Anzeige
Implantologie 07.03.2014

Sofortimplantation mit dem NNC-Implantat

Sofortimplantation mit dem NNC-Implantat

Die Versorgung schmaler Zahnlücken mit Straumann® Soft Tissue Level Implantaten (seitliche, obere Schneidezähne/Unterkieferschneidezähne) war in der Vergangenheit nur mit dem Straumann® Narrow Neck Implantat (NN) möglich. Aufgrund der vorliegenden externen hexa­gonalen Anschlussgeometrie und entsprechend größer dimensionierten Aufbauteilen war es jedoch recht schwierig, hygienefähige und ästhetisch anspruchsvolle Restaurationen ­besonders im Unterkieferfrontzahnbereich zu erzielen. Mit der bekannten Konus-Innenverbindung des neuen Straumann® Narrow Neck CrossFit® Implantat (NNC) können sowohl aus ­prothetischer als auch aus ästhetischer Sicht bessere Ergebnisse erzielt werden.

Das neue Straumann® Narrow Neck CrossFit® Implantat (NNC) weist nun eine bekannte Konus-Innenverbindung auf, die es erlaubt, etwas graziler im Bereich des Durchtrittprofils (Emergence Profile) prothetisch ­arbeiten zu können. Zudem darf aufgrund des härteren Implantatmaterials – NNC aus TiZr (Straumann® ­Roxolid®) vs. NN aus Reintitan Grad 4, kälteverformt – ­erwartet werden, dass mehrgliedrige Brücken, wie in diesem Fall geschildert, auch aus biomechanischer Sicht eine sehr gute langjährige Prognose haben werden.

Ausgangssituation

Zu Beginn der Behandlung war der männliche Patient 48 Jahre alt und allgemeinmedizinisch gesund. Seit Jahrzehnten lag bei ihm zuvor eine schwere, aggressive generalisierte Parodontitis (Typ III B) vor (Abb. 1), die vor der Implantatversorgung komplett ausgeheilt werden konnte (PerioHealing™ Concept; Abb. 2).

Vorgehensweise


Behandlungsplanung
Zunächst sollte auf biologische Weise regenerativ und ohne Knochenersatzmaterialien u.a. mit dem Einsatz von Schmelz-Matrix-Proteinen (Straumann® Emdogain) die erkrankte Unterkieferfront im Sinne einer „Socket Pre­servation“ vor Sofortimplantation bei 32 und 42 ausgeheilt werden (Abb. 2). Im digitalen Volumentomogramm (DVT) konnte präoperativ bereits vermutet werden, dass bei einer präzisen Implantation auf Weichgewebeniveau auf eine gleichzeitige Augmentation im Sinne einer weniger invasiven Vorgehensweise verzichtet und wegen des stabileren Implantatmaterials (Roxolid®) eine viergliedrige vollfunktionelle Verbundmetallkeramik-(VMK)-Brücke problemlos eingegliedert werden könnte.

