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Prophylaxe 08.05.2013

Intensivfluoridierung bei Erwachsenen

Intensivfluoridierung bei Erwachsenen

In der modernen Zahnheilkunde steht die Zahnerhaltung durch eine präventive und minimal­invasive Zahnmedizin im Mittelpunkt. Das Ziel der Kariesprophylaxe ist die Gesunderhaltung der Zähne bis ins hohe Alter. Aus diesem Grund weisen wir bereits unsere kleinsten Patienten nach dem Zahnwechsel darauf hin, dass sie ihre „neuen Zähne“ nun besonders gut pflegen müssen, damit sie mit diesen auch im Seniorenalter noch kauen können. Bei vielen Patienten hat sich ein neues Bewusstsein für die Zahngesundheit entwickelt, da besonders in den ­Medien das Schönheitsideal gesunder Zähne zunehmend fokussiert wird.

Eine regelmäßige zahnärztliche Kontrolle (allgemei­ne Anamnese, 01-Befund, PSI, PBI, SH-Befund, DMF-S ­Index, Ernährungs- und Fluorid-Anamnese, gegebenenfalls Röntgendiagnostik und Funktionsstatus) ist Voraussetzung für die Früherkennung von Erkrankungen des Kausystems. Bereits in der ersten Sitzung werden dem Patienten Schwachstellen beim Putzen und Karies-Prädilektionsstellen aufgezeigt und dokumentiert (Monitoring). Um dies dem Patienten zu veranschaulichen, kommt wahlweise die Intraoralkamera zum Einsatz, oder der Patient nimmt einen Spiegel zur Hand, während der Behandler die Plaque mit einer Sonde von den betroffenen Zahnflächen abstreift. Die Plaque ist nun für den Patienten deutlich sichtbar und er nimmt die Bereiche wahr, an denen er intensiver ­putzen sollte. Oft sind es schwer zugängliche Stellen im Seitenzahnbereich, an denen Beläge nicht gründlich entfernt werden. Hier empfehlen wir dann die Verwendung eines kleinen Bürstenkopfes oder einer elektrischen Zahnbürste sowie die tägliche Anwendung von Zahnseide oder Interdentalbürsten zur Reinigung des Zahnzwischenraumes. Je nach Kenntnisstand wird der Patient außerdem über die Entstehung von Karies und Zahnfleischerkrankungen aufgeklärt. Hierzu zählt unter Umständen auch eine Ernährungsberatung, welche insbesondere den Zuckergehalt unterschiedlicher Nahrungsmittel thematisiert. Vorbeugende Maßnahmen zur Gesunderhaltung der Zähne (PZR, Intensivfluoridierung, Recallsystem) werden erläutert. Dabei richtet sich die Individualprophylaxe nach dem Grad der Kariesaktivität, des Parodontitisrisikos und des Mundhygienestatus des Patienten.

Wenn der Patient bereits sanierte Zähne hat, wird er außerdem darüber aufgeklärt, dass Karies nicht nur an unbehandelten Zähnen entstehen kann, sondern auch an Füllungs- und sogar Kronenrändern. Für viele Patienten stellt eine Krone einen ­sicheren Schutz vor Karies dar. Wir verdeutlichen dem Patienten, dass sich bei inadäquater Mundhygiene durchaus auch eine Kronenrandkaries bilden kann, welche schwieriger zu diagnostizieren ist. Eine regelmäßige professionelle Zahnreinigung in Verbindung mit einer Intensivfluoridierung und einer adäquaten Mundhygiene trägt wesentlich zur Gesunderhaltung der Zähne bei. Anhand von Vergleichen (Prophylaxemaßnahmen vs. Autopflege und Wartung) versuchen wir dem Patienten die Wertschätzung der eigenen Zähne zu vermitteln. Dabei wird hervorgehoben, dass die eigenen gesunden Zähne – auch im Zeitalter von Implantaten – das Optimum sind. Die Investition in regelmäßige Prophylaxemaßnahmen (PZR, Fluoridierungsprodukte, Recall) trägt zum Erhalt eines funktionsfähigen natürlichen Gebisses bis ins hohe Lebensalter bei und ist langfristig gesehen auch günstiger als „die Dritten“.

