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Zahntechnik 15.05.2012

Begünstigte Transmission des Lichtes

Begünstigte Transmission des Lichtes

Aus ästhetischen Gründen werden bei der Versorgung von Implantaten immer häufiger keramische Abutments und vollkeramische Kronen verwendet. Zirkoniumoxid-Keramiken erfüllen die Forderungen nach Festigkeit und Gewebeverträglichkeit für die Verwendung als Implantatabutments. Die Kombination eines keramischen Abutments mit einer vollkeramischen Krone sorgt für eine bessere Transmission des Lichtes durch das periimplantäre Gewebe.

 

Vollkeramische Abutments werden industriell hergestellt oder können in zentralen Herstellungszentren CAD/CAM-gefertigt werden. Eine Chairside-Herstellung bzw. Individualisierung mit dem CEREC-System (Sirona) ist bis dato noch nicht möglich. Die Chairside-Herstellung einer Implantatversorgung ist allerdings möglich, indem der Zahnarzt im Patientenmund ein industriell vorpräpariertes Abutment aus Zirkoniumoxid direkt individualisiert.

Nach der Individualisierung kann auf dem Abutment mit der CEREC 3D-Technologie eine vollanatomische Krone konstruiert und aus einer hochästhetischen, leicht beschleifbaren, aber im Vergleich zu Zirkoniumoxid eher schwachen Keramik (z.B. IPS Empress® CAD) formgeschliffen werden. Seit einigen Jahren gibt es die maschinell beschleifbare Lithium-Disilikat (LS2)-Glaskeramik (IPS e.max® CAD) mit einer Festigkeit von circa 360 MPa. Diese Keramik wird im Stadium des sogenannten Metasilikates formgeschliffen.

Der anschließende Kristallisationsprozess von circa 25 Minuten führt die Keramik in  ihren Endzustand über. Dabei erhält das Material auch die exzellenten mechanischen und ästhetischen Eigenschaften. Bei dem notwendigen Kristallisationsprozess können gleichzeitig Malfarben und eine Glasur aufgetragen werden, eine anschließende Politur erübrigt sich. Da bei Implantatkronen  oft limitierte Platzverhältnisse vorliegen und dann eine Mindestmaterialstärke von 1,5mm im okklusalen Bereich nicht immer eingehalten werden kann, ergibt sich durch die Verwendung der Lithium-Disilikat-Glaskeramik eine deutliche Festigkeitsreserve.

Der vorliegende Artikel beschreibt das klinische und technische Prozedere, individualisierte Implantatabutments mit Kronen aus IPS e.max CAD LS2-Keramik in einer Sitzung zu versorgen.

 

Klinische Fallbeschreibung

 

Bei der 28-jährigen Patientin fehlte der Zahn 15, sie wünschte einen definitiven Lückenschluss. Da die Nachbarzähne praktisch unversehrt waren, war die Indikation für ein Einzelzahnimplantat gegeben. Die anatomischen Verhältnisse erlaubten  das Setzen eines 10mm langen NanoTite™-Implantates (BIOMET 3i) mit einem Durchmesser von 5mm. Die Implantatschulter kam epikrestal zu liegen. Da keine augmentativen Maßnahmen notwendig waren, erfolgte ein transgingivales Einheilprozedere (Abb. 1). Nach einer Einheilphase von acht Wochen konnte das Implantat prothetisch versorgt werden. Die Osseointegration des Implantates wurde klinisch und radiologisch verifiziert. Zum Zeit-punkt der prothetischen Versorgung wurde das Healingabutment entfernt und ein industriell vorpräpariertes Zirkoniumoxid-Abutment (ZiReal®, BIOMET 3i) mit einem Plattformdurchmesser von 4mm ausgewählt (Platform Switching).

Das Abutment wurde mit einer Goldschraube (Gold-Tite®, BIOMET 3i) provisorisch auf dem Implantat befestigt. Es zeigte sich, dass das Abutment in der Höhe und im Verlauf der Präparationsgrenze an die klinische Situation angepasst werden musste. Die Anpassung des Abutments erfolgte direkt im Mund des Patienten mit Diamantinstrumenten und einem schnelllaufenden Winkelstück. Die Präparationsgrenze kam genau epigingival zu liegen.

