Anzeige
Kieferorthopädie 11.11.2014

Biofilm-Management während der KFO-Behandlung

Biofilm-Management während der KFO-Behandlung

Ein Beitrag von Dr. Gabriele David.

Während der kieferorthopädischen Behandlung mit festsitzenden Apparaturen besteht ein erhöhtes Risiko von White-Spot-Läsionen. Der Grund dafür: Die komplexen Multibrackets gestalten die Zahn- und Mundpflege sehr schwierig1, 2 (Abb. 1). So zeigen verschiedene Untersuchungen und die Praxiserfahrung, dass Zähneputzen oft nicht ausreicht, White-Spots zu verhüten. Ist die Zahnpflege nicht optimal, tritt außerdem häufig eine Gingivitis auf.

Präventive Strategien während der KFO-Behandlung

Daher sind Konzepte gefragt, die die Patienten gut über die kritische Phase der Multibracketbehandlung bringen. Schließlich sollen die Zähne nicht nur die gewünschte Position einnehmen, sondern auch gesund bleiben und gut aussehen. Ein individuelles Biofilm-Management ist der Schlüssel, dies zu erreichen. Dabei gehen die Behandlung in der Praxis und professionell empfohlene Maßnahmen mit geeigneten Präparaten und Hilfsmitteln zu Hause Hand in Hand. Zur Verfügung stehen dafür z. B. Präparate von Ivoclar Vivadent, deren erfolgreicher Einsatz in zahlreichen klinischen Studien mit KFO-Patienten und in der Praxis bewiesen ist.

Gestörtes ökologisches Gleichgewicht im Biofilm

Brackets bieten zusätzliche künstliche Retentionsnischen für bakteriellen Biofilm. Da die Reinigung der komplexen Strukturen schwierig ist, verschiebt sich im Zusammenspiel mit dem Zuckerkonsum das ökologische Gleichgewicht in Richtung säureproduzierender Bakterien wie Mutans Streptokokken und Laktobazillen, die zudem Säure tolerieren. Das verschafft ihnen einen Standortvorteil gegenüber anderen Keimen der physiologischen Mundflora. In der Folge steigt die Säureproduktion und die Demineralisation des Zahnhartgewebes nimmt zu.3

Kontrolle des Biofilms

Die Behandlungsstrategie zielt darauf ab, die Menge des Biofilms zu kontrollieren und ein gesundes Gleichgewicht der Keimflora zu erhalten bzw. wieder herzustellen. Die Anwesenheit von Mikroorganismen im Mund ist normal und wichtig, da sie wesentlich zur allgemeinen Gesundheit beitragen3:

  • Exogene, zum Teil pathogene Keime, haben es schwerer, sich anzusiedeln.
  • Die inflammatorische Wirtsantwort auf orale kommensale Bakterien wird reguliert.

Sichtbarmachen des Biofilms

Bakterieller Bioflim lässt sich gezielt sichtbar machen. Die Indikatorflüssigkeit Plaque Test bringt unter einer Polymerisationslampe, wie z. B. Bluephase Style, den Biofilm zum Fluoreszieren (Abb. 5). Auf diese Weise kann sehr motivierend auf besonders schwierig zu reinigende Bereiche oder auf das Verbesserungspotenzial der Zahnpflege hingewiesen werden. Auch die Vorteile der professionellen Zahnreinigung lassen sich jungen Patienten und ihren Eltern leicht nachvollziehbar erklären. Im Gegensatz zu anderen Indikatoren treten nach der Behandlung keine lästigen Verfärbungen der Lippen, Zunge oder Schleimhäute auf, da sich das Präparat leicht abspülen lässt.

Die professionelle Zahnreinigung

Die regelmäßige professionelle Zahnreinigung gehört zu den Basismaßnahmen während der Bracketbehandlung (Abb. 4). Prophy-Pasten in Verbindung mit rotierenden Bürstchen oder Kelchen erweisen sich als sehr effektiv. Dafür gibt es z. B. Proxyt-Pasten in verschiedenen Abrasionsstufen. Je nach Befund kommt eine mehr oder weniger abradierende Paste zum Einsatz. Die auf den Tuben angegebenen RDA*-Werte (7,36 oder 83) dienen der Orientierung. Neben Fluorid enthalten die Pasten Xylit, das das Wachstum Karies verursachender Keime hemmt.

