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Branchenmeldungen 03.03.2014

Der Mund als Spiegel der Gesundheit

Katja Kupfer
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Der Mund als Spiegel der Gesundheit

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der biologischen Zahnheilkunde und den heute üblichen chronischen Erkrankungen? Ja, bestätigt der Implantologe und „Biological Dentist“ Dr. Dominik Nischwitz. Ein Interview über Störfelder im Mund und deren Auswirkungen auf das sehr komplexe System – den menschlichen Körper.

Sie sind Zahnarzt, haben aber auch Ausbildungen wie die Biosignature Methode nach Charles Poliquin durchlaufen. Wie kam es dazu?

Krafttraining und Bodybuilding sind schon sehr lange meine Leidenschaft. Bereits während des Studiums konnte ich mich für die Biochemie des Menschen begeistern, vor allem in Anbetracht der unterschiedlichsten Ernährungsformen und Nahrungsergänzungen. Damals habe ich erkannt, dass die Ernährung Basis für die optimale Gesundheit ist und Nährstoffdefizite unweigerlich zu gesundheitlichen Problemen führen. In meiner Assistenzzeit kam ich mit der Biosignature Methode nach Charles Poliquin in Kontakt. Hautfaltenmessung als Spiegel für die individuelle biochemischen Zusammensetzung des Körpers sowie die akkurate Bestimmung eines messbaren, reliablen Körperfettwertes begeisterten mich sofort.

Mit welchen Aspekten der Biosignature Methode kommen Sie in der täglichen Praxis am meisten in Kontakt oder anders gefragt: Welche Patienten behandeln Sie überwiegend?

Ich arbeite seit einiger Zeit in zwei Praxen gleichzeitig. In der Zahnarztpraxis Nischwitz in Tübingen integriere ich momentan die konsequente Biologische Zahnheilkunde in das bereits bestehende Konzept der Aesthetischen Zahnmedizin und der Implantologie. Die Patienten sind vorwiegend gut informiert und wünschen eine sowohl gesundheitlich, als auch ästhetisch und funktionell optimale Behandlung, nach den modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Der Mund als Spiegel der Gesundheit ist im derzeit aufkommenden Gesundheitsbewusstsein, vor allem der jüngeren Generation, häufig der Schlüssel zur optimalen Fitness bzw. präventiv nicht zu unterschätzen.

Die Tagesklinik Dr. Volz & Dr. Scholz ist bereits seit Jahren konsequent auf eine integrative und ganzheitliche Behandlung ausgerichtet. Durch die integrierte Abteilung für Umwelt- und Integrativmedizin mit namhaften Umweltmedizinern wie Dr. med. Joachim Mutter, sehe ich dort überwiegend chronisch kranke Patienten (MS, ALS, Alzheimer, Parkinson, Krebs, Chronische Schmerzen, Depressionen, Burn Out), die schnellstmöglich eine Zahnsanierung unter biologischen Aspekten benötigen und auch genau aus diesem Grund in der Praxis sind. In beiden Praxen werden die Themen Metallentfernung unter maximalen Schutzmaßnahmen und Störfeldsanierung sehr ernst genommen.

Der Mund als Spiegel der Gesundheit! Viele Menschen hierzulande haben oder hatten Amalgamfüllungen und wissen überhaupt nicht um die Gefahr die davon ausgeht. Wozu raten Sie jemandem der solche Füllungen hat oder hatte?

Man kann auch sagen: „Gesund beginnt im Mund“. In der Praxis muss Amalgam nach der Entfernung als hochgiftiger Sondermüll entsorgt werden – allein dieser Fakt sollte schon zu denken geben. Was die meisten Patienten nicht wissen: Amalgam besteht zu 50% aus Quecksilber (Hg), das entgegen der häufig vertretenen Meinung nach dem Anmischen nicht fest in der Füllung gebunden ist. Durch Kauen, Knirschen, Zähneputzen, heiße oder kalte Getränke wird täglich eine gewisse Menge an Quecksilberdampf freigesetzt. Das ganze spielt sich zwar im Mikrogramm Bereich ab, wenn man jedoch bedenkt, dass bereits ein Molekül Hg Nervenzellen zerstört kann, ist dies nicht zu unterschätzen. Hg gilt als das giftigste nichtradioaktive Element und übertrifft hierin alle anderen bekannten Elemente, wie z. B. Blei, Kadmium und Arsen, zum Teil um ein Vielfaches.

