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Branchenmeldungen 21.02.2011

Mikrochirurgie bei Gesichtsrekonstruktion

Mikrochirurgie bei Gesichtsrekonstruktion

Was heute alles möglich ist

Weiterentwickelte Verfahren der Mikrochirurgie und des Tissue Engineering können jetzt Lebensqualität und Erscheinungsbild erheblich verbessern.

Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) erkranken jährlich mehrere Hunderttausend Menschen an Tumoren im Bereich der Mundhöhle, des Rachens und der Gesichtshaut. Über 120.000 davon sind bösartig, konkret etwa 100.000 – 120.000 im Bereich der Gesichtshaut und über 3.000 im Bereich der Mundhöhle. Die Entfernung dieser Tumore, sei es an der Zunge, am Kieferknochen oder Gesichtsgewebe - hinterlässt mitunter große Defekte.

Die MKG-Chirurgie verfügt über unterschiedliche Methoden, fehlenden Knochen und Weichgewebe wiederherzustellen. Weiterentwickelte Verfahren der Mikrochirurgie und neue Forschungserfolge mit Tissue Engineering ermöglichen jetzt einen deutlich höheren Sicherheitsfaktor und ästhetisch ansprechende Ergebnisse.


Im Gegensatz zur Deckung von Gewebeverlusten durch beispielsweise Hundebiss oder Unfall (Trauma), ist bei der Wiederherstellung des Gesichts nach Tumorentfernung eine Fremdspende wie beispielsweise die Transplantation von Gesichtsteilen eines Toten ausgeschlossen. „Die gegen mögliche Abstoßreaktionen notwendige Immununterdrückung könnte eine Tumorneuentstehung bzw. Metastasenbildung begünstigen“, erläutert Prof. Dr. Dr. Elmar Esser, Pressereferent der DGMKG, einen der Gründe. Daher werden zur Wiederherstellung bei Tumordefekten andere Verfahren der MKG-Chirurgie eingesetzt.

Mikrochirurgisch Gewebe einfach verpflanzen

Seit ungefähr 30 Jahren ermöglichen mikrochirurgische Techniken den freien Gewebetransfer: Die benötigten Gewebeteile werden aus dem Spenderareal, beispielsweise aus der Rückenmuskulatur des Betroffenen, komplett herausgetrennt und im Defektbereich mit mikrochirurgischen Techniken an die dortigen Gefäße angeschlossen. „Techniken, Materialien und Gerätschaften wurden in den letzten Jahren immer weiter optimiert, so dass der mikrochirurgische Gewebetransfer heute zu einem sicheren Rekonstruktionsverfahren in der Tumorchirurgie zählt und überdies auch vor einigen Jahren bei Prof. Devauchelles spektakulärer Gesichtstransplantation von einer Toten auf eine junge Frau erfolgreich zum Einsatz kam“, bestätigt Prof. Esser die verbesserten Überlebenschancen durch Mikrochirurgie. Überdies: Die Lebensqualität wird durch ästhetisch akzeptable Ergebnisse enorm gesteigert.

Tissue Engineering: mit Hightech Knochen- und Gewebeteile züchten

In einigen Fällen kann zu ersetzendes Gewebe oder selbst fehlender Knochen bereits mit Stammzellen und Wachstumsfaktoren gezüchtet werden. Ein Kieler MKG-Chirurgen-Team hat beispielsweise vor kurzem einen Teil des Unterkiefers eines Tumorgeschädigten in dessen Rückenmuskulatur vorwachsen lassen und das „körpereigene Ersatzteil“ dann im betroffenen Areal implantiert. Dazu sind jedoch vielfältige Voraussetzungen erforderlich: Von der 3D-Animation mit CAD/CAM-Verfahren über aufwändige Labortechnik bis zur klinisch sinnvollen Anwendung im Individualfall. Das Fachgebiet der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie (MKG-Chirurgie) sieht sich hier mit der Kooperation von Forschung und Klinik als führend an.

Quelle: DGMKG, 10.08.2010

Foto: © Shutterstock.com

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