Schutzlacke gehören zum Standard

Fluoridhaltiger Schutzlack

Zum festen Bestandteil einer zeitgemäßen kieferorthopädischen Behandlung gehören heute Schutzlacke.4 Verschiedene klinische Untersuchungen zeigen ihren Nutzen. Bei relativ guter Mundhygiene und nicht zu komplexen Apparaturen hat sich die Applikation eines Fluoridlackes wie Fluor Protector oder Fluor Protector S bewährt. Das Aufkommen von White-Spot-Läsionen lässt sich signifikant reduzieren (Abb. 6).5 Nach der professionellen Zahnreinigung oder gründlichem Zähneputzen wird eine feine Schicht des Lackes rundum die Brackets aufgetragen (Abb. 7). Niedrig viskose Lacksysteme mit ausgezeichnetem Fließ- und Benetzungsverhalten erreichen auch schwer zugängliche Bereiche. Fluorid kommt an den gefährdeten Stellen auch tatsächlich an. Zähflüssige Produkte stoßen hier an ihre Grenzen. Bei KFO-Patienten hat sich ein Sechs-Wochen-Intervall für die Applikation bewährt.5

Chlorhexidinhaltiger Schutzlack

Bei hoher Belastung mit säureproduzierenden Keimen gerät Fluorid an sein Limit. Es kontrolliert die Demineralisations-Remineralisations-Prozesse nicht aber die Mikroorganismen.6 Hier bietet die Applikation des Schutzlackes Cervitec Plus mit 1 % Chlorhexidin und 1 % Thymol zur Beeinflussung des bakteriellen Biofilms eine effektive Lösung.7,8 Der feuchtigkeitstolerante Lack wird in feiner Schicht rundum die Brackets appliziert; im Fall einer Entzündung des Zahnfleischs oder um einer solchen vorzubeugen, zusätzlich auf den Zähnen entlang des Gingivalsaumes.9

Auch dieses Lacksystem lässt sich sehr einfach verteilen und benetzt schwer zu erreichende Zonen (Abb. 8). Cervitec Plus und Fluor Protector können innerhalb einer Sitzung direkt nacheinander aufgebracht werden10: Zuerst Cervitec Plus, kurz trocknen lassen, danach Fluor Protector in feiner Schicht darüber ziehen. Aufgrund des wasserhaltigen Lösungsmittels des chlorhexidinhaltigen Präparates lassen sich die Lacke im Vorfeld nicht miteinander mischen.

Je nach den individuellen Gegebenheiten besteht auch die Möglichkeit, Chlorhexidinlack und Fluoridlack alternierend von Sitzung zu Sitzung aufzutragen.11 Dieser zuletzt genannte Modus ist unbedingt bei der Verwendung von Fluor Protector S einzuhalten. Die Zusammensetzung von Cervitec Plus und die Formulierung von Fluor Protector S erfordern dieses Vorgehen, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.

Freier Zugang zu den Brackets

Alle Behandlungen erfolgen einfacher und schneller bei freiem Zugang zum Mundraum und den Brackets. Diesen ermöglicht der flexible Lippen-Wangen-Halter OptraGate (Abb. 4). Das latexfreie Einwegprodukt steht in verschiedenen Größen zur Verfügung.

Professionell empfohlene Maßnahmen zu Hause

Zu Hause empfiehlt sich die ergänzende Anwendung von Spezialpräparaten – bei sehr hohem Kariesrisiko z. B. von Cervitec Gel mit 0,2 % Chlorhexidin und 900 ppm Fluorid.12 Das geschmeidige Gel lässt sich mit der Interdentalbürste im Bereich der Bänder und Brackets sehr gut verteilen (Abb. 9). Im Vergleich zu anderen chlorhexidinhaltigen Gelen schmeckt es angenehm, was die Anwendungsbereitschaft und damit den Erfolg der Maßnahme fördert. Sollen die Säureabwehr und die Remineralisation gestärkt werden, unterstützt Fluor Protector Gel mit Calcium, Fluorid und Phosphat die Behandlung (Abb. 10). Aufgrund seiner Fluoridkonzentration von 1450 ppm eignet sich das Spezialpflege-Gel sich für die tägliche Anwendung. Das hat den Vorteil, dass es einfacher Bestandteil der gewohnten Routine wird als die Applikation eine sehr hoch konzentrierten Gels einmal pro Woche. Das zusätzlich enthaltene Pro-Vitamin D-Panthenol pflegt Zahnfleisch und Schleimhaut. Aufgrund des milden Geschmackes und der geringen Schaumbildung lässt sich die Empfehlung, nach der Anwendung nicht zu spülen, einfach befolgen. So haben die Inhaltsstoffe Zeit, ihre Wirkung zu entfalten.

* RDA = Relative Dentin Abrasion

Hier gibt's die vollständige Literaturliste

Mehr Fachartikel aus Kieferorthopädie

ePaper

Anzeige