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Kinderzahnheilkunde 24.03.2020

Zahnpflege bei Säuglingen, Babys und Kleinkindern

Zahnpflege bei Säuglingen, Babys und Kleinkindern

„Zahnpflege beginnt ab dem ersten sichtbaren Zahn, oder?“ Dies ist wohl eine der häufigsten Fragen, die ich als Dentalhygienikerin, aber auch als frisch gebackene Mutter gestellt bekomme. Ob im Freundeskreis, beim Kinderarzt, bei meiner Hebamme oder im zahnmedizinischen Bereich: Diese Frage lädt mich immer wieder zu Diskussionen ein. Daher möchte ich diesen Übersichtsartikel nutzen, um etwas Licht ins Dunkel zu bringen und praktische Tipps von Mutter zu Mutter für die frühkindliche Mundraumpflege zu geben.

Um die zu Beginn gestellte Frage gemäß meiner langjährigen Erfahrung als praktisch tätige Dentalhygienikerin zu beantworten: Nein, die Mundraumpflege sollte beginnen, noch bevor der erste Zahn in der Mundhöhle sichtbar ist.

Die aktive Zahnungsphase

Wenn Babys „aktiv Zahnen“, gehen diese Phasen häufig mit körperlicher Unruhe, erhöhter Temperatur (auch Fieber), schlechtem Allgemeinbefinden oder Schmerzen einher. Meiner Meinung nach ist das ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, mit der Zahnpflege zu beginnen. Um negative Assoziationen möglichst zu minimieren, ist es sinnvoll, schon vorher die Mundraumpflege als positives Ritual zu etablieren.

Suchen Sie sich hierfür einen Zeitpunkt aus, zu dem der Säugling und Sie selbst positiv und entspannt gestimmt sind, beispielsweise nach dem Baden oder Wickeln am Abend. Schaffen Sie für sich eine Wohlfühlatmosphäre, zum Beispiel mit gedimmtem Licht auf dem Sofa, ohne zusätzliche Ablenkung oder Geräuschkulissen. Streichen Sie, beispielsweise mit einer Fingerhutzahnbürste, das Gaumendach und den noch zahnlosen Zahnbogen Ihres Babys vorsichtig aus und führen Sie so eine behutsame Massage durch. Etablieren Sie dieses Ritual, indem es möglichst jeden Tag, in Abhängigkeit der Stimmungslage, wiederholt wird. Nach einigen Tagen wird Ihr Säugling diese immer wiederkehrende Abfolge kennen und daher freudig wie neugierig gestimmt sein.

Binden Sie von Zeit zu Zeit neue individuelle Hilfsmittel ein. Möglich sind zum Beispiel ein feuchtes faserfreies Stofftuch, eine weiche Babyzahnbürste, Zahnpflegetrainer, Beissringe, auch gekühlte Beissringe als kleine schmerzlindernde Helfer, Cooling- Sticks, Entwicklungsspielzeug und vieles andere. Lassen Sie Ihr Baby aktiv und spielerisch mitwirken. Aktivieren Sie alle Sinne und ermöglichen Sie es, die Mundpflegehilfsmittel zu spüren, sowohl mit den Händen als auch intraoral.

Alle genannten Maßnahmen sind immer unter Aufsicht eines Erwachsenen umzusetzen, da die Motorik Ihres Babys noch unkontrolliert ist. Alle Hilfsmittel sollten unter Beachtung der vom Hersteller angegebenen Altersstufen und dem dafür vorgesehenen Einsatzgebiet benutzt werden. Achten Sie darauf, dass die Mundpflege-Utensilien aus einem weichen, nachgiebigen, BPA- und schadstofffreien Material sind. Wählen sie Beissringe und Entwicklungsspielzeug in einem nicht zu großen oder zu schweren Format.

Und wenn die ersten Zähnchen sichtbar sind?

Um die Zahnpflege vom ersten Zähnchen an gekonnt in den Alltag einzubinden, sind klare Rituale, individuelle Mundhygienehilfsmittel, eine professionelle Beratung und festgelegte „Zahn-Pflege-Zeiten“ essenziell. Hilfestellung bieten dabei die Zahnarztpraxis Ihres Vertrauens, die Landeszahnärztekammern und die Hersteller, die ihr Produktsortiment auf die Bedürfnisse der kleinen Patientinnen und Patienten ausgelegt haben.

