Branchenmeldungen 07.09.2010

4 Milliarden Euro-Apo-Bank-Altlasten – Welche Schuld hat der Aufsichtsrat?

4 Milliarden Euro-Apo-Bank-Altlasten – Welche Schuld hat der Aufsichtsrat?

Foto: © Shutterstock.com

Bis zum Jahresende wird sich das "toxische Apo-Bank-Investmentportfolio" wegen auslaufender Refinanzierungsverträge für zwei "Spezialfonds" noch von 4 Milliarden Euro auf 4,5 Milliarden Euro erhöhen. Das heißt, vulgär gesprochen, sollten diese Fondspapiere nicht wieder an Wert gewinnen, sitzen die Apo-Bank-Genossen auf einem 4,5 Milliarden Schuldenpaket. Bei einer Bilanzsumme von 42,7 Milliarden Euro ein ganz schöner Batzen an Fehlinvestitionen, wo man schon mal fragen muss, wie die zustande gekommen sind. Die Bank hat doch nicht nur einen Vorstand sondern auch einen Aufsichtsrat - lauter Ärzte, Zahnärzte und Apotheker- , der eigentlich dazu da ist, die Geschäfte des Vorstandes, vor allem die Anlagenpolitik zu überwachen und zu genehmigen.

Vor Jahren hat die allgemein grassierende Bankengier den Apo-Bank-Vorstand- und den Aufsichtsrat gemeinsam erfasst. Das klassische Zinsüberschussgeschäft der Bank, Einlagen der Heilberufsangehörigen durch Praxisfinanzierungen mit Provisionsüberschüssen zu mehren wurde als Nebenbusiness zur Seite geschoben. Die wirkliche Kohle wollte man im internationalen Finanzmarkt mit angeblich besonders hochrentierlichen Fondsanlagen, im Subprime-Geschehen machen. Dazu wurde ein "Spezial-Vorstand" angeworben, der auch gleich noch eine Cayman-Island-Anlagenfondsvermittlungsfirma einbrachte, die die Apo-Bank zur Hälfte aufkaufte. Der "Klartext-Autor" hatte in der Konstruktion ein eher negatives "Geschmäckle" vermutet - so auch ein Schweizer-Edel-Banker. Bei ersten Erfolgszweifeln wurde dem Autor unisono gemeinsam aus Aufsichtsrat- und Vorstandsspitze versichert, man habe prinzipiell nur in AAA-Rating-Anlagen investiert. Dazwischen hat man auf dem Papier zwei, drei Jahre gut verdient, wahrscheinlich in Führungsgremien schöne Boni kassiert und heute steht man AAA-dreifach besch... mit 4,5 Milliarden "toxischem Portfolio" da.

Von leisen Zweifeln zwischendurch schon befallen, hat man noch die Versorgungswerke von allen Haftungsrisiken für Veranlagungen bei der Apo-Bank freigestellt.

Nach der Methode "Haltet den Dieb" wettern heute Aufsichtsräte die gestern noch alles brav mit abgenickt hatten gegen unfähige - natürlich bereits ausgeschiedene - Vorstände und fordern deren "Verfolgung". Einer soll zur Haftung herangezogen werden, weil er 44 Millionen Aktien einer angeblich dubiosen Firma, die danach Pleite gegangen ist, aufgekauft habe, was angeblich kein Aufsichtsrat gemerkt haben konnte. Die Aufsichtsräte selbst fühlen sich alle, wahrscheinlich wegen völliger Inkompetenz, völlig unschuldig! Ein Fall für die Finanzaufsicht BaFin, die gerade bei anderen Instituten gegen Aufsichtsräte Abberufungsverfahren eingeleitet hat, weil sie "zu wenig vom Bankgeschäft" verstehen. Der neuen Apo-Bank-Vorstand hat inzwischen das "toxische Portfolio" von 4,5 Milliarden Euro ausgelagert, sozusagen in eine "bad bank". Er hält daran fest, es bis 2014 auf 2,5 Milliarden Euro zu reduzieren, wie auch immer. Vielleicht werden ja auch einige Fonds wieder etwas wert. Im Tagesgeschäft der Kern-Bank hat man gerade einen Gewinn von 25 Mio Euro gemacht und hofft am Jahresende wieder dividendenfähig zu sein.

Übrigens: Das mit der Kompetenz der Aufsichtsräte ist auch bei den Versorgungswerken und Wohlfahrtsfonds zu hinterfragen, viel Erfolg,
toi, toi, toi

Ihr J. Pischel

07.09.2010


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