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Kieferorthopädie 04.03.2013

„Control the future“

„Control the future“

Unter diesem Motto lud Align Technology zahlreiche Anwender seines Invisalign® Systems zur Präsentation des neuen Alignermaterials SmartTrackTM nach Frankfurt am Main.

Über Neuerungen rund um das Invisalign® System informierte Anfang Februar ein Product-Launch-Event der Firma Align Technology in Frankfurt am Main. Rund 100 klinische Anwender der erstmals im Jahre 1999 beim AAO-Kongress in San Diego vorgestellten und nunmehr weltweit eingesetzten Korrekturschienen waren der Einladung gefolgt, um sich über aktuelle Weiterentwicklungen des bekannten Systems zu informieren. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand hierbei die deutsche Markteinführung des neuen patentierten Materials SmartTrackTM, aus welchem ab sofort sämtliche Aligner der Invisalign® Produktfamilie (Full, Teen, Lite, das neue i7 sowie die Vivera® Retainer) gefertigt werden.

John Morton, Direktor der Abteilung Forschung und Technik des 1997 gegründeten und heute mehr als 3.000 Mitarbeiter beschäftigenden Konzerns, stellte zunächst die Eigenschaften des neuen Standardmaterials vor. So weise dieses u.a. eine höhere Elastizität auf, wodurch eine deutlich verbesserte Beibehaltung der programmierten Aligner-Form gewährleistet würde. Zudem könne dadurch eine präzisere Passung an Zahn, Interdentalraum sowie Attachment erreicht werden, wodurch eine bessere Steuerung von Zahnbewegungen ermöglicht wird. Des Weiteren ging Morton auf die Ergebnisse einer Pilotstudie ein (rund 1.000 Patienten, die mit aus SmartTrackTM gefertigten Invisalign Schienen behandelt wurden). Diese bescheinige dem neuen Material eine sanfte und vor allem beständigere Kraftabgabe während der je zweiwöchigen Aligner-Tragedauer, wodurch eine deutliche Verbesserung bei der Kontrolle von Zahnbewegungen erreicht werden könne. „Erst wenn es uns gelingt, Kräfte und Momente zu kontrollieren, dann sind wir auch in der Lage, Zahnbewegungen zu kontrollieren“, stellte Morton fest. „Dies gelinge jedoch nur“, so der Ingenieur weiter, „wenn wir die biomechanischen Zusammenhänge verstehen und dementsprechend dann das Material entwickeln.“

SmartTrackTM weise – im Gegensatz zum Vorgängermaterial – eine deutlich geringere Insertionskraft und eine anschließend konstant bleibende, leicht über dem bisherigen Niveau liegende Kraftabgabe auf. Aufgrund seiner hohen Elastizität würde dadurch das Einsetzen und He­rausnehmen der Schiene erleichtert sowie ein höherer Tragekomfort gewährleistet. Dies bestätig­te auch Dr. Thomas Drechsler, welcher als Kieferorthopäde und zweiter Redner von seinen kli­nischen Erfahrungen mit dem neuen Material berichtete. Bei zehn Patienten unterschiedli­cher Malokklusion habe er dieses bislang eingesetzt und stellte den geladenen Gästen vier Fälle davon vor. Sein erstes Resümee: „Vieles, von dem wir noch vor wenigen Jahren träumten, kann heute problemlos mit Invisalign® realisiert werden.“ So seien mit dem neuen Material u.a. selbst Me­sialisationen, die bisher äußerst schwierig oder nur mit weiteren Hilfsmitteln umsetzbar waren, nun gut durchführbar. Des Weiteren betonte er die bessere Ästhetik des Materials. Bevor Dr. Drechsler dann auf die SmartForce®-Erweiterungen von Invisalign® G4 einging, erhielten die Gäste die Möglichkeit, sich in sogenannten Break Out Sessions mit den Systemneuerungen bekannt zu machen. Dabei wurde u.a. auch Invisalign® i7 für kleinere Zahnkorrekturen vorgestellt, wobei mit nur sieben Alignern eine Behandlungsdauer von weniger als vier Monaten realisiert werden könne.

Zu den zunächst durch Dr. Drechsler sowie abschließend von Matthias Peper (Leiter der klinischen Abteilung für D, A, CH) vorgestellten SmartForce® Neuerungen zählt u.a. die Erweiterung der optimierten Attachments hinsichtlich ihrer Form und Anwendbarkeit. Waren diese bislang nur für die Frontzähne verfügbar, gibt es die Optimized Attachments (Extrusion, Rotation und Root Control) nun auch für alle Prämolaren (OK/UK). Neu hierbei auch die zweigeteilten Optimized Root Control Attachments zur bes­seren Wurzelkontrolle, wodurch eher translatorische Bewegungen ermöglicht würden. Des Weiteren wurde auf die jetzt auch bei Einsatz der neuen optimierten Attachments bestellbaren vorgefertigten Precision Cuts für Gummizüge oder Knöpfe verwiesen.

„Bessere Elastizität, Passgenauigkeit und Kontrolle der Spannungsrelaxation“
John Morton, Direktor der Abteilung Forschung und Technik bei Align Technology, im KN-Interview.

Was zeichnet das neue Alignermaterial aus? Können Sie die wichtigsten Eigenschaften kurz zusammenfassen?