Empfehlungen

Zahnpasta: Aktuelle Empfehlungen der zahnmedizinischen Fachgesellschaften1

  • ab dem Durchbruch des ersten Milchzahnes sollen Kinder bis zum zweiten Geburtstag entweder zweimal täglich mit einer erbsengroßen Menge einer Zahnpasta mit 500 ppm Fluorid (z. B. elmex® Baby-Zahnpasta) oder mit einer reiskorngroßen Menge einer Zahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid putzen
  • Kinder vom zweiten bis sechsten Geburtstag putzen zweimal täglich mit einer erbsengroßen Menge einer Zahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid (z. B. elmex® Kinder-Zahnpasta)

Der „FluoridFahrplan“

Der „Fluorid-Fahrplan“ des Deutschen Arbeitskreises für Zahnheilkunde (DAZ) kann als zusätzliches Hilfsmittel eingesetzt und mit individuellen Empfehlungen versehen werden.

Die erste Zahnbürste, zum Beispiel elmex® Lern-Zahnbürste (von null bis zwei Jahren)

  • Kleiner Bürstenkopf und weiche, abgerundete Borsten
  • Ergonomisch geformter und für Kinderhände optimierter Griff
  • Farbiges Borstenfeld, das die Dosierung der empfohlenen Menge Zahnpasta erleichtert

Welche Motivationstools können wir für die Zahnpflege von Kleinkindern nutzen (in der Zahnarztpraxis und Zu Hause)?

  • Smartphone-Anwendungen, z. B. elmex® Zahnputzmärchen
  • Vergrößerungsspiegel mit Licht
  • Färbelösung/Färbetabletten
  • Belohnungssysteme (kleine Geschenke, wie z. B. Sticker, Pixi-Bücher usw.)
  • Besondere Zahnputzbecher oder Zahnbürstenhalter

Zahnarztbesuche für Babys und Kleinkinder

  • Die Bundeszahnärztekammer und die KZBV empfehlen einen frühzeitigen ersten Besuch mit dem Baby in der Zahnarztpraxis – spätestens nach dem Durchbruch des ersten Milchzahnes. 2, 3
  • Danach sollte eine halbjährliche Kontrolluntersuchung stattfinden.
  • Welche Termine erforderlich sind, hängt vom individuellen Erkrankungsrisiko ab. Die Zahnärztin beziehungsweise der Zahnarzt legt dies in Abstimmung mit den kinderärztlichen Untersuchungen (das gelbe Kinder-Untersuchungsheft) fest.

Intensivfluoridierung

  • Duraphat® Dentalsuspension mit 22.600 ppm Natriumfluorid kann ab dem ersten Milchzahn bei hohem bzw. mittlerem Kariesrisiko angewendet werden (Dosierung bei Milchgebiss maximal 0,25 ml Dentalsuspension). Seit 1. Juli 2019 ist diese Anwendung bei Kindern zwischen dem sechsten und dem 33. Lebensmonat in die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen integriert.4
  • Ab dem dritten Lebensjahr eignet sich elmex® gelée zur Anwendung in der Praxis, das im Rahmen der Individualprophylaxe verordnet werden kann.

Checkliste für Eltern

Wann und wie oft sollten die Zähnchen geputzt werden?

  • Mindestens zweimal täglich, am Morgen und am Abend.

Welche Hilfsmittel werden eingesetzt?

  • Eine altersentsprechende Zahnbürste und geeignete Baby-/Kinderzahnpasta.

Wie werden die ersten Zähnchen geputzt?

  • Schrubbtechnik bis mindestens zum 3. oder 4. Lebensjahr (aufgrund der Grobmotorik),
  • später ggf. Rotationstechnik (in Abhängigkeit der motorischen Fähigkeiten, Feinmotorik),
  • Putzsystematik etablieren, z. B. KAI (Kauflächen, Außenflächen, Innenflächen),
  • später: Gruppenprophylaxe im Kindergarten, in der Grundschule (Intensivprophylaxe-fähiges Alter).

Wichtig: Immer in Verbindung mit einem Nachputzen der Zähne durch die Erwachsenen!

Literaturliste

Der Beitrag ist in der ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis erschienen.

Foto Teaserbild: natalialeb – stock.adobe.com

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