Branchenmeldungen 30.03.2026

Digitaler Workflow: „Wir wollten mehr als nur Einzelzahnversorgungen“



Im Vorfeld der exocad Insights, die am 30.April und 1.Mai in Palma de Mallorca stattfinden, haben wir die Hallenser Zahnärztin Michaela Sehnert zum Gespräch getroffen. Sehnert arbeitet seit Jahren konsequent digital, tritt beim Event als internationale Gastrednerin auf und ist eines der Gesichter der Kampagne „Heroes of Digital Dentistry“. Im Interview spricht sie über ihre ersten Schritte mit exocad, effiziente Workflows und darüber, was eine kleine Praxis heute digital leisten kann.

 
Digitaler Workflow: „Wir wollten mehr als nur Einzelzahnversorgungen“

Foto: Exocad; Foto OEMUS MEDIA AG

Frau Sehnert, seit wann arbeiten Sie mit der Software von exocad und was hat Sie damals überzeugt, den Schritt in die digitale Zahnmedizin zu gehen?

In unserer Praxis arbeiten wir seit 2020 mit der exocad Software. Der Wechsel war für uns eigentlich ein logischer Schritt. Wir haben vorher bereits chairside gearbeitet, fühlten uns aber zunehmend limitiert. Einzelzahnversorgungen ließen sich gut umsetzen, doch wir wollten mehr Möglichkeiten.

Wir operieren viel und benötigen deshalb Lösungen, die auch komplexere Versorgungen abbilden können – also nicht nur einen oder zwei Zähne, sondern ganze Brücken oder sogar komplette Kiefer. Gerade implantatgetragene Ver­sorgungen wollten wir möglichst selbst herstellen können, etwa für Langzeitprovisorien nach Operationen oder für provisorische Versorgungen. Uns war wichtig, eine Software zu haben, mit der wir deutlich mehr gestalten können als nur ­Okklusion oder Zahnform am Bildschirm anzu­passen. Wir wollten zum Beispiel das Lächeln des Patienten von Anfang an in die Planung einbeziehen, ­besonders bei Frontzahnrestaurationen. exocad hat uns damals überzeugt, weil sich die Software gut in unseren Workflow integrieren ließ und das Spektrum der Chairside-Möglichkeiten deutlich erweitert hat, ohne den Workflow unnötig kompliziert zu machen.

Welche Funktionen von exocad helfen Ihnen im Praxisalltag besonders? Wo merken Sie konkrete Effizienzgewinne, etwa bei Zeit, Präzision oder in der Zusammenarbeit mit dem Labor?

Es gibt viele Funktionen, die uns im Alltag unterstüt­zen. Ein Beispiel ist die KI-Krone. Diese Funktion wurde vor knapp zwei Jahren mit der DentalCAD 3.2 Elefsina eingeführt, also nicht direkt zu Beginn unserer Arbeit. Sie erleichtert heute aber viele Schritte erheblich. Die Software erkennt etwa Präparationsgrenzen oder positioniert eine Restauration automatisch über dem Zahnstumpf. Dadurch entfallen mehrere manuelle Arbeitsschritte.

Ein weiteres Tool, das ich nicht mehr missen möchte, ist Smile Creator. Gerade im Frontzahnbereich ist das unglaublich hilfreich. Ich kann schon bei der Planung sehen, wie sich eine Restauration in das Gesicht des Patienten einfügt – mit Lippenlinie, bukkalen Korridoren und der passenden Zahnform. Das spart uns viel Zeit, weil wir deutlich weniger Einproben brauchen, häufig sogar gar keine mehr. Das digitale Smile Design zeigt bereits im Vorfeld sehr genau, wie die spätere Versorgung aussehen wird.

Ein großer Effizienzfaktor ist auch der Workflow selbst. Wir designen die Versorgung in der Praxis, fräsen sie anschließend direkt und verzichten dadurch auf mehrere Zwischenschritte, etwa Modellher­stellungen. Damit schließen wir auch viele mögliche Fehlerquellen aus. Für die Patienten bedeutet das häufig eine Single-Visit-Versorgung. Einzelzahnrestaurationen können wir in unter einer Stunde fertigstellen. Das ist nicht nur für die Patienten angenehm, son­­dern auch wirtschaftlich für die Praxis. Während beispielsweise eine professionelle Zahnreinigung läuft, kann parallel bereits die Versorgung gefertigt werden.

Worauf können sich Besucher Ihres Vortrags während der exocad Insights freuen?

Ich möchte zeigen, was in einer ganz normalen Praxis möglich ist. Ich habe selbst in einer kleinen Praxis mit drei Mitarbeiterinnen angefangen, ohne eigenes Labor. Vieles hat sich über die Jahre entwickelt. Genau darüber möchte ich sprechen. Was kann man mit ­einem Chairside-Workflow tatsächlich umsetzen? Welche Prozesse lassen sich realistisch in eine Praxis integrieren? Mir ist wichtig, dabei auch offen über die Hürden zu sprechen. Digitalisierung ist kein Selbstläufer. Es gibt Punkte, an denen man Entscheidungen treffen muss. Zum Beispiel: Wie integriere ich mein Team? Bis zu welchem Punkt kann man Workflows selbst managen und wann braucht man vielleicht einen eigenen Zahntechniker oder ein externes Labor?

