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Branchenmeldungen 25.09.2012

GKV-Einkommen – Zahnärzte im Abseits

GKV-Einkommen – Zahnärzte im Abseits

Jahrzehnte wurden die Zahnärzte von den Medien als Spitzenverdiener im deutschen Gesundheitswesen an den ­öffentlichen Pranger gestellt. Unter dem legendären Arbeitsminister Blüm – im vorigen Jahrhundert auch für die Gesundheit verantwortlich – geisterte das Unwort „32 Zähne kosten mehr als der ganze Mensch“ durch die Lande.

Vorwürfe, die im Rahmen der strikten Budgetierungspolitik der letzten Jahrzehnte die Standespolitik – voran die KZBV im Frei-Verbandsdiktat – ­veranlassten, einen strikten Privatisierungskurs von Leistungsbereichen in der Zahngesundheitsversorgung mit Ausgrenzungen zu fahren. Stichworte: Mehrkostenvereinbarungen zur Amalgam Überwindung in der Füllungstherapie, Festzuschüsse bei Zahnersatz auf Grundversorgungsbasis, keine wirkliche PA-Versorgung im BEMA, um die Fi­nanzen der Kassen zu schonen.

Ruhe an der Kassenfront kehrte ein, die Patienten wurden ermahnt, ihre Selbstverantwortung wahrzunehmen und die Zahnärzte sollten verstärkt die Rolle eines Unternehmers neben der ­Aufgabe als Doktor einnehmen. Für die Krankenkassen hat sich diese KZBV-Politik ausgezahlt. Der Anteil ihrer Aufwendungen für die Zahnmedizin im Rahmen der GKV-Ausgaben ist in den letzten Jahrzenten und weiter mit den Festzuschüssen dramatisch gesunken.

Hat es sich aber auch für die Zahnärzte ausgezahlt? Hier ist das Bild sehr differenziert, die Schere mit wenigen Erfolgs­praxen von 15 Prozent der Gesamtzahl, die fast 50 Prozent aller Umsätze erwirtschaften, ist weit auseinandergeklafft. Nun zeigt ein Prognos-Gutachten (Wirtschaftsberatungsgesellschaft aus Basel) – arbeiten sonst auch für die KZBV –  für den GKV-Spitzenverband im Streit um die künftige Honorarentwicklung der Ärzteschaft, dass die Ärzte in ihrem Durchschnittseinkommen die Zahnärz­te seit 2007 längst überrundet haben, ­besonders im GKV-Einnahmenbereich.

2007 hatten sich KBV und GKV darauf verständigt, dass 105.000 Euro brutto im Jahr angeblich ein anständiges Gehalt für einen Mediziner sei. Laut dem 28-­seitigen Prognos-Gutachten ist das GKV-Durchschnittseinkommen seit 2007 auf 134.000 Euro gestiegen. „Nimmt man noch die Einnahmen durch Privatkassen hinzu, verdienen Ärzte jährlich 165.000 Euro“, so der AOK-Chef. Der Zahnarzt hat laut KZBV-Statistik – wenn man die Erhebungen ver­gleichen kann – 2007 111.000 Euro und im letzten Jahr rund 125.000 Euro „verdient“. Bezeichnenderweise kommen von diesen Praxiseinnahmen nur rund 50 Prozent, also ca. 63.000 Euro, aus den Kassen der GKV. Nun wollen die Krankenkassen, dass bei den Ärzten die bisherige „Überzahlung“ von 2,2 Mrd. Euro durch Senkung des „Orientierungswertes“ – er wurde 2009 in der Honorarreform eingeführt – von 3,5 Cent auf 3,25 Cent ausgeglichen wird, was die durchschnittlichen Medizinergehälter aus der GKV auf 115.000 Euro pro Jahr reduzieren würde.

Die Kassenärztliche Bundesverei­nigung (KBV), die die Interessen der ­Mediziner vertritt, fordert, dass die Bezüge der Ärzte 2013 um 3,5 Mrd. Euro aufgestockt werden – schließlich hätten die gesetzlichen Krankenkassen genug Geld gehortet. Funkstille zum Thema „geringer Kassenanteil“ bei den Einnahmen der Zahnärzte aus der KZBV, außer zarten Hinweisen in Funktionärsversammlungen, dass wir eine „Unterversorgung“ auf Kasse bei Parodontalerkrankungen und altersassoziierter Wurzelkaries hätten. Ob da etwas kommt zur Verbreiterung der Kassengrundversorgung für Patienten und Praxen? Fraglich, also weiter Selbstverantwortung pflegen,

toi, toi, toi, Ihr Jürgen Pischel

Foto: © DOC RABE Media - Fotolia.com
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