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Implantologie 03.08.2020

Biologische GBR und Keramikimplantate – Teil 2

Biologische GBR und Keramikimplantate – Teil 2

Heutzutage gibt es immer noch viele Patienten, die in der Folge von Zahnextraktionen signifikant Knochenvolumen verloren haben und bei denen deshalb Knochenaufbaumaßnahmen erforderlich sind. Im folgenden zweiten Teil der Artikelreihe werden sechs weitere besondere Maßnahmen mit Schwerpunkt auf der Verwendung von autologen Materialien skizziert, bevor ein abschließendes Fazit gezogen wird.

Redaktioneller Hinweis: Der erste Teil dieser Artikelreihe erschien in der Ausgabe 5/2020 des Implantologie Journal (S. 16–21) und kann hier abgerufen werden.

Sechs weitere biologische GBR-Techniken

Dom-Technik nach Simonpieri & Choukroun

Diese Technik wird bei extrem geringem Restknochen eingesetzt. Hierbei wird ein zu einer Membran plattgewalztes Kollagenschwämmchen in gefaltetem Zustand nach kranial eingebracht und der Hohlraum vollständig mit PRF-Membranen gefüllt. Die gefaltete Membran bewirkt, dass sich bereits innerhalb von zwei Wochen eine dünne Knochenschicht domartig zwischen den beiden Membranen bildet und somit einen stabilen Hohlraum generiert, der für die Füllung mit lamellärem Knochen notwendig ist. Nach einer Abheilzeit von etwa vier bis fünf Monaten kann dann in einem minimalinvasiven Eingriff die Implantation erfolgen (Abb. 1a–d).

Lebendspender-Knochen

Knochen von Lebendspendern wird verwendet, wenn die Restknochenhöhe geringer als 3 mm ist oder große Perforationen im Alveolarkamm vorliegen (Abb. 2a und b). Wie man an dem hier dargestellten Beispiel erkennen kann, hat nach bereits vier Monaten gut vaskularisierter Knochen den Spenderknochen praktisch vollständig ersetzt (Abb. 3a–g).

Tentpole-Technik nach Dr. Tobias Wilck

Bei dieser Technik wird das laterale Kieferhöhlenfenster mit langen Osteosyntheseschrauben verschraubt und weit nach kranial fixiert. Im folgenden Beispiel wurde zusätzlich noch eine Umbrella-Schraube nach Dr. Markus Schlee eingebracht (Abb. 4a–d).

Osteosyntheseplatte als vorübergehender Abstandshalter

Diese Technik kann nur bei Patienten ohne Titanunverträglichkeit angewendet werden. Im hier dargestellten Fall wurde diese Methode zur Kompensation des durch Periimplantitis verursachten Höhenverlustes eingesetzt (Abb. 5a–d). Das Volumen wurde in einem Verfahren mit einer Osteosyntheseplatte und Spenderknochen sowie der Bürstentechnik mit apikalen Matratzennähten aufgebaut.

The Open Healing GBR Concept nach Prof. Dr. Dr. Dr. Shahram Ghanaati

Die Forschungsgruppe um Prof. Dr. Dr. Dr. Shahram Ghanaati hat ein standardisiertes Konzept der Low-Speed Centrifugation (LSCC) entwickelt, das reproduzierbare Behandlungsprotokolle und klinische Ergebnisse ermöglicht. Prof. Ghanaati konnte zeigen, dass die Zusammensetzung und Bioaktivität des PRF von der Zentrifugalkraft abhängt und dass sich bei geringer Zentrifugalkraft eine deutlich höhere Anzahl von Thrombozyten und Leukozyten anreichert, wodurch höhere Konzentrationen verschiedener Wachstumsfaktoren freigesetzt werden.49–51 Bei dieser äußerst interessanten, neuartigen und vielversprechenden Technik wird das alte Problem der Augmentatdeckung mit meist vollständigem Verlust der keratinisierten Gingiva elegant gelöst. Der Lappen wird basal vernäht und das mit Spenderknochen gefüllte Titanmesh lediglich mit einer Kollagenmembran und mehreren Schichten PRF-Membranen gedeckt. Zum initialen Schutz wird eine sterile Latexhaut über das PRF genäht. Nach der Verheilung liegt das Titanmesh offen und kann einfach entfernt werden. Das Besondere an diesem Konzept ist die keratinisierte Gingiva, welche auf dem Augmentat vorgefunden wird (Abb. 6a–h).

Khoury-Schalen-Technik

Diese Technik beschreibt die Distanzosteosynthese mit Knochenchips (Abb. 7a–d). Die Verbreiterung des Alveolarfortsatzes des linken Unterkiefers erfolgte durch eine Knochenblockentnahme aus der linken Linea obliqua. Distanzschrauben wurden zur Distanzosteosynthese eingebracht und der Defekt wurde mit Knochenchips und EthOss aufgefüllt. Abgedeckt wurde der Defekt mit PRF-Membranen. Der dichte Nahtverschluss folgte nach Mobilisierung der Schleimhaut. Nach derzeit schon drei erfolgten Nachkontrollen ist die Schleimhaut dicht geschlossen. Insgesamt beträgt die Einheilungszeit sechs Monate. Wir gehen davon aus, dass nach der Einheilungsphase ein gut durchbluteter Knochen vorzufinden ist.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass eine Vielzahl von biologischen GBR-Techniken zur Verfügung steht. Sie ermöglichen es, nahezu jeden Fall dauerhaft zu lösen. Der langfristige Erfolg hängt neben einer guten axialen Implantatposition und einer lege artis durchgeführten prothetischen Versorgung ausschließlich von der Durchblutung des augmentierten Knochens ab (s. Mammoto’s Law).51 Deshalb haben die beschriebenen Techniken alle zum Ziel, gut vaskularisierten lamellären „de novo“-Bone zu schaffen.

Literaturliste

Der Beitrag ist im Implantologie Journal erschienen.

Foto Teaserbild: Autoren

Bitte beachten Sie, dass CME-Tests nach zwei Jahren ihre Gültigkeit verlieren.

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