Die PZR – Prophylaxe in der Zahnarztpraxis


Die professionelle Zahnreinigung durch eine ausgebildete Fachkraft (ZMP) bildet die Grundlage unseres Prophylaxesystems. Sofern der Patient noch nicht am Prophylaxeprogramm teilnimmt, erhält er einen Kostenvoranschlag für die PZR. Zu Beginn der professionellen Zahnreinigung wird der Plaqueindex (API) durch Anfärben der Zahnbeläge ­bestimmt. Dem Patienten werden die individuellen Schwachstellen beim Putzen gezeigt, oder er wird bei guter Mundhygiene durch ein Lob (positives Feedback) motiviert. Daraufhin werden zunächst die harten Zahnbeläge in Form von Zahnstein und Konkrementen entfernt. Dies geschieht wahlweise maschinell mit einem Zahnsteinentfernungsgerät oder mit Handinstrumenten. Im Anschluss daran erfolgen die Interdentalraumreinigung mittels Scalers und die Entfernung der weichen Zahnbeläge und extrinsischen Zahnverfärbungen mit einem Pulverstrahlgerät (Pulver auf Glycin-Basis). Die gereinigten Zahnoberflächen werden nun mit einer feinen Polierpaste und Polierkelchen verschiedener Härtegrade aufpoliert. Nach gründlichem Ausspülen mit Wasser werden die Zahnzwischenräume mit Zahnseide, Superfloss oder Interdentalbürste gereinigt. Die korrekte Anwendung wird dem Patienten von der ZMP demonstriert. Abschließend erfolgt eine Intensivfluoridierung aller Zähne. Hierzu werden die Zähne entweder mit elmex® fluid (10.000ppm Fluoridgehalt) touchiert (kein Trockenlegen notwendig) oder für etwa ein bis zwei Minuten mit elmex® gelée (12.500ppm Fluoridgehalt) gebürstet. Nach beiden Anwendungen kann der Mund ausgespült werden. Im Rahmen der PZR-Sitzung findet auch eine individuelle Mundhygieneinstruktion mit Empfehlungen zur häuslichen Intensivfluoridierung statt. Hier werden ­neben dem Demonstrieren von Putztechniken auch die Wirkungsweise von Fluoriden und ihre häusliche Anwendung in Form von Zahnpasten, Gelee oder Spülungen erläutert. In diesem Zusammenhang ist das Verständnis des Patienten für die Ursachen der Kariesentstehung in Form der Schmelzdemineralisierung durch die Säureproduktion während des Glukosestoffwechsels kariogener Bakterien entscheidend, um die Wirkung präventiver Maßnahmen in Form von Plaqueentfernung, Bakterienreduktion und Schmelzremineralisierung durch Fluoride zu begreifen.