Täglich werden pro Füllung ca. 2-3µg Quecksilberdampf freigesetzt und das über eine durchschnittliche Tragedauer von 20 Jahren. Man spricht von einer niedrig dosierten, chronischen Vergiftung. Quecksilber ist bekannt dafür, jedes Symptom nachzuahmen und aus eben diesen Gründen im Körper nicht tolerierbar. Der menschliche Körper ist zwar intelligent und speichert, wenn möglich, das meiste Umweltgift im stoffwechselinaktiven Binde- oder Fettgewebe, bei sportlich tätigen Personen oder Personen mit niedrigen Körperfettanteil leider häufig im Nervengewebe oder Gehirn. Da Amalgamfüllungen die Hauptquelle für die Vergiftung mit Quecksilber und anderen Schwermetallen sind, sollten diese, egal ob bereits chronisch krank oder vielleicht sogar besonders aus präventiven Gründen entfernt werden. Hier werden jedoch die meisten Fehler begangen. Der normale Zahnarzt wird, da er über die oben genannte Problematik nicht Bescheid weiß (nicht Universitätslehrmeinung), die Füllung ohne jegliche Schutzmaßnahmen einfach heraus bohren. Dabei entsteht jedoch die größte Menge an hochgiftigem Quecksilberdampf und es ist nicht selten, dass Patienten nach eben so einer routinemäßigen Amalgamentfernung mit neurologischen Beschwerden, chronischer Müdigkeit, Gelenk- und Muskelbeschwerden oder anderen neu hinzugekommenen Symptomen reagieren.

Aus diesem Grund ist die Entfernung der Füllungen unter absoluten Schutzmaßnahmen unabdingbar.

Da der Körper das während der Tragedauer freigewordene Quecksilber im Körper mit einer Halbwertszeit von mehreren Jahren bis Jahrzehnten speichert, ist es nur sinnvoll den Körper nach erfolgter Metallentfernung durch eine aktive Schwermetallentgiftung zu unterstützen. Dabei kann man nicht wie im Internet zu lesen einfach ein Pauschalprogramm durchführen, vielmehr können diese sogenannten Detox-Programme, erst zu Problemen führen. Nicht jeder Patient ist in der Lage Schwermetalle oder andere Giftstoffe einfach auszuscheiden. Kenntnisse über die individuelle Biochemie des Patienten und Mikronährstoffdefizite sind vor allem bei bereits bestehenden gesundheitlichen Problemen notwendig. Um mit den Entgiftungsreaktionen des Körpers umgehen zu können, sollte man sich in die Hände von erfahrenen Ärzten oder Heilpraktikern begeben.

Eine vollständige Entgiftung kann erst nach konsequenter Entfernung aller Störfelder in der Mundhöhle richtig durchgeführt werden. Dazu zählt jedoch nicht nur das bekannte Amalgam.

Welche weiteren Störfelder gibt es?

Zähne sind genau wie Leber, Darm oder Magen ebenfalls Organe mit eigener Blut und Nervversorgung und wenn man es genau nimmt sogar ein Hirnnerv (Trigeminus/HN-V). Sie sind das Organ, das der Schaltzentrale des Körpers, dem Gehirn, am nächsten ist. Rund 80 Prozent aller Störfelder für den Körper befinden sich in der Mundhöhle.

Neben klassischen Problemen wie Karies und Parodontose finden sich:

Metalle

Für verschiedene Metalle wie Quecksilber, Gold, Platin, Kupfer, Kobalt, Aluminium, Eisen, Chrom sind zytotoxische (z.B. neurologische Erkrankungen), immunologische (Autoimmunerkrankungen), mutagene (z.B. Krebs) Wirkungen, sowie Auswirkungen auf den Stoffwechsel (z.B. oxidativer Stress) wissenschaftlich gut belegt. Metallbestandteile können in der Regel wenige Tage nach dem Einbringen in den Mund überall im Körper nachgewiesen werden.

Synergie von Entzündung und Metallen

Durch Bakterien entstehen schwefelhaltige Eiweißzerfallsprodukte wie Thioether und Mercaptane, die eine hohe Bindungsfähigkeit zu Schwermetallen haben. Daraus resultieren organische Metallverbindungen von massiv gesteigerter Toxizität, z.B. Dimethylquecksilber

Unterschiedliche Materialien nebeneinander

Klassischerweise Goldkrone neben alter Amalgamfüllung. Die unedleren Metalle gehen in Lösung und fließen in Richtung edlerem Metall. Der Speichel ist hierfür das optimale Elektrolyt. Man spricht in diesem Fall von einem galvanischen Element oder dem Batterieeffekt.

