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Branchenmeldungen 03.11.2010

apoBank - eine Schande für die Heilberufe

apoBank - eine Schande für die Heilberufe

Verdacht auf "Vorteilsnahme" im Vorstand - weitere zwei Vorstände entlassen

Es vergeht fast keine Woche mehr, in der der Vorstand der apoBank nicht selbst produzierte negative Schlagzeilen in die Welt posaunt. Mit "Subprime-Geschäften" hatte der alte apoBank-Vorstand in den letzten Jahren, weil man endlich als "Genossen-Provinz-Institut" als "Global-Player" mitspielen wollte in der großen Finanzwelt insgesamt ein "toxisches Portfolio" von 4,5 Milliarden angesammelt. Klar gesprochen heißt dies, die Genossen der apoBank, also überwiegend die Heilberufler könnten auf einem Schuldenpaket von über 4 Milliarden sitzen bleiben. In der Folge wurden Vorstände in die Wüste geschickt, also vom Aufsichtsrat entlassen, im nächsten Schritt wurde dann verbreitet, man habe Schadenersatzklagen gegen vier Alt-Vorstände - zum Teil entlassen, andere in Pension - eingereicht. Diese Klagen sind übrigens in der Zwischenzeit den "Betroffenen" - also frühere apoBank-Vorstände - zugestellt worden und sollen nach Rechtsexpertenauskunft mehr als dürftig ausgefallen sein. Dem entgegnet man aus dem apoBank-Aufsichtsrat heraus, man habe nur aus "Versicherungsgründen" geklagt und man erwarte nicht allzuviel.

Nun wurden bei einer LICON GmbH, Leipzig, einer Immobilien-Entwicklungsgesellschaft, für deren Tochter MEDICON die apoBank an Heilberufler gegen Provision bisher Projekte verkaufte wegen Betrugsvorwürfen Geschäftsführer und Vertriebsmitarbeiter verhaftet. Noch am 27. Oktober wurde in einer apoBank-Presseerklärung dazu betont, "kein apoBank-Kunde habe einen Schaden erlitten." Mehr als 600 sind LICON-Kunden für die die apoBank auch die Immobilien-Finanzierung übernommen hat. Ein Nebensatz, dass zwei leitende apoBank-Vertriebsmitarbeiter und das Vorstandsmitglied Stefan Mühr "vorerst von ihren Aufgaben freigestellt seien" führte schon zu wilden Pressespekulationen über mögliche betrügerische Verwicklungen des Bankhauses. Schon wenige Tage danach, am 01. November teilt die apoBank unter der Überschrift "Sofort-Programm zur Aufklärung von Fällen unrechtmäßiger Vorteilsnahme" mit, dass zwei Vorstandsmitglieder, Stefan Mühr (44) und Claus Verfürth (42) "mit sofortiger Wirkung" abberufen, also rausgeworfen wurden. Wieder wurde betont, dass apoBank-Kunden "nicht geschädigt worden sind". So ganz sicher ist sich aber die apoBank dabei nicht mehr, wenn der einzig verbliebene Vorstand betont, man werde "dafür Sorge tragen", dass kein "Kunde Nachteile erleidet".

Wenn es, so wie die apoBank selbst sagt, zu "unrechtmäßiger Vorteilsnahme" gekommen ist, landläufig spricht man von Bestechung oder Schmiergeld, das geflossen ist, oder anderen "geldwerten Vorteilen", dann werden diese Dotationen doch dem jeweiligen Kaufpreis - über die erkleckliche Provision hinaus die die apoBank als "Vermittler" kassiert hat - oben drauf geschlagen. Ja vor allem sollen solche "Vorteilsgewährungen" dazu dienen, für das eigene Angebot, also in dem Fall die Objekte des MEDICON Partners entsprechend gewinnträchtigere Preise beim Kunden, dem apoBank-Heilberufler erzielen zu können. So haben die Anleger - natürlich nur eine Vermutung - wahrscheinlich Geld verloren weil sie zuviel Geld bezahlt haben könnten. Aber Immobilien-Skandale sind bei der apoBank ja nichts Neues.

"Herbert Pfennig steht an der Spitze der Aufklärungsarbeit" heißt es im Statement des apoBank-Aufsichtsratsvorsitzenden H. Stefan Keller. Wer sonst bitte sehr, soll die Arbeit leisten, hat man doch in den letzten Wochen und Monaten 6 Vorstandsmitglieder rausgeworfen und mit den letzten beiden Kündigungen vom 1. November ist nur noch der Sprecher des Vorstandes übriggeblieben. So kursieren auch Versionen zu den Vorstandskündigungen, dass sie das Ergebnis eines internen Machtkampfes sein könnten, die "Vorteilsnahme" - Vorwürfe fingiert gerade zupass gekommen sind und der Vorstands-Sprecher als großer Sieger übrig geblieben sei, der sich nun seinen Vorstand mit jeglicher Bewilligung des Aufsichtsrates nach eigenem Gusto zurecht zimmern kann. Ein Neuer kommt wieder aus der apoBank selbst, ein zweiter aus dem Ursprungsinstitut des Vorstandssprechers. Aber vielleicht ist es selbst beim apoBank-Vorstandsgehalt von rund einer Million Euro angesichts der in den letzten Jahren selbst produzierten Image-Schäden schwer geworden Vorstände sachgerecht zu besetzen. Wie aus einem Django-Western oder Saubermann-Groschenroman steht das Pfennig-Versprechen im Raum, die "mutmaßlich vorsätzlich handelnde Gruppe" endgültig auszumerzen, wenn er sagt: "Wir werden nicht eher ruhen, bis wir sicher sein können, wieder eine saubere apoBank zu haben". Das heißt doch: noch ist die apoBank beschmutzt - eben eine Schande für die Heilberufe.

Abwarten, was noch alles hochkocht, hoffen wir das Beste,

toi, toi, toi

Ihr J. Pischel
03.11.2010

Foto: © Shutterstock.com
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