Das neue Alignermaterial weist zum einen eine höhere Elastizität auf. Diese bewirkt, dass es leichter seine Ursprungsform zurückerhält, was in der Kieferorthopädie als „erweiterter Wirkungsbereich“ oder „verbessertes Rückstellvermögen“ bezeichnet wird. Diese Eigenschaft ermöglicht es dem Aligner, die Zahn­bewegung Schritt für Schritt nachzuvollziehen, wodurch auch die gesamte Behandlung nachweislich besser prognostizierbar wird. Darüber hinaus zeichnet sich das Alignermaterial durch eine verbesserte Formbarkeit aus, wodurch es eine höhere Passgenauigkeit an der Oberfläche der Attachments besitzt, welche wir für unsere Aligner in G3 und G4 entwickelt haben. Die ausgezeichne­te Passgenauigkeit des Alignermaterials ermöglicht uns durch Kraftausübung auf die umschlossenen Zahnoberflächen  die Zäh­ne zu bewe­gen. In den Interproximalräumen, wo das bisherige Material nicht so eng an­liegend war, konnte das neue Alignermaterial nun besser angepasst werden. So ermöglicht die­ses ei­ne besse­re Nachvollziehbarkeit und Kontrolle der Zahnbewegung. Das sind die grundlegenden Neuerungen. Des Weiteren verfügt es über ei­ne angemessene Steifigkeit, welche eine niedrige und konstante Abgabe von Kräften gewährleistet. Zudem kontrolliert es die Spannungsrelaxation, die der Schlüssel der Alignerbehandlung mithilfe von durchsichtigen Alignern ist. Diese natürliche Ei­genschaft von Kunststoffen – die Spannungsrelaxation – gilt es zu kontrollieren, quasi den Fakt, dass der Kunststoff seine Morphologie mit der Zeit neu strukturiert. Dies müssen wir kontrollieren, damit die Kräfte sich nicht auf ein zu geringes Level reduzieren und wir die Zahnbewegung angemessen nachvollziehen können. Zusammengefasst sind es also drei wichtige neue Eigenschaften: bessere Elastizität, bessere Passgenauigkeit und bessere Kontrolle der Spannungsrelaxation. Darüber hinaus ist das hochtransparente Material auch sehr ästhetisch.

Wie wirkt sich das neue Material auf das Ausmaß der Zahnbewegungen aus, d.h. wie viel Translation, Intrusion, Rotation und Torque ist jetzt pro Schiene möglich?

Bereits im Entwicklungsstadium konnten wir zeigen, dass das neue Material alle grundlegenden Eigenschaften besitzt, die es für einen guten Clear Aligner-Kunststoff benötigt. Derzeit sind wir nun im Versuchsstadium. In den klinischen Tests wurde deutlich, dass es eine statistisch signi­fikante Verbesserung der Nachvollziehbarkeit aller bisher un­tersuchten und vermessenen Zahnbewegungen gab. Unsere Ärzte sagen, dass die Zahnbewegungen in allen Richtungen kontrolliert werden können und in allen Phasen besser nachvollziehbar sind. Die Kieferorthopädie kann man nicht als spezifische Einzelzahnbewegung sehen, vielmehr werden die Zähne in ihrer Gesamtheit bewegt und verhalten sich entsprechend. Es sind also die Anwender, welche nun mithilfe unseres neuen Materials jedes einzelne Intervall der Zahnbewegung kontrollieren können.

Was kann der Kieferorthopäde mit den neuen Alignern behandeln, was bislang nicht möglich war?

Eigentlich denke ich, dass die Wahl einer Behandlungsmetho­de und auch der Behandlungserfolg stets von den Erfahrungen des behandelnden Arztes abhängen. Das neue Alignermaterial wird dem Anwender eine besse­re Kontrolle ermöglichen. Alle Behandler, die gerade erst damit beginnen, mit kieferorthopädischen Apparaturen zu arbeiten – egal, ob es Brackets oder Drähte sind – könnten sich am Anfang etwas „eingerostet“ fühlen, wenn die Dinge noch nicht ganz so optimal verlaufen. Je mehr Erfahrungen jedoch gesammelt werden konnten, desto mehr wird sich das verbessern. Und Kiefer­orthopäden, die bereits über ein großes Erfahrungspotenzial verfügen, werden mit dem neuen Material sehr gut zurechtkommen. Es wird ihnen bei allen Levels kieferorthopädischer Zahnbewegungen helfen, die normalerweise nicht mithilfe eines Aligners umsetzbar wären. Unsere Experten können diese bereits alle mit dem neuen Material umsetzen. Es hat wirklich etwas mit der Erfahrung zu tun.

Welche wissenschaftlichen Publikationen zum neuen Aligner-Material können Sie interessierten Kieferorthopäden empfehlen?

Bisher haben wir noch keine wissenschaftlich belegten Artikel veröffentlicht. Informationen zum neuen Material sind jedoch auf der Website des ATI (Align Technology Institute) abrufbar. Gewöhnlich verwenden wir unsere eigenen Informationsmaterialien. Den Anwendern geht es jedoch mehr um die klinischen Ergebnis­se. Sobald unsere Ärzte ihre Fallstudien beendet haben, werden sie diese auch veröffentlichen.

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