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Branchenmeldungen 25.09.2008

Forschungsschwerpunkt: Kariesvorbeugung

Forschungsschwerpunkt: Kariesvorbeugung
Prof. Dr. Stefan Zimmer, neuer Lehrstuhlinhaber für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin an der Universität Witten/Herdecke, hat wissenschaftlich untersucht, wie die einstige Volkskrankheit Karies am besten zu bekämpfen ist.

Richtiges und regelmäßiges Zähneputzen - klar, darauf hätte man kommen können. Aber für ihn ist seit den 90er Jahren viel Gutes geschehen: "Die Krankenkassen haben Vorbeugung bezahlt, die Politik hat festgelegt, was in den Schulen getan werden muss und 70% des heute verkauften Speisesalzes enthalten Fluoride, die den Zahn gegen die Säure, also den Kariesansatz stärken. Das ist ein bisschen wie eine Impfung", erklärt er den Rückgang von Karies bei Kindern und Jugendlichen in den letzten 20 Jahren um gut 80%. Doch immer noch haben einige Menschen darunter stark zu leiden. "Meine Arbeit besteht eben genau darin, herauszufinden, welche Menschen das sind. Und es zeigt sich da eine gewisse soziale Abhängigkeit bei der Erkrankung: Menschen mit Migrationshintergrund oder Menschen, die in sozialer Not leben, haben damit zu kämpfen. Und da helfen keine Hinweise, doch zum Zahnarzt zu gehen, auf diese Menschen muss man zugehen", erklärt er seinen Ansatz. Er proklamiert Unterricht in Schulen und Kindergärten zur Gesundheitserziehung, er plädiert für eine Behandlung mit Fluoridlack: "Wenn ein Zahnarzt den zwei mal pro Jahr auftragen kann, dann sinkt die Rate der Karieserkrankungen um 40%. Das Problem ist eben genau diese Regelmäßigkeit mit den Patienten zu erreichen." Zimmer setzt auf Gespräche und Aufklärung, will die Menschen gewinnen. Dafür ist er 2006 als einer der ganz wenigen Zahnmediziner mit dem Hufelandpreis ausgezeichnet worden. Er ist, wenn er nicht forscht oder behandelt, der Vorsitzende der Aktion Zahnfreundlich Deutschland, also der "Chef" des kecken Zahns mit dem Regenschirm.

"Natürlich sind wir gegen Zucker in Nahrungsmitteln, aber die viel diskutierte Ampellösung mit grünen und roten Etiketten zur Kennzeichnung ist in unseren Augen zu simpel. Wer nur die Lebensmittel essen würde, die grün gekennzeichnet sind, würde sich ziemlich viele Mangelkrankheiten einhandeln. Jeder, der sich ausgewogen ernähren will, muss auch mal die 'bösen roten' Sachen essen - wie viel und wie oft ist das Problem. Und das lässt sich nicht mit farbigen Punkten lösen", ist seine Position zu diesem aktuellen Problem.

Prof. Zimmer studierte in Berlin, wo er auch den größten Teil seines bisherigen Berufslebens verbrachte, zuletzt war er kommissarischer Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung und präventive Zahnheilkunde an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Nach Witten haben Zimmer zwei Dinge gelockt: "Die praxisorientierte Lehre hier ist einmalig. Und mich reizt auch die Möglichkeit, im neuen ZBZ genau an meinen Fragen zu forschen." Vor seinem Studium hat Zimmer übrigens eine Ausbildung als Finanzbeamter im Saarland abgelegt und sechs Jahre als Finanzbeamter gearbeitet, bevor er am Abendgymnasium sein Abitur ablegte: "Ich bin vielleicht der einzige Zahnarzt in Deutschland, der seine Steuererklärung selber ausfüllen kann", lacht er über seine sicher seltene Doppelqualifikation.

Quelle: Private Universität Witten/Herdecke gGmbH über idw-online, 25.09.2008
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