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Branchenmeldungen 21.02.2011

100 Ärzte-Gesellschaften bis Ende 2011 in Wien

100 Ärzte-Gesellschaften bis Ende 2011 in Wien

Neues Gesetz macht Zusammenschluss für Mediziner leichter, Zustimmung des Hauptverbandes fehlt noch

Per 1. Jänner trat das "Bundesgesetz zur Stärkung der ambulanten öffentlichen Gesundheitsversorgung" in Kraft. Das klingt sperrig, hat aber unmittelbare Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung, wie DER STANDARD berichtete: Ab 2011 dürfen sich Ärzte zu Gesellschaften zusammenschließen; bisher war nur die Zusammenarbeit in Gruppenpraxen möglich, in denen jeder Arzt für sich selbst wirtschaftete.

Zwar kann ein Arzt nach wie vor keinen anderen Arzt anstellen, allerdings können etwa Allgemeinmediziner gemeinsam mit Fachärzten eine Praxis betreiben und sich Miete und Personal teilen, oder Hausärzte schließen sich zusammen und bieten dadurch den Patienten längere Öffnungszeiten. Auch die Gründung von Facharzt-Zentren wird durch das neue Gesetz erleichtert.

Wien ist das einzige Bundesland, in dem es schon jetzt Gruppenpraxen gibt. Bei Ärztekammer (ÄK) geht man davon aus, dass der Großteil in GmbHs umgewandelt wird. Derzeit gibt es in Wien 61 solcher Zusammenschlüsse, 47 stehen bereits in den Startlöchern. Ein Drittel davon ist in den bevölkerungsreichen Bezirken Favoriten, Simmering, Floridsdorf und Donaustadt angesiedelt.

ÄK-Vizepräsident Johannes Steinhart bezeichnet das neue Gesetz als "eine der wichtigsten gesundheitspolitischen Errungenschaften seit vielen Jahren" und lobt sogar Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ), der "den Weg dafür geebnet hat". Steinhart verspricht sich außerdem "einen Lückenschluss in der Wiener Gesundheitsversorgung". Denn - so hoffen Ärzte ebenso wie Gesundheitspolitiker - die neuen Ärzte-GmbHs könnten überlaufenen Spitalsambulanzen durch ihre flexibleren Öffnungszeiten deutlich entlasten.

Ärzte versus Hauptverband

Nach dem Gesetzesbeschluss Anfang Juli im Nationalrat segneten die Ärztekammer und die Wiener Gebietskrankenkasse das Projekt Ende November bzw. Mitte Dezember ab. Nur der formale Beschluss des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger fehlt noch, zum Ärger des ÄK-Vizepräsidenten: Hauptverbands-Vorsitzender Hansjörg Schelling blockiere "mit fadenscheinigen Argumenten", meint Steinhart.

Beim Hauptverband versteht man indes die Aufregung nicht: Die nächste planmäßige Sitzung finde im Februar statt, früher könne man den Beschluss schlicht und ergreifend nicht fällen, da auch die Wiener Gebietskrankenkasse die Ärzte-GmbHs erst im Dezember abgesegnet habe. Ein Sprecher sagte zum Standard, es handle sich bloß um eine "banale Frage des Fristenlaufs", praktisch mache das für das neue Gesetz keinerlei Unterschied.

Quelle: DER STANDARD

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