Elektrosensible Patienten

Metalle agieren im Körper wie kleine Antennen, die das sensible Aktionspotential der Zelle komplett durcheinander bringen können. Überall ist man Mikrowellen (WLAN, Funk, Handysendemast) unweigerlich ausgesetzt. Es gibt sogar Patienten, die durch die Kondensatorwirkung der Metalle im Mund Radiosender empfangen können.

Wurzelbehandelte Zähne (tote Zähne)

Pathogene Bakterien hausen im weit verzweigten Kanalsystem einer Wurzel (Dentinkanälchen: ca. 1km) und bilden dort hochgiftige Schwefelverbindungen (Thioether, Mercaptane) sowie Leichengifte (Putrescine und Cadaverine).

Entzündungen an der Wurzelspitze

Ihr Immunsystem attackiert den abgestorbenen Zahn bzw. die darin hausenden Bakterien (chronische Infektion) und es kommt zu Zystenbildung und chronischen Entzündung um die beherdete Wurzel. Probleme zeigen sich meist nicht vor Ort, sondern systemisch, anderorts im Körper und sind daher nicht immer ganz einfach zu diagnostizieren (Odontone: Zahn-Organbeziehungen).

Chronische Entzündungen im Kieferknochen

Meist unbemerkt von konventionellen Röntgenaufnehmen kommt es häufig zu chronischen Entzündungen im Kieferknochen, meist resultierend aus alten, nicht optimal verheilten Zahnextraktionswunden, Zahnanlagen oder Fremdkörpern. Hier bilden sich ebenfalls Giftstoffe und Entzündungsmediatoren, die an anderer Stelle im Körper zu jedem Symptom führen können, besonders häufig treten jedoch neurologische (NICO) oder Gelenkprobleme auf. Mittels einer dreidimensionalen, digitalen Volumentomographie (DVT) können diese auf Verdacht jedoch gut diagnostiziert werden.

Bissproblematik

Der Biss ist Thermostat für die strukturelle Komponente ihres Körpers. Die Zahn- und Augenebene hängen direkt miteinander zusammen: bei jedem Säugetier sind die Augen reflexartig auf den Horizont gerichtet. Bereits kleinere Änderungen in der Okklusion (mm) führen zu einem Ungleichgewicht in diesem Gefüge, das ihr Körper durch einfache Regelmechanismen im Muskel – und Bandapparat zu kompensieren vermag. Meist äußert sich dies in einer Verspannung der tiefen Nackenmuskulatur, wird aber über Dauer auf den Schulter- und Beckgürtel weitergeleitet, was auch dort langfristig zu Fehlstellung und – Haltung und damit auch Schmerzen führen kann.

Man könnte den Mund also mit einer großen Baustelle, die niemals fertig wird, vergleichen. Jeden Tag muss Ihr Körper Arbeiter und Baumaterial im Sinne von Nährstoffen verschwenden, um diese Baustelle zu kompensieren. Über einen längeren Zeitraum werden dafür Nährstoffe verbraucht, an anderen Stellen im Körper kommt es zu Defiziten oder sogar Mangelerscheinungen. Die Giftstoffe vermehren sich und der Körper kommt nicht mehr nach – das Fass läuft über. Hier liegt teilweise der Schlüssel zwischen der biologischen Zahnheilkunde und den heute üblichen chronischen Erkrankungen. Zusätzlich dazu spielt natürlich auch die individuelle, genetische Entgiftungsleistung des Körpers eine wichtige und entscheidende Rolle in dieser Gleichung. Hinzu kommen meist eine mangelhafte Ernährung sowie weitere Umwelteinflüsse (Plastik, Pestizide, Elektrosmog, minderwertige Nahrung), denen wir täglich ausgesetzt sind. Insofern spielt die konsequente biologische Sanierung der Mundhöhle nicht nur für chronisch kranke Patienten eine wichtige Rolle, sondern auch, wenn nicht sogar vielmehr, für Jedermann, im Sinne der Prävention.

Dr. Nischwitz, vielen Dank für das informative Gespräch.

Quelle: http://www.moritzmatzen.com

Foto: © Kurhan - Fotolia.com
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