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Branchenmeldungen 08.11.2010

Kein Kassenbudget mehr - beraten statt drohen

Kein Kassenbudget mehr - beraten statt drohen

Natürlich ist eine Budgetierung in der GKV-Versorgung "leistungsfeindlich", wie die BZÄK in einer Presseerklärung zum Streit zwischen einzelnen KZVen, der KZBV, einigen Krankenkassen und der Politik - voran dem FDP-geführten Gesundheitsministerium betont. Ob sie gar auch wie behauptet "unethisch" und "qualitätsfeindlich" sei, scheint schon ein wenig tief in die Sprüchekiste gegriffen, denn, wo nichts behandelt wird, kann nichts falsch gemacht werden. Es gibt KZVen, da ist die interne Budgetierung so geregelt, dass das Geld übers Jahr für die Kassenzahnärzte reicht. In anderen KZVen fährt man bewusst einen Crash-Kurs um damit vermeintlich Politik für die Zahnärzte machen zu können. Diesmal hat sich auch die KZBV wieder einmal öffentlich als Scharfmacher präsentieren wollen, finden doch bald Vorstandswahlen statt. Sie hat indirekt gemeinsam mit einigen KZVen gedroht, einzelne Praxen müssten wegen "Budgetierungen" schließen, andere könnten Versicherten bestimmter Kassen keine Therapietermine mehr geben und sie nur als Privatpatienten akzeptieren.

Der CDU-Gesundheitssprecher im Bundestag, Jens Spahn zeigte "null Verständnis" und erinnerte die Zahnarztfunktionäre, man hätte in den letzten Jahren genug für sie getan, siehe Aufhebung der Kassenaltersgrenze, oder an die ZE-Festzuschussregelungen und drohte mit Liebesentzug. Der FDP-Staatssekretär Bahr im Gesundheitsministerium, sonst Fahnenträger von Anti-Kassen-Diktat-Sprüchen, Oberverfechter der Aufhebung der Zwangsbudgetierung warf sich gar in Staatskommissar-Aufsichtspose und postulierte: Egal ob noch Geld da sei oder nicht, alle "Kassenzahnärzte sind immer verpflichtet ihre Kassenpatienten sachgerecht umfassend zu behandeln". Die Kassen pflichten Bahr bei und sehen in der Budet-Behandlungs-Boykott-Drohung einen klaren Verstoss gegen "gesetzliche Verpflichtungen". Ja selbst die BZÄK tritt der KZBV ans Schienbein mit dem Pressestatement: "Die Versorgung ist selbstverständlich gesichert. Alle akuten und notwendigen Behandlungen werden vorgenommen" und weiter als Conclusio: "Da braucht sich kein Patient zu sorgen", so BZÄK-Präsident Dr. P. Engel.

Also, alles wieder im Lot, wenn auch der BZÄK-Präsident beklagt, dass die Politik - auch hier voran die FDP und die Union - die GOZNeu indirekt einer strikten Budgetierung unterwirft, wenn die Leistungsbewertung dem vorhandenen Ausgabevolumen plus lächerlicher 10 Prozent nach 23 Jahren Punktwertstillstand angepasst wird. Nicht Zeit und Aufwand zählen, sondern was Staat und PKVen zu geben bereit sind.

Worum geht es beim hochgespielten Kassen-Beudget-Streit. Laut KZBV-Berechnungen gerade um 1,5% des Geldes, das die Kassen für Zahnmedizin auswerfen, rund 150 Mio Euro (so 2008), also pro Praxis 3000 Euro. Auch Geld. Aber dagegen steht etwas ganz anderes. Schon heute macht jede Kassenpraxis im Schnitt mehr als 50 Prozent aller Praxisumsätze privat und das ganz überwiegend mit Kassenpatienten. Macht es da nicht besser Sinn, jeden Kassenpatienten - bei 150 Euro Kassen Durchschnittstherapie geht es um zwanzig - in die Praxis aufzunehmen und nur einem davon z.B. ein Implantat vermitteln zu können und schon wird daraus wieder ein Praxisgewinn. Statt aussperren was nur Ärger schafft, lieber beraten und handeln,
toi, toi, toi

Ihr J. Pischel

09.11.2010

Foto: © Shutterstock.com
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