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Kieferorthopädie 08.12.2016

Effizienz ligaturenfreier Brackets – ein Zwillingsvergleich

Effizienz ligaturenfreier Brackets – ein Zwillingsvergleich

In einem Vergleich an einem eineiigen Zwillingspaar sollte untersucht werden, ob die Behandlung mit ligaturenfreien Brackets effizienter ist als mit konventionellen Brackets. Ein Beitrag von Dr. Zohal Fakher und Dr. Michael Wagner.

Problemstellung

Die Studienlage hinsichtlich der Effizienz ligaturenfreier Brackets ist uneinheitlich;3, 4, 6–8 der Trend geht dahin, dass die Versprechungen der Hersteller (schnellere Behandlungszeit, kürzere Stuhlzeiten, bessere Hygienefähigkeit etc.) einer kritischen wissenschaftlichen Überprüfung nicht oder nur teilweise standhalten. 

Patienten und Methode

Die Zwillinge Hendrik und Jonathan stellten sich im Alter von elf Jahren und fünf Monaten mit einer moderaten Angle-Klasse II/2, Tendenz schmale Deckbissform, vor. Nach ca. einjähriger  Vorbehandlung mit zervikalem Headgear war jeweils eine Neutralrelation erreicht und es erfolgte am 18.8.2009 bei beiden Jungen die Bebänderung im Ober- und Unterkiefer. Der Irregularitätsindex5 für die oberen sechs Frontzähne betrug 7,5 mm (Hendrik) bzw. 7,6 mm (Jonathan) und war damit nahezu identisch für beide Jungen. Verglichen wurde, wie lange es dauerte, bis ein Irregularitätsindex von 0 bzw. ideale Okklusionsverhältnisse erreicht waren. Bei Jonathan wurden  Victory-Brackets, bei Hendrik SmartClip-Brackets verwendet (jeweils .018" Slot mit MBT-Prescription, Fa. 3M Unitek). Die Bogensequenz im OK war jeweils .012"  Titanol SE, .016" x .022" Thermalloy und .016" x .016" SS (HI-T).

Ergebnisse


Bereits bei der ersten Kontrolle nach fünf  Wochen war bei beiden Jungen im oberen Frontzahnbereich ein Irregularitätsindex von 0 erreicht (siehe Bild-doku-men-tation der Behandlungsverläufe). Die aktive Behandlungszeit betrug bei Jonathan (konventionelle Brackets) insgesamt gut sechs Monate, bei Hendrik (SL-Brackets im OK) knapp dreizehn Monate (Abb. 18). Hendrik entwickelte ein Zungenhabit mit Lückenöffnungen im OK und Bissöffnungstendenz als Folge und der Er-fordernis, intermaxilläre Gummizüge zu tragen. Die Zahnbogenkoordination wurde dadurch ungleich schwieriger. Die Stabilität war auch sechs Jahre nach Entbänderung in beiden Fällen gut.

Diskussion


Ein Behandlungsvergleich an eineiigen Zwillingen eröffnet die seltene Möglichkeit, unterschied-li-che Therapievarianten an genetisch identischen Individuen zu vergleichen.1 Methodische Probleme bei Gruppenvergleichen (zu kleine oder zu heterogene Gruppen, ungeeignete Referenzgruppen etc.) können so vermieden werden. Unser Zwillingsvergleich zeigte in der initialen Phase keinen Unterschied zwischen konventionellen und SL-Brackets. Im weiteren Verlauf ergab sich sogar ein paradoxes Ergebnis; sollte die Theorie von Damon2 zutreffen, dass die Reduktion der Friktion im System Bracket/Bogen bei der Verwendung ligaturenfreier Brackets der funktionellen Matrix größeren Einfluss ermöglicht, so erwies sich dies in unserem Patientenfall als nachteilig. In einer Studie von Fleming et al.4 ergab sich auch eine um drei Monate kürzere Gesamtbehandlungsdauer bei Verwendung von Victory-Brackets im Vergleich zu SmartClip, wenn auch nicht statistisch signifikant.

Danksagung
Die Autoren möchten sich bei Prof. Dr. Christos Katsaros (Bern) für die Unterstützung bei Methodik und Literaturauswahl herzlich bedanken.

Foto: © Autor
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