Häusliche Fluoridprophylaxe


Als Fluoridierungsmaßnahmen für die häusliche Anwendung empfehlen wir unseren Patienten generell die Verwendung einer systemischen (z.B. fluoridiertes Speisesalz) und einer lokalen Fluoridquelle (fluoridhaltige Zahnpasten). Dabei sollte die Zahnpasta einen Mindestfluoridanteil von 1.000 bis 1.500ppm für Erwachsene aufweisen. Darüber hinaus sollte einmal wöchentlich eine häusliche Intensivfluoridierung mit elmex® gelée stattfinden. Die Anwendung ist für den Patienten sehr einfach: Er muss seine Zähne lediglich einmal wöchentlich mit dem Gelee für etwa zwei Minuten mit der Zahnbürste einreiben, danach kann er sofort ausspülen. Auch die Anfertigung einer individuellen Miniplastschiene, die zur häuslichen Intensivprophylaxe mit elmex® gelée beschichtet und für zwei bis drei Minuten getragen wird, ist möglich. Danach sollte wiederum ausgespült werden. Die Zahnhartsubstanz wird so intensiv fluoridiert und remineralisiert, dass sie für mehrere Tage vor kariösen Säureangriffen geschützt ist. Bei erhöhtem Kariesrisiko oder Wurzelkaries kann eine höher konzentrierte fluoridhaltige Zahnpasta (z.B. Duraphat® Zahnpaste, 5.000ppm Fluoridgehalt) zur kurzfristigen täglichen Anwendung rezeptiert werden (dreimal täglich bei dreimonatiger Anwendung). Auch Mundspüllösungen können je nach Patientenfall empfohlen werden (z.B. elmex® Kariesschutz oder meridol® Mundspülung). Darüber hinaus werden Informationsbroschüren, Produktproben oder ein Merkblatt zur korrekten Anwendung von Zahnseide im Anschluss an die Prophylaxesitzung ausgehändigt. Sofern gewünscht, wird der Patient ins Recallsystem aufgenommen, sodass bei der nächs­ten Kontrolle eine Reevaluation der Mundhygiene ­stattfinden kann. Unter anderem wird hier auch die ­Umstellung der Putzgewohnheiten hinterfragt. In der Regel ist der Patient sehr motiviert. Der Geschmack von Intensivfluoridierungspräparaten wird individuell sehr unterschiedlich bewertet und ist deswegen schwer zu beurteilen. Unsere langjährige Erfahrung aus der Anwendung in der Individualprophylaxe zeigt aber eine sehr hohe Akzeptanz des Arzneimittels elmex® gelée. Denn selbst Kindern ist bewusst, dass die Wirkung wichtiger ist als der Geschmack. Der Erfolg der Prophylaxemaßnahmen wird abschließend veranschaulicht und der Patient remotiviert.

Weitere Einsatzmöglichkeiten


Eine Fluoridierung der Zähne findet nicht nur nach PZR- und Bleachingsitzungen statt, sondern auch im Anschluss an adhäsive Füllungstherapien. Eine Demineralisierung der Zahnhartsubstanz durch Konditionierungsmaßnahmen im Verlauf einer adhäsiven Füllungstherapie kann durch Touchieren der Zahnoberfläche mit elmex® fluid ausgeglichen werden. Somit wird die Intensivfluoridierung auch in den täglichen Praxisablauf integriert. Die Behandlung überempfindlicher Zahnflächen erfolgt ebenfalls mit Fluoridpräparaten.

Abrechnung


Da Fluoridierungsmaßnahmen bei Erwachsenen nur in der privaten Gebührenordnung für Zahnärzte zu finden sind (GOZ-Geb.Nr. 102), werden sie dem gesetzlich Versicherten im Rahmen der PZR- und Bleaching­sitzungen, angelehnt an die Gebührenposition 102 der GOZ, privat in Rechnung gestellt. Lediglich die ­Behandlung überempfindlicher Zahnflächen kann mittels BEMA (Geb.Nr. 10/üZ) berechnet werden. Eine Abrechnungsmöglichkeit für Fluoridierungsmaßnahmen nach adhäsiver Füllungstherapie gibt es in der BEMA nicht. In diesem Fall erhält der Patient den Fluoridauftrag (elmex® fluid) in unserer Praxis kostenlos und wird im Rahmen dessen über die Remineralisation der Zahnhartsubstanz durch das Fluorid aufgeklärt. Der Patient wird somit für das Thema Fluoridierung sensibilisiert und zur häuslichen Intensivfluoridierung (elmex® gelée) motiviert. Da den meisten ­Patienten Fluoridierungsmaßnahmen nach Füllungstherapie unbekannt sind, kann dies im Rahmen der Mundpropaganda als Bonus für die Praxis angesehen werden.

Fazit


Nur ein geschultes Praxisteam kann dem Patienten eine kompetente Beratung bieten. Dabei werden lediglich Präparate empfohlen, die in evidenzbasierten klinischen Studien für wirksam erklärt wurden. Wichtig ist uns, dass sich der Patient professionell beraten, individuell betreut und gut aufgehoben fühlt. Das spiegelt sich auch – als Benefit für die Praxis – in der ­hohen Anzahl an Neupatienten aufgrund von Weiterempfehlungen wider.

Foto: © GABA
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