Branchenmeldungen 15.10.2026
Arnold Biber Preis 2026 von Dentaurum auf DGKFO-Jahrestagung verliehen
Warum die Frontzahninklination zählt
Die Frontzahninklination beschreibt die Neigung der Schneidezähne in Bezug auf die jeweilige Kieferbasis. Diese Messgröße ermöglicht es, Kieferorthopäden Platzverhältnisse im Zahnbogen zu beurteilen, die biologischen Grenzen einer Behandlung einzuschätzen und darauf aufbauend Zahnbewegungen gezielt zu planen. Eine verlässliche Bestimmung ist deshalb für Diagnose und Therapieplanung relevant.
Üblicherweise wird die Frontzahninklination anhand eines Fernröntgenseitenbilds (FRS) bestimmt. Die prämierte Arbeit geht der Frage nach, ob sich diese auch ohne FRS zuverlässig bestimmen lässt. Dazu entwickelte und untersuchte das Team einen multimodalen Deep-Learning Ansatz, der auf routinemäßig erhobenen kieferorthopädischen Befundunterlagen basiert.
Mehrere Datenquellen gemeinsam auswerten
Das multimodale Deep-Modell, das in der Studie entwickelt, trainiert und validiert wurde, kombiniert verschiedene Arten kieferorthopädischer Befunddaten und lernt anhand vieler Beispieldatensätze, daraus die Frontzahninklination zu bestimmen.
Die Arbeit zeigt, dass sich Informationen zur Frontzahninklination mit hoher Genauigkeit auch aus routinemäßig erhobenen kieferorthopädischen Unterlagen ableiten lassen. Dies eröffnet neue Möglichkeiten, bereits vorhandene diagnostische Daten gezielter für die Beurteilung der Frontzahninklination zu nutzen und damit die kieferorthopädische Diagnostik sinnvoll zu ergänzen.
Die ausgezeichneten Forschenden
Dr. med. dent. Noah F. Nordblom ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Poliklinik für Kieferorthopädie des Universitätsklinikums Würzburg. Prof. Dr. Felix Kunz leitet seit März 2026 die Klinik für Kieferorthopädie der Medizinischen Hochschule Hannover. Prof. Dr. med. dent. Angelika Stellzig-Eisenhauer ist Direktorin der Poliklinik für Kieferorthopädie des Universitätsklinikums Würzburg. Gemeinsam verbinden sie klinische Kieferorthopädie mit KI-gestützter Datenanalyse.
Auswahl nach wissenschaftlichen Kriterien
Der nach Dentaurum-Gründer Arnold Biber benannte Preis wurde 1910 erstmals verliehen und ist seit 1968 der Kieferorthopädie gewidmet. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung gilt einer bislang unveröffentlichten wissenschaftlichen Arbeit. Ein Kuratorium der DGKFO entscheidet nach wissenschaftlichen Kriterien über die Vergabe. Erfüllt keine Einreichung die Anforderungen, wird der Preis nicht verliehen. Die prämierte Arbeit erscheint im "Journal of Orofacial Orthopedics / Fortschritte der Kieferorthopädie".
Als Stifter des Preises unterstützt Dentaurum damit den wissenschaftlichen Austausch zwischen Fachgesellschaft, Universitäten und klinischer Praxis. Im Mittelpunkt steht nicht eine Idee oder Ankündigung, sondern eine abgeschlossene Arbeit, die sich der fachlichen Prüfung stellt.