Branchenmeldungen 22.06.2021

Drei Fragen an … die neue Präsidentin der DGR²Z

Drei Fragen an … die neue Präsidentin der DGR²Z

Foto: alesmunt – stock.adobe.com

Seit März 2021 hat die Deutsche Gesellschaft für Restaurative und Regenerative Zahnerhaltung e.V. (DGR²Z) eine neue Präsidentin: Die Hannoveraner Spezialistin für restaurative Zahnerhaltung, Priv.-Doz. Dr. Anne-Katrin Lührs, löste mit ihrer Ernennung den bisherigen Präsidenten Prof. Dr. Wolfgang Buchalla ab. Was die junge Dozentin an der Klinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Präventive Zahnheilkunde der Medizinischen Hochschule Hannover durch ihre neue Position erreichen möchte, lesen Sie hier.

Frau Dr. Lührs, Sie haben im März 2021 Prof. Dr. Wolfgang Buchalla an der Spitze der DGR²Z abgelöst und sind zur neuen Präsidentin gewählt worden. Was verbinden Sie mit der Gesellschaft und welche Ziele haben Sie sich als Präsidentin mittel- wie längerfristig gesteckt?

Die DGR2Z ist für mich, genau wie die DGZ, diejenige Fachgesellschaft, die mein Tätigkeitsgebiet perfekt widerspiegelt. Da ich quasi seit dem Erlangen der Approbation Mitglied in der DGZ, später auch in der DGR2Z bin, ist die DGR2Z meine fachliche „Heimat“. Umso mehr freue ich mich auf die neue Funktion, die sicherlich eine große Herausforderung ist, aber die große Chance bietet, den minimalinvasiven Aspekt heutiger Restaurationsmöglichkeiten weiter in den Fokus zu rücken. Das fängt bei Infiltrationsmaßnahmen und minimalinvasiven Präparationen an, die dank der Adhäsivtechnik möglich sind, und bezieht natürlich auch das große Feld der Reparaturen zahnärztlicher Restaurationen mit ein, welche bis vor wenigen Jahren noch mehrheitlich mit Skepsis betrachtet wurden, heute aber zum Standardbehandlungsprozedere gehören (sollten). Weiterhin ist es wichtig, den Stellenwert regenerativer zahnerhaltender Strategien weiter zu erhöhen.

Seit diesem Jahr ist das Amt des Vizepräsidenten der Berliner Zahnärztekammer erstmals weiblich besetzt und auch die DGZ hat seit Februar eine neue Präsidentin-elect – weibliche Vertreterinnen werden demnach in Schlüsselfunktionen langsam aber sicher präsenter. Wie wichtig ist dieser Trend und was erhoffen Sie sich davon?

Dieser Trend ist die logische Konsequenz aus veränderten Geschlechterverhältnissen, die wir auch in unserem Studiengang beobachten. An der Medizinischen Hochschule Hannover war 2019 der Anteil der weiblichen Promovierenden in der Zahnheilkunde deutlich höher als der der männlichen, aber schon ab der Habilitation kehrt sich dieses Verhältnis um, bei den APL-Verfahren und Neuberufungen überwiegt dann der Männeranteil deutlich. Insofern finde ich die Entwicklung, die Sie ansprechen, mehr als erfreulich, gerade wenn man sich Daten ansieht, wie die Geschlechterverteilung in höheren Ebenen aussieht. Und mit den zuvor genannten Kolleginnen haben zwei, hoffentlich bald drei, hochkompetente Frauen Spitzenpositionen inne. Zahnärztinnen haben, so habe ich es kürzlich in einem Interview gelesen, eine „konservierendere“ Herangehensweise an viele Behandlungsproblematiken, was mich als Zahnerhalterin natürlich sehr freut. Dennoch möchte ich dieser von Ihnen angesprochenen „Feminisierung“ etwas das Gewicht entziehen: Kompetenz im Fachgebiet sollte keine Geschlechtsverknüpfung innehaben, dennoch ist die Entwicklung ein erster Schritt, die sogenannte „gläserne Decke“ weiter aufzuweichen.

Was sind Ihrer Meinung und Erfahrung nach zentrale Fragestellungen der Restaurativen Zahnheilkunde 2021?

Die Fragestellung, die nach wie vor höchste Priorität hat, ist meiner Meinung nach: Wie kann ich langfristig Zahnhartsubstanz erhalten? Hier sei noch einmal die Wichtigkeit der minimalinvasiven Herangehensweise erwähnt: Was einmal wegpräpariert ist, kommt nie wieder! Diesen „Respekt vor der Zahnhartsubstanz“ sollte jede Kollegin und jeder Kollege verinnerlichen – leider ist das nicht immer der Fall. Wir haben durch die heutigen restaurativen Techniken großartige Möglichkeiten, und sollten diese auch ausschöpfen. Allein die Möglichkeit, mithilfe der Proximal Box Elevation Zähne konservierend zu versorgen, die bis vor wenigen Jahren nur mit weitreichenden chirurgischen und prothetischen Maßnahmen versorgbar waren, ist faszinierend. Aber: Auch diese Technik ist aufwendig und funktioniert nicht zum Nulltarif. Wenn ich als Behandler eine Kavität zeitaufwendig trockenlege und restauriere, so muss dies auch entsprechend honoriert werden. Adhäsivtechnik bietet vielfältige Möglichkeiten, die aber vom technischen und vom Zeitaufwand her nicht unterschätzt werden dürfen. 

Das Interview ist in ZWP Zahnarzt Wirtschaft Praxis erschienen.

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