Anzeige
Kieferorthopädie 28.02.2011

Interdisziplinäre Netzwerke

Interdisziplinäre Netzwerke

Dass interdisziplinäres Denken und Handeln heutzutage unerlässlich sind, verdeutlichte das 11. Internationale KFO-Praxisforum Anfang März in Zermatt, das unter dem Motto „Interdisziplinäre Netzwerke – die KFO der Zukunft“ stattfand. Eine Woche lang präsentierten namhafte Referenten hochkarätige Kieferorthopädie am Schweizer Matterhorn und begeisterten die zahlreich angereisten Teilnehmer.

Am Begrüßungsabend mit anschließendem Apéro (wie jedes Jahr co-gesponsert von der Fa. GAC) faszinierte die Sprecherin des Kreises für Evolutionsforschung, Annette Hem­pel, mit einem Festvortrag über das magische Jahr 2012, dem eine Zeitenwende vo­rausgesagt wird. Hempel analysierte wissenschaftlich die Prognosen und entschärfte die oft beschriebene Apokalypse zugunsten einer posi­tiven, energiereicheren Entwicklung unseres Planeten Erde. Von diesem weit über den kieferorthopädischen Horizont hinausgehenden Vortrag passte der Einstieg in die interdisziplinäre Vortrags­woche mit dem Seminar des Orthopäden und Osteopathen Dr. Wolfgang v. Heymann zum Thema „Klinische Diag­nostik der Wirbelsäule in Bezug zum TMG“ vorzüglich.


Auch die Sonntagnachmittagssession hatte mit CMD-Vorträgen der Dres. Christian und Andreas Köneke sowie der Physiotherapeutinnen Mar­tina Sander und Nicola Lentrodt die interdisziplinären Zusammenhänge des stomatognathen Organs mit der Orthopädie, Osteopathie, HNO-, Augen-, Kinderheilkunde, Neurologie, Schmerztherapie, Dermato-Allergologie und der 2-D/3-D-Röntgenologie im Fokus. Die Entwicklung der Funktionsdiagnostik der letzten zehn Jahre durch nachhaltige klinische Erfahrungen und deren Konsequenz für die tägliche Arbeit daraus waren hierbei besonders beeindruckend.

Der Montag begann mit einem Earlymorning-Workshop der Physiotherapeutinnen zum Thema „Pilates“. Nach einem kurzen, gemeinsamen Kon­ferenzfrühstück erfuhren die zahlreichen Teilnehmer die wohltuende Wirkung dieser Bewegungstherapie – einem Mix aus Gymnastik und Yoga. Zum Thema „Invisible“ ging es dann weiter mit Vorträgen von Priv.-Doz. Dr. Benedict Wilmes, Dr. Björn Ludwig, Dr. Andrea Thalheim und Kieferchirurg Dr. Axel Berens, mit modernen,  unsichtbaren Verankerungs- und Behandlungs­mechaniken bis hin zur kie­ferchirurgischen Korrektur nach Lingualbehandlung – „State of the Art“.

Am Dienstag widmete sich der gut besuchte Workshop am Morgen, unter Leitung der erfahrenen HP Gabriele Matthey, dem Thema „Zivilisationskrankheit Übergewicht“. Da wir Kieferorthopäden „das Esszimmer des Lebens“ einrichten, ist es unsere Pflicht, dem nationalen Übergewichtsproblem unserer Kinder und jugendlichen Patienten durch fachkundige In­formationen im Beratungs­gespräch und Überweisung an entsprechende therapeu­tische Netzwerkpartner entgegenzuwirken. Nachfolgend wurden von einigen der ersten Master des berufsbegleitenden zweijährigen Studiengangs „Master of Science in Lingual Orthodontics“, Dr. Esfandiar Modjahedpour, Dr. Julia Tiefengraber, Dr. Michael Sostmann und Dr. Andrea Thalheim, Masterthesen vorgetragen, die anhand von mittels IncognitoTM-System behandelten Patientenfällen einen Quantensprung in der Lingualtechnik präsentierten.

Zwischen all den hochkarä­tigen Vorträgen wurden bei wechselndem Märzwetter in den Skipausen, bei abendlichen Schweizer Spezialitäten sowie beim gemeinsamen Hüttenabend (co-gesponsert von der Fa. Ormco) kollegiale Kontakte geknüpft, erneuert oder vertieft. So trug eine sportliche, humorvolle und fröhliche Kollegenschaft, die mit großem Interesse und Diskussionseifer die Vorträge besuchte, sehr zum harmonischen Klima dieses 11. Inter­nationalen KFO-Praxisforums bei. Die Industrieausstellung der Firmen Adenta, FORESTADENT, GAC, Ormco und 3M Unitek verkürzte bei regem In­teresse die Pausen mit der Präsentation neuester Produkte.

