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Branchenmeldungen 03.11.2009

Approbationsordnung – der Realität ins Auge sehen!

Approbationsordnung – der Realität ins Auge sehen!

Nicht nur die GOZ hat schon erdenklich viele Jahre auf dem Buckel, auch die zahnärztliche Approbationsordnung ist Schnee von gestern. Sie entspricht längst nicht mehr dem Stand einer Zahnheilkunde unserer Zeit, einer Zahnmedizin als „Oral-Medizin“ verstanden und geleistet. Selbst die vorliegenden Entwürfe, an denen die verschiedensten Gruppen, Hochschullehrer, Kammerfunktionäre, Verbandsmacher seit einem Jahrzehnt basteln, frönen einer Präventiv-Zahngesundheits-Philosophie, die sich längst selbst zu überleben begonnen hat. Dem neuen Gesundheitsminister Rösler und seiner angeblich präventions-orientierten Gesundheitspolitik könnte die im Ministerium zur Verabschiedung vorliegende Approbationsordnung gut ins Konzept passen und er könnte sie direkt verabschieden. Dann wäre auch wenigstens etwas vom Tisch und erledigt, wenn auch völlig unzulänglich und völlig überholt.

Dies in mehrerlei Hinsicht. Da pöbeln mit völlig irrealen Argumentationen Kammerfunktionäre gegen die im Bologna-Prozess vorgesehene Umstellung des Zahnmedizin-Studiums auf das Bachelor-Master-System und einer dann besonders anspruchsvollen wissenschaftlichen Weiterbildung zum Doktor. Kein 6- oder 8-Semester-Bachelor darf jemals Zahnarzt werden, so die Kammer-Lautsprecher. Niemand aus der Welt mit Verantwortung im Bologna-Prozess hat das jemals vorgeschlagen oder angedacht, eine reine Funktionärserfindung für Wichtigtuer etwas verkünden zu wollen, wo nichts zu verkünden ist. Der Master in Dental Medicine erhält die Approbation im nahezu ebenbürtigen Anspruchsspektrum zum heutigen Diplomstudium zum Zahnarzt. Der Dental-Bachelor kann in die Industrie gehen, im Handel tätig werden, aber nicht am Patienten.

Vor allem aber muss mit einer neuen Approbationsordnung das medizinisch wissenschaftliche Niveau angehoben und eine Ausbildung zum berufsfertigen Zahnarzt angestrebt werden. Beides erfüllt die im Entwurf vorliegende Approbationsordnung Neu nicht. Sie schwelgt in den Grundlagen immer noch in der Gymnasial-Physik, -Chemie und –Biologie als wichtigen naturwissenschaftlichen Grundlagen-Fächerkanon, der an den Unis gern als Exmatrikulationsmechanismus genutzt wird. Die „medizinischen“ Fächer dienen weniger der ganzheitlich-medizinischen Befähigung des Zahnarztes als vielmehr der Anspruchsförderung auch im Zahnarzt verberge sich ein Arzt.

„Medizin“ muss als Grundlage hin zum Oral-Mediziner vermittelt, das Studium muss vom Ersatzdenken entrümpelt und vor allem die modernen chirurgisch-implantologisch-ästhetisch-restaurativen Methoden müssen integriert werden. Ganz schwierig wird es mit der Heranführung der Studierenden an die wissenschaftliche Forschung, findet letztere nach Urteilen des Wissenschaftsrates an Deutschlands zahnmedizinischen Fakultäten eigentlich nicht statt. Es gibt eben keine „Forschungskultur“. Vor allem die Professoren müssen selbst mehr für die Universität und die Studenten da sein. Schöne Wünsche, aber die kosten viel Geld, will man sie realisieren. Da bieten sich dem „Fachmann“ Rösler als Gesundheitsminister beste Ansatzpunkte rasch zu beweisen, dass er „Neues“ besser schaffen kann.

Hoffen wir es,
toi, toi, toi

Ihr J. Pischel

Foto: © Shutterstock.com

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