Chirurgisches Vorgehen
Nach parodontaler Ausheilung (Abb. 3) konnte im gesunden Gewebe Zahn 32 und 42 schonend und ohne Fraktur besonders der bukkalen Lamellen je in toto extrahiert werden. Die klinische und radiologische Kontrolle mittels kombinierter Tiefenmesslehren demons­trierte, dass ­unter diesen Bedingungen bei entsprechender Implantation eine viergliedrige Frontzahn­brücke so möglich sein sollte (Abb. 4–6). Zudem war keine Notwendigkeit für eine simultane Knochenaugmentation je gegeben („Osteogenic Jumping Distance“). Im vorliegenden Typ-2-Knochen konnte dann mithilfe des NNC-Profilbohrers der krestale Knochenanteil minimal je vor Implantation der beiden 10 mm NNC-Implantate erweitert werden (Ø 3,3 mm auf 3,5 mm; Abb. 7 und 8). Bei der Implantation der beiden NNC-Implantate wurde darauf geachtet, dass der Mikrospalt exakt 2 mm koronal des bukkalen Limbus alveolaris ­platziert werden konnte, um keinen krestalen Knochen-/Weichgewebsverlust nach entsprechender Gewebematuration zu erzielen („Tissue-directed Implant Placement“1,2; Abb. 9–11). Die neue NNC-Einbringhilfe erlaubt dabei eine perfekte ästhetische Analyse der Einsetztiefe in Relation zur ­variablen Dicke der periimplantären ­Gingiva („Biologic Width“: 2,25–3,75 mm1,2) und kann jederzeit wieder im Implantat für eine Feinadjustierung unmittelbar vor Nahtverschluss aufgrund einer konischen Presspassung fixiert werden (Abb. 12), wodurch eine optimale biokompatible intrasulkuläre Lage des Mikrospaltes nach kompletter Ausheilung/Remodeling erzielt werden kann. Bei der endgültigen Ausrichtung der Implantate muss neu darauf geachtet werden, dass die halbkugeligen Vertiefungen auf den Einbringhilfen genau nach bukkal platziert werden, damit die prothe­tischen Aufbauteile später exakt ausgerichtet werden können. Bei Verwendung von 3 mm NNC-Einheilkappen liegen ideale Verhältnisse für eine Weichgewebsmaturation (ca. sechs Monate) in Kombination mit einer entsprechenden provisorischen Versorgung vor (Abb. 13–15). Zudem entfällt dadurch auch ein chirurgischer Zweit­eingriff (Freilegung).

Prothetisches Vorgehen
Die Basis der temporären prothetischen Versorgung, die okklusal abgestützt sein muss (Abb. 15), darf während der initialen Einheilung die Einheilkappen statisch und in Funktion nicht berühren. Dies kann mit einer Silikonpaste getestet werden (Fit Checker®). Fünf Monate post implantationem hat sich im gesunden Mund die biologische Breite1,2 perfekt etabliert (s. Vergleich Abb. 13 und 16). Mittels verschraubtem, offenen Implantatabdruck (Abb. 17) konnte mit großer Präzision die 4-gliedrige VMK-Keramikbrücke 32xx42 hergestellt werden (Abb. 18*), die bezüglich Hygienefähigkeit, Kaukomfort, Ästhetik und Phonetik (Abb. 19) ein adäquates Endresultat ermöglicht. Dabei empfiehlt es sich, dem zahntechnischen Partner die exakte Dimension der individuell bestimmten Approximalraumbürstchen zu kommunizieren (Abb. 19), die bei dessen Einprobe am Patienten in vivo getestet und reevaluiert werden sollten (Gingiva­resilienz vs. Gipsmodell).

Schlussresultat

Der 1-Jahres-Langzeitbefund zeigt stabile und gesunde Hart- und Weichgewebsverhältnisse analog bekannter biologischer Prinzipien für Soft Tissue Level Implantate (Abb. 20–22).1,2 Die Sondierungsmesswerte lagen überall bei # 3 mm und negativen BOP-Blutungswerten („Bleeding on Probing“) sowie je einem breiten Band an angewachsener periimplantärer Gingiva. Erstaun­licherweise lagen die Implantat-Beweglichkeitsmesswerte (PTV Periotest Values) signifikant tiefer (d.h. geringere Mobilität), als dies bei bisherigen Straumann® Narrow Neck Implantaten (NN) bekannt war, was auf die härtere Implantatlegierung und/oder eine bessere Hartgewebe­integration der hydrophilen SLActive® Oberfläche zurückzuführen sein mag.

 

Schlussfolgerung

Straumann® Narrow Neck CrossFit® Implantate stellen eine weitere Bereicherung des umfassenden Straumann® Produkteportfolios dar und erweitern den Indikationsbereich besonders bei sehr schmalen Platzverhältnissen. Als Soft Tissue Level Implantate ermöglichen sie eine perfekte Ästhetik bei sehr gutem Erhalt der periimplantären Hart- und Weich­gewebearchitektur.

*  Zahntechnische Arbeit durch ZTM Thomas H. Seitner, Stuttgart-Ostfildern/Deutschland.

Fit Checker® ist eine eingetragene Handelsmarke von GC Dental Inc. Tokyo/Japan. ­Hersteller von PTV Periotest Values: Medi­zintechnik Gulden e.K., Deutschland.

Mehr Fachartikel aus Implantologie

ePaper

Anzeige