Ich möchte den Besuchern einfach den ungefilterten Praxisalltag zeigen. Heute haben wir ein sehr gut funktionierendes Eigenlabor aufgebaut, was für uns be­deutet, dass viele Wertschöpfungsschritte in der Pra­xis bleiben. Spannend ist auch, wie Patienten darauf reagieren. Ihre Erwartungen verändern sich, wenn sie erleben, wie schnell und präzise digitale Workflows funktionieren. Und wir sprechen damit auch neue Patientengruppen an, die sonst vielleicht gar nicht zu uns gekommen wären.

Wie integrieren Sie den digitalen Workflow mit exocad in Ihre Praxis? Welche Rolle spielen dabei Hardware-Komponenten wie Scanner, Fräs­maschinen oder 3D-Drucker?

Der digitale Workflow beginnt ganz klar mit einem Intraoralscanner. Ohne Scanner funktioniert das Ganze nicht. Wir arbeiten mit dem iTero Scanner. Dieser ist direkt mit unserer exocad Software verbunden. Da­durch müssen wir keine Dateien manuell übertragen oder STL-Daten hin- und herschicken. Der Scan wird direkt in DentalCAD importiert, inklusive Patienten­daten und der Information, welcher Zahn versorgt werden soll. Das reduziert die Arbeitsschritte am Anfang erheblich. Die Scans werden direkt am Behandlungsstuhl erstellt und anschließend im System weiterverarbeitet.

Für die Herstellung der Restaurationen arbeiten wir ­mit einer vhf R5 Fräsmaschine. Sie kann sowohl Einzel­blöcke als auch Ronden aus unterschiedlichen Mate­rialien verarbeiten. Theoretisch könnte sie auch über Nacht fräsen, wird bei uns aber meist im täglichen Workflow eingesetzt. 3D-Druck nutzen wir momentan vor allem für Modelle. Etwa 90 Prozent unserer Res­taurationen fräsen wir direkt. Der Ablauf ist relativ ­un­kompliziert: Scan mit dem iTero, Design in exocad DentalCAD, anschließend Kommunikation mit der Fräsmaschine.Alles läuft innerhalb eines geschlosse­-nen Workflows.

Welche Pro-Tipps würden Sie Kolleg/-innen geben, die ihren digitalen Workflow optimieren oder gerade erst aufbauen?

Der erste Schritt ist immer, sich klarzumachen, welche Art von Zahnmedizin man in der eigenen Praxis betreibt. Danach sollte man entscheiden, welche Technologien wirklich sinnvoll sind. Man sollte sich also fragen: Welche Behandlungen mache ich häufig? Möchte ich spontan reagieren können, wie wir es oft tun? Bei uns ist es beispielsweise so, dass wir während der Prophylaxebehandlung eines Patienten bereits die insuffiziente Füllung entfernen. Während die PZR läuft, wird die keramische Versorgung designt und gefräst. Danach kann sie direkt eingesetzt werden. Damit so etwas funktioniert, braucht man ein Team, das den Workflow kennt, und ein gutes Zeitmanagement.

Technisch beginnt alles mit dem Intraoralscanner. Wenn man mit exocad arbeiten möchte, sollte man auch darauf achten, dass der Scanner gut mit der Software kommuniziert. Das spart viele zu­sätzliche Arbeitsschritte. Bei den Fräsmaschinen gibt es sehr ­unterschiedliche Modelle. Manche verarbeiten nur Blöcke, andere mehrere Ronden gleichzeitig. Das hängt stark davon ab, wie viel man investieren möchte und wie umfangreich der eigene Work­flow sein soll. Entscheidend ist am Ende eine ehrliche Bestands­aufnahme: Was möchte ich in meiner Praxis wirklich umsetzen? Wie viel möchte ich investieren? Und wie bereit sind mein Team ­und ich, neue Prozesse zu etablieren? Wenn diese Fragen geklärt sind, findet man mit den Herstellern meist sehr schnell eine Lösung, die zum eigenen Konzept passt.

exocad insights


Die fünfte Auflage von exocad Insights bringt Dentalpioniere und Fachleute aus aller Welt zusammen. Im Mittelpunkt stehen modernste Dentaltechnologie, klinisches Fachwissen und innovative Ideen zur Weiterentwicklung der digitalen Zahnheilkunde. Das Programm umfasst Software-Demonstrationen, Keynotes führender Expertinnen und Experten der digitalen Zahnheilkunde, den Austausch mit Branchenpartnern sowie eine Abendveranstaltung. Unter dem Motto „Calling All Heroes“ würdigt das Event Zahnärzte, Zahntechniker und Vordenker, die eine kollaborative und patientenorientierte Versorgung vorantreiben und neue Impulse für digitale Workflows setzen. Mehr Informationen unter: exocad.com/de/insights-2026

Mehr News aus Branchenmeldungen

ePaper