Aufgrund der engen Platzverhältnisse wurde eine Hohlkehlpräparation angelegt (Abb. 2). Die Goldschraube befestigte das Abutment mit 20Ncm definitiv. Der Verschluss des Schraubenkanals erfolgte mit dem provisorischen Composite-Material (Fermit®). Das auf diese Weise individualisierte Abutment konnte jetzt chairside mit einer Krone versorgt werden. Zur Weißmattierung wurden das Abutment und die Nachbarzähne mit IPS Contrast Spray eingesprüht. Mit der neuen CEREC Bluecam-Mundkamera der Aufnahmeeinheit erfolgten die optischen Abdrücke des Abutments mit Erweiterungsaufnahmen nach mesial und  distal sowie Winkelaufnahmen. Zur korrekten Gestaltung der Okklusion wurde ein zentrisches Bissregistrat angefertigt und dieses ebenso intraoral mit der CEREC Bluecam aufgenommen. Die Konstruktion der Implantatkrone an der Aufnahmeeinheit erfolgte mit der aktuellen Software 3.60 (Abb. 3).

Es wurde die Grundfarbe A1 bestimmt. Das Formschleifen des IPS e.max CAD LZ Blockes im blauen Zustand war einfach und problemlos (Abb. 4). Die minimale Schrumpfung der Keramik (0,2Vol.%) beim Kristallisationsprozess wurde durch die Software automatisch berücksichtigt und entsprechend korrigiert. Nach dem Formschleifen wurde der Ansatzzapfen entfernt und die Krone auf das Abutment gesetzt.

Es erfolgte die Überprüfung der approximalen und okklusalen Kontakte sowie die Passung der Krone am Patienten (Abb. 5 und 6). In diesem Fall wurde aus dem entsprechenden Malfarbensortiment (IPS e.max CAD Crystall./Stains) die Farbe „sunset“ für den Zahnhals und die Fissuren sparsam aufgetragen. Direkt im Anschluss erfolgte der Auftrag der Sprayglasur (IPS e.max CAD Crystall./Glaze Spray) auf die Außenfläche der Krone. Das Aufsprühen wurde so oft wiederholt, bis sich eine deckende weiß-opake Glasurschicht zeigte.

Die Krone wurde dem kombinierten Kristallisations-/Glasur-brand im Programat® CS Brennofen unterzogen (Abb. 7). Die Befestigung der Implantatkrone erfolgte mit dem neuen Befestigungscomposite Multilink® Implant.

Zur Vorbereitung der Befestigung wurde die Innenfläche der Krone mit 4,9%igem Flusssäureätzgel (IPS Keramik Ätzgel) für 20 Sekunden angeätzt und anschließend für 60 Sekunden silanisiert (Monobond Plus). Die Zirkoniumoxidoberfläche des getrockneten Abutments wurde ebenfalls mit Monobond Plus konditioniert (Abb. 8). Das Lumen der Krone wurde mit dem dualhärtenden Multilink Implant der Farbe MO 1 befüllt und die Krone auf das Abutment gesetzt (Abb. 9). Die Überschussentfernung erfolgte mit der sogenannten „Vierteltechnik“.

Es erfolgten vier kurze Polymerisationen (circa 2 Sekunden) pro Approximalraum (jeweils von bukkal und palatinal) mit der bluephase® LED-Lampe im Low Power-Modus. Das Befestigungscomposite war jetzt gel-artig und konnte gezielt mit  Scaler und Sonde sowie approximal mit Zahnseide entfernt werden. Abschließend erfolgte nochmals eine Lichtpolymerisation von bukkal, okklusal und palatinal (je circa eine Minute im High-Power-Modus). Nach abschließender Politur der Fuge mit flexiblen Disks zeigte sich ein harmonisches Gesamtbild der Implantatversorgung (Abb. 10 und 11). Im abschließenden Röntgenbild sind das Implantat, das Abutment aus Zirkoniumoxid sowie die adhäsiv befestigte Krone aus Lithium-Disilikat-Keramik erkennbar (Abb. 12).

Foto: © Ivoclar Vivadent
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