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Implantologie 21.02.2011

Wahl von individuellen Abutments

Wahl von individuellen Abutments

Eine klinische Entscheidungsfindung

 

Entscheidungsgrundlagen bei der Implantatversorgung, wann ein individualisiertes Abutment zu verwenden ist und warum die „transition zone“ die ästhetische Schlüsselstelle ist. Antworten darauf gab Dr. Daniel Thoma vom ZZMK der Universität Zürich anlässlich eines Fortbildungsabends von „Dent Zürich“ am 8. Juni 2010.

Gestaltung und Ausformung des idealen Austrittsprofils

Zwischen der Befundaufnahme und der Insertion einer implantatgetragenen Einzelkrone im ästhetisch anspruchsvollen Frontzahnbereich liegen sehr viele Behandlungsschritte. Gemäss der Studie von Jemt 1999 ist nach zwei Jahren bei der Ausformung der Papillen (mit/ohne Provisorium) kein Unterschied mehr festzustellen. Zu Recht fragt man sich nun, ob wirklich alle Zwischenschritte nötig sind, besonders die aufwendige Herstellung des Provisoriums stellt sich in Frage. Im Frontzahnbereich ist ein Provisorium aus ästhetischen und diagnostischen Gründen aber empfehlenswert, ausserdem erfolgt aus biologischer Sicht eine schnellere Ausheilung und eine idealere Ausformung des periimplantären Weichgewebes.


Bei der Implantatversorgung versucht man den natürlichen Zahn möglichst genau in Form, Farbe, Transluzenz, Knochen- und Weichgewebekontur nachzuahmen. Aufgrund der deutlich unterschiedlichen Form von Zahn und Implantat, bildet das Emergenzprofil die Schlüsselrolle in der Ästhetik. Von okklusal betrachtet, weist der natürliche Frontzahn eine trapezoide Austrittsform aus dem Weichgewebe auf, das Implantat hat auf Schulterhöhe eine kreisrunde Form welche durch ein Abutment (zementierte Lösung) oder die Krone (bei direkter Verschraubung) erst noch umgeformt werden muss.

Parameter für die Ästhetik im Frontzahnbereich sind gemäss Fürhauser:

– mesiale und distale Papille
– Weichgewebehöhe
– Weichgewebekontur
– knöchernes Defizit
– Farbe und Textur des Weichgewebes

Einfluss verschiedener Implantatsysteme auf das Emergenzprofil, den Knochenverlust und die anschliessende Prothetik
Grob lassen sich die verschiedenen Implantate in einteilige und zweiteilige Typen einordnen. Der Hauptunterschied liegt dabei im Bereich zwischen Knochenniveau und Schleimhaut, der sogenannten „transition zone“.

Vor- und Nachteile von einteiligen Implantaten:

+ vereinfachtes chirurgisches und prothetisches Protokoll
+ Implantatschulter nahe bei Margo mucosae (polierter Teil innerhalb „transition zone“)
+ hohe Langzeitüberlebensrate
+ minimaler Knochenverlust
+ weniger zeitintensiv
+ kostengünstiger
– prothetische Flexibilität in ästhetischer Region reduziert
– wenig Platz für das Emergenzprofil

Hier setzt das zweiteilige Implantatsystem mit seinen Vorteilen ein: Grössere Flexibilität durch Korrekturmöglichkeiten auf Hart- und Weichgewebeniveau möglich, vereinfachter primärer Wundverschluss und grössere prothetische Flexibilität. Ohne „platform-shifting“ resultiert normalerweise ein Knochenverlust von ca. 1.5 mm wegen der Nähe des Mikrospaltes Abutment-Implantat zum Knochen. Wird ein horizontaler off-set mit einem im Durchmesser zu kleinen Abutment gewählt, ist die Distanz vom Mikrospalt zum Knochen grösser und es resultiert ein um ca. 1 mm geringerer Knochenverlust. Prothetisch gesehen ergibt dies allerdings den Nachteil, dass das Abutment im Durchmesser schmaler wird und es somit weniger Platz für das Emergenzprofil gibt. Abhilfe schafft dabei, wenn die Implantatschulter unterhalb des Knochenniveaus platziert wird. Standardisierte Abutments sind dann aber nicht mehr indiziert, weil Zementüberschüsse sehr schwierig zu entfernen sind, stattdessen sind dann individualisierte verschraubte Abutments vorzuziehen. Ob die Rekonstruktion zementiert oder verschraubt eingegliedert wird, ist statistisch nicht signifikant unterschiedlich. Eine systematische Übersichtsarbeit von Weber und Sukotjo 2007 zeigt, dass beide Varianten mit etwa 90 % eine ähnliche Erfolgs- und Überlebensrate haben.

Abutments aus Metall oder Keramik?

Hauptfaktor für die Wahl des Abutments ist die Dicke und Qualität der Mukosa. 70 % der Bevölkerung haben einen dünnen Biotyp, was ein erhöhtes Risiko für Rezessionen und Verfärbungen bedeutet – keramische Abutments und Vollkeramikkronen sind in der sichtbaren Region indiziert. Bei der Überlebensrate zwischen Metall und Keramik-Abutments sowie vollkeramischen Kronen und konventionellen VMK’s gibt es keinen Unterschied nach 5 Jahren.

Text: med. dent. Roman Wieland Abbildungen: Dr. Daniel Thoma, ZZMK


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