Nach dem „Bergfest“ mit gemütlichem Hüttenabend lief die Zeit immer schneller. Der Workshop am Mittwochmorgen vermittelte durch die beiden Physiotherapeutinnen ein Spektrum an Ausgleichs­übungen für die Praxis zur Prophylaxe von kfo-berufsbedingten Haltungsschäden, was sich großer Beliebtheit erfreute. Im Anschluss leitete die coachingerfahrene ZÄ Dr. Martina Obermeyer das Seminar „Mitarbeiterführung“ und stand dabei vielen Teilnehmern mit aktuellen Ratschlägen zur Seite, da dieses Thema in vielen Praxen ein Dauerbrenner ist. Das Thema des Tages „Interdisziplinäres“ ermöglichte mit den Vorträgen des Schmerztherapeuten Dr. Edwin Klaus, des Neuro­logen Priv.-Doz. Dr. Mathias Mäurer, der Kieferorthopäden Dr. Franz Richter und Dr. Peter Kleemann einen Weitblick in den übergreifenden, über die kieferorthopädische Mechanik hinausgehenden Be­handlungskomplex.

Der Donnerstag beleuchtete im Workshop mit Dr. Martina Obermeyer das Thema Er­nährung noch einmal aus einer anderen Perspektive, und zwar mithilfe des Metabolic-balance-Programms. Das The­ma dieses fünften Kongress­tages waren kieferorthopädisch-kieferchirurgische Kom- binationsbehandlungen, wozu die Dres. Uta und Franz Richter und der Kieferchirurg Priv.-Doz. Dr. Dr. Josip Bill einen Gemeinschaftsvortrag präsentierten, der die enge, vertrauensvolle und kompetente Netzwerktherapie solch schwie­riger Behandlungsfäl­le deutlich herausarbeitete.

Der Freitagmorgen hatte mit dem Vortrag „Betriebswirtschaftliche korrekte Kalku­lation der KFO-Praxis“ von Wolfgang Haferkamp die Finanzaspekte zum Thema, was den zahlreichen Teilnehmern die richtige, prognostisch wichtige betriebswirtschaftliche Steuerung ihrer Praxen verdeutlichte. Den krönenden Abschluss der Fortbildungswoche bildete das hochkarätige Seminar von Priv.-Doz. Dr. Hanna Scheuer „Grenzfälle zur Dysgnathie-Chirurgie im Wachstum“, wobei die erfahrene Kollegin eine einmalige Komposition von Parametern aufzeigte, die uns schon sehr früh vor komplexen Behandlungsfällen warnen sollten und im Sinne der optimalen Therapie für den Patienten einen exakten Zeitplan erfordern.

Sowohl die Panel-Diskussion mit allen Referenten als auch die Zusammenfassung der Ergebnisse des diesjährigen Praxisforums durch die Veranstalterin Dr. Anke Lentrodt, evaluierten, dass für eine heutige Kieferorthopädie „State of the Art“ interdisziplinäres Denken und Handeln sowie Interagieren in einem komplexen Netzwerk gut informierter Kollegen unerlässlich sind. Viele Nebenschauplätze sind erforderlich, um die Kraft für diese Arbeit aus der Harmonie von Körper, Geist und Seele zu schöpfen. Hierzu konnten die multiplen, zum Teil auch alternativen Themen dieses Praxisforums beitragen.

Zum Abschluss erfuhren die Veranstalter noch ein besonderes Highlight, indem sie den Jubiläums-Geschenkgutschein der Teilnehmer des letztjährigen KFO-Praxisforums für einen Helikopter-Rundflug rund ums Matterhorn bei strahlendem Sonnenschein einlösten. Überwältigt von den „Weitblicken“ bedanken sie sich auf diesem Wege ganz herzlich mit neuen tollen Ideen für das kommende 12. Internationale KFO-Praxisforum. Dieses wird vom 26.2. bis 5.3.2011 stattfinden. Das entsprechende Programm ist ab August 2010 bei der Veranstal­terin erhältlich bzw. kann dann unter www.dr-lentrodt.de unter der Rubrik „KURSE“ abgerufen werden.

Autor: Dr. Anke Lentrodt


Mehr
Mehr Fachartikel aus Kieferorthopädie

ePaper

Anzeige