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Kieferorthopädie 02.09.2014

„Vor dem Kauf immer auch die Betriebskosten prüfen“

„Vor dem Kauf immer auch die Betriebskosten prüfen“

Im Rahmen des diesjährigen AAO-Kongresses in New Orleans hielt Dr. Anthony M. Puntillo einen Vortrag zum Thema optische Scanner. KN traf ihn zum Interview und fragte, inwieweit der Einsatz intraoraler Scanner für kieferorthopädische Praxen von Nutzen sein kann bzw. welche Dinge bei der Anschaffung eines solchen Gerätes zu berücksichtigen sind.

Welche der zahllosen intra­oralen Scanner kommen derzeit für die kieferorthopädischen Kollegen überhaupt infrage?

Die Dentalindustrie bietet zahlreiche verschiedene intraorale Scanner an. Jedoch sind einige Geräte davon nur über kürzere Distanzen im Mund genau. Ein für einen Kieferorthopäden geeignetes Gerät sollte in der Lage sein, ein Mindestmaß an Genauigkeit im gesamten Zahnbogen darzustellen. Die fünf bemerkenswertesten Scanner, welche aktuell für Kieferorthopäden am Markt erhältlich sind, sind meiner Meinung nach folgende Geräte in alphabetischer Reihenfolge: CS3500 (Carestream), iTero (Align Technology), Lythos (Ormco), Trios (3Shape) und True Definition (3M Unitek).

Welche Parameter sind aus der Sicht einer Praxis Ihrer Meinung nach für die Kaufentscheidung relevant?

Bei der Anschaffung eines Scanners sollten folgende Bewertungskriterien berücksichtigt werden: Genauigkeit, Kosten und einfaches Handling. Ein Scanner muss vor allem in der Lage sein, beständig ein digitales Modell genau genug für das vom Kiefer­orthopäden letztendlich vorgesehene Arbeitsmittel (z.B. Hawley Retainer, indirektes Bracket-Set-up, Aligner etc.) zu erstellen. Zweitens sollte das Gerät in der Lage sein, diese Modelle auf einem Kostenniveau zu erstellen, das vergleichbar oder preiswerter ist als traditionelle Abdrücke bzw. Gipstechnik. Und drittens sollte der Scanner leicht in der Handhabung und komfortabel für Praxis und Patienten sein.

Welcher Parameter ist aus Ihrer Sicht folgenschwerer für ei­ne Kaufentscheidung: Kaufpreis oder Unterhaltskosten?

Der initiale Kaufpreis sollte stets in Verbindung mit allen nach der Anschaffung veranschlagten Betriebskosten inklusive der Wartung betrachtet werden. Die herstellenden Firmen haben hier für ihre Geräte besondere Preisstrukturen geschaffen. Eine Vergleichskostenanalyse für jeden Scanner sollte dabei Folgendes beinhalten: Hardware-Garantie, Übertragungsgebühren oder Modell-Lagerungsgebühren, Modellanalyse- sowie Liefergebühren. Nur nach Prüfung all dieser nach Erwerb anfallenden Ausgaben kann der wahre Anschaffungspreis eines intra­oralen Scanners kalkuliert werden.

Ist die Genauigkeit der aktuellen intraoralen Scanner über den gesamten Zahnbogen bereits heute für die anstehenden kieferorthopädischen Aufgaben ausreichend?

Es gibt aktuell Geräte, welche genau genug sind, um die komplette Bandbreite heutiger kieferorthopädischer Aufgaben abzudecken. Diese Aufgaben können sich deutlich von der relativ einfachen Fertigung eines dreidimensionalen diagnostischen Arbeitsmodells und der komplizierteren Fertigung eines Sets von durchsichtigen Alignern oder mithilfe von Robotern gebogenen Bögen unterscheiden. Nicht jedes der Geräte wurde für die Anwendung mit allen Systemen zertifiziert oder geprüft. Daher ist es am besten, die vorgesehene Verwendung der Scans zu prüfen und Drittanbieter zu konsultieren, mit denen man im Vorfeld eines Kaufs eine Partnerschaft eingehen möchte.

Welchen Scanner würden Sie aufgrund ihrer Erfahrung aktuell empfehlen?

Die Entscheidung, ein Gerät einem anderen vorzuziehen, ist ein wenig wie zu entscheiden, ob man einen BMW oder einen Mercedes kaufen möchte. Es gibt besondere Eigenschaften oder Merkmale, welche für den einen Behandler wichtig sein könnten, während sie für den anderen weniger bedeutend sind. Die Wahl des richtigen Geräts hängt von den individuellen Umständen und Bedürfnissen einer jeden Praxis ab. Folglich möchte ich es vermeiden, ein bestimmtes Gerät zu empfehlen. Ich kann nur sagen, dass ich das intraorale Scannen in meiner Praxis seit nunmehr sechs Jahren nutze und dabei den iTero Scanner verwendet habe. Und zwar beide – die erste und in den letzten drei Jahren die zweite Modellgeneration.

Vielen Dank für das Gespräch.

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