unter Ausschöpfung der heutigen diagnostischen Hilfsmittel auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft durchführen lässt, wird im Folgenden dargestellt.

In früheren Zeiten musste man ein wahrer Jünger der Endodontie sein, um sie wirklich zu betreiben. Heute funktioniert es nicht nur einfacher, sondern auch viel schneller. So hat es im vergangenen Jahr Dr. Cliff Ruddle, der weltweit bekannte Endodontologe aus Santa Barbara, Kalifornien, auf seiner Europa-Tournee formuliert.1 Zu dieser Entwicklung tragen Fortschritte in unterschiedlichen Bereichen bei.

Mit bewaffnetem Auge

Wesentlich für jede zahnärztliche Behandlung ist die visuelle Begutachtung. In der Endodontie müssen bei jedem einzelnen Schritt immer wieder sehr klein strukturierte Areale erfasst werden. Darum ist (mindestens) eine Lupenbrille mit achtfacher Vergrößerung zu empfehlen (Abb. 1). Immer häufiger gehört heute auch das Mikroskop zum selbstverständlichen „Handwerkszeug“ (Abb. 2). Tiefer sieht man mittels Röntgen (Abb. 3 bis 6). So erhält der Behandler bereits im Voraus Hinweise auf enge oder scharf gekrümmte Kanäle. Verwendet werden können digitale Sensoren (Vorteil: Schnelligkeit bei der Kontrollaufnahme), aber auch mit Speicherfolienscannern lässt sich ein ISO-06-Instrument erkennen. Wird eine besonders komplexe Anatomie vermutet, kann eine dreidimensionale Röntgenaufnahme von Vorteil sein. Eine unmittelbare Vorstellung von der Wurzelkanalanatomie gewinnt der Behandler beim Anlegen des Gleitpfades (Abb. 7). Dies stellt nach Einschätzung von Endo-Experten einen besonders wichtigen Schritt dar – die Grundlage für das gesamte weitere Vorgehen. Sicherer und einfacher lässt sich der Gleitpfad gestalten, wenn statt der klassischen manuellen Instrumente eine maschinengetriebene Feile zum Einsatz gelangt. Es kann inzwischen auch tatsächlich nur eine einzige sein, mehr nicht, denn aktuelle Ausführungen aus „M-Wire“-Nickel-Titan (PRO-GLIDER, DENTSPLY Maillefer, Ballaigues; Abb. 8) eignen sich sogar dann, wenn sich zum Beispiel unter Einsatz der oben beschriebenen Diagnostik ergeben hat: Achtung, stark gekrümmter Kanal! Die Feile für den Gleitpfad folgt automatisch der natürlichen Anatomie und minimiert damit das Bruchrisiko – auch das der nachfolgenden Aufbereitungsfeilen.

Mit rotierendem Instrumentarium

Dabei spielen jetzt maschinengetriebene Nickel-Titan-Feilen mit exzentrisch rotierendem Querschnitt ihre Stärken aus (z.B. PROTAPER NEXT, DENTSPLY Maillefer, Ballaigues; Abb. 9). Sie dringen mit einer schlängelnden Bewegung in den Kanal vor und bieten einen effektiven Schutz gegen Verblockung. Debris wird effektiv zur Zugangskavität abtransportiert, während die Verteilung der Schneidkraft auf nur zwei Schneidkanten ein zeitsparendes und sicheres Arbeiten ermöglicht.  Der Zahnarzt wählt zwischen fünf verschiedenen Feilen (X1 bis X5), wobei in der Regel zwei davon für die gesamte Aufbereitung ausreichen (X1 und X2). Um eine erste Vorstellung zu gewinnen: Die Feile X1 stellt in der Praxis im Grunde genommen eine flexible ISO-17-Feile dar, die sich etwa wie eine größere Pathfile anfühlt und in den meisten Fällen durchaus einen Präparationssprung von ISO 10 auf 17 erlaubt. Beim Arbeiten mit der Feile X2 hat der behandelnde Zahnarzt das Gefühl, mit einer schlanken 20er-Feile zu präparieren und die mit dem speziellen Design verbundenen Vorteile so recht vollständig auszuschöpfen. Die Feile X3 eignet sich im Besonderen für den palatinalen Kanal von oberen Molaren. Mit einem solchen System lassen sich auch schwierige klinische Fälle sicher beherrschen. Dabei spielt selbstverständlich auch innovative Diagnostik eine wesentliche Rolle: Für den täglichen Einsatz während der Präparation der Kanäle eignet sich neben der Röntgenkontrollaufnahme die endodontische Längenmessung. Sie kann der Behandler insbesondere dank der heute verfügbaren Multi-Frequenz-Technologie jederzeit präzise und verlässlich durchführen. Handliche Apex-Locatoren (z.B. PROPEX PIXI, DENTSPLY Maillefer, Ballaigues; Abb. 10) im kompakten Format minimieren den Bedarf an kostbarem Stellplatz und eignen sich damit sowohl für den Spezialisten wie auch für den endodontisch tätigen Allgemeinzahnarzt. Es versteht sich von selbst, dass solche avancierten Systeme eine gleichbleibend zuverlässige Präzision sowohl in trockenen als auch in feuchten Wurzelkanälen gewährleisten – und das mit Komfort: Optische und akustische Signale schaffen maximale Anwendungssicherheit durch ein doppeltes Monitoring der Feilenbewegung. Schließlich haben in den vergangenen zwei Jahren Innovationen auch im Bereich der Obturation die Voraussetzungen für endodontische Erfolge nochmals verbessert. Man denke nur an neue Verfahren, die im Falle eines Falles Revisionen erleichtern (z.B. das „Gutta-Core-Verfahren“, DENTSPLY Maillefer, Ballaigues).

Mit weniger Feilen

So gestaltet sich die endodontische Behandlung dank eines vielfach verbesserten Instrumentariums immer erfolgssicherer und geht schneller vonstatten. Auf der einen Seite trägt dazu eine leistungsfähige Diagnostik bei. Sie umfasst leichte Lupenbrillen und intraoperativ verwendbare Mikroskope auf dem Stand der Technik. Die zahnärztliche Röntgentechnologie wird aktuell um eine Dimension reicher, und das Vordringen der Aufbereitungsfeilen in den Kanal lässt sich auch mithilfe endometrischer Längenmessungen zeitnahe verfolgen. Unterdessen benötigt eine endodontische Behandlung immer weniger Feilen. Man kann heute mit einem einzigen Instrument den Gleitpfad anlegen und kommt bei der eigentlichen Aufbereitung oft mit zweien aus. Weniger Feilen jedoch wirken sich unmittelbar in einem schnelleren und einfacheren Protokoll aus. Damit minimieren sich mögliche Fehlerquellen, und das Feilenbruchrisiko wird reduziert. Das Eingangszitat bringt es auf den Punkt: „Heute funktioniert Endodontie nicht nur einfacher, sondern auch viel schneller.“

Literatur:
1 Christian Ehrensberger: „Endotainer“ als Gast in Deutschland. DZW (41/2013), Seite 34–35.

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