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Branchenmeldungen 24.11.2010

Patienten-Beschwerden - es dreht sich wie immer ums liebe Geld

Patienten-Beschwerden - es dreht sich wie immer ums liebe Geld

"Viele Rechnungen sind einfach zu hoch" heißt es in den Presse-Statements zu einer Studie der "Unabhängigen Patientenberatung" (UPD) über ca. 40.000 Beschwerden aus einer der 22 Beratungsstellen. Ärzte, Krankenhäuser und ebenso betroffen - rund 50 Prozent - sind die Krankenkassen. Nimmt man nur die knapp 7000 Patienten-Beschwerden die auf den ärztlichen Berufsstand entfallen, dann lagen die Zahnärzte mit 30 Prozent - ca. 2300 - klar an der Spitze. Beschwerdegrund waren fast immer angeblich falsche oder zu hohe Rechnungen und nicht eine vermeintlich fehlgeschlagene Behandlung.

Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) erkennt bei ca. 40 Mio. Behandlungsfällen im Studienzeitraum eigentlich keinen Handlungsbedarf und meint, die Möglichkeit für die Patienten, "unterschiedliche wissenschaftlich anerkannte Therapieoptionen wählen zu können, wie die gesetzlich - so bei Zahnersatz - verordneten Kostenbeteiligungen" führen zwingend zu mehr Nachfragen. Das ist sicher etwas zu einfach, weiß man, dass viele PKV-Kostenerstattungsverfahren zu umfangreichem Briefwechsel und oft zu Gericht führen. Außerdem, viele Patienten verspüren ein "Rechnungs-Unbehagen" vor allem wenn Heil- und Kostenplan und Rechnung entsprechend differieren. So fußen sogar, die "Unabhängige Patientenberatung" und Sprecher der Verbraucherzentralen die überwiegende Mehrzahl der Beschwerden auf "Mehrberechnungen" ohne Vorabklärung mit dem Patienten. Das Thema ist uralt und hätte längst - innerberuflich - wenn schon nicht einer Lösung so einer Verbesserung zugeführt werden können. Natürlich kann jeder Zahnarzt, selbstverständlich im Rahmen der GOZ, die Rechnungshöhe selbst bestimmen. Eingreifen sollten die Kammern bei "auffälligen" Zahnärzten bei denen sich Beschwerden oder Anfragen über Höherberechnung gegenüber dem vom Patienten "genehmigten" HKP besonders summieren. Ich weiß, die Kammer hat dazu wenig berufsrechtliche Handhaben, aber "Auffälligkeitslisten" zu führen, wäre doch auch schon etwas.

Es sind ja meist alles nur Aufklärungs- und Beratungsschwächen vieler Zahnärzte, die einfach nicht die Kommunikationstechnik beherrschen, den Patienten Leistung und dafür notwendiges Honorar vermitteln zu können. Sicher gibt es einige, die vorsätzlich "billig" antreten und wenn sie den Patienten haben, glauben, alles leisten und berechnen zu können. Für diese Fälle ist nachzudenken, ob nicht bei bestimmten Überschreitungsformen eine schriftliche Vorabzustimmung des Patienten eingeführt wird. Regelungen in Selbstverantwortung und durch entsprechende Kommunikationsschulungen und -Beratungen sind allemal besser als die bisher von den Berufsfunktionären gepflegte Politik des Wegschauens.

Denn wieder einmal kamen die Zahnärzte als "Abzocker" in die Medien und schon wird auch der politische Kampf gegen weitere Festzuschusserstattungsmodelle in der Zahnmedizin zu Lasten aller Praxen munitioniert. Ja selbst, welch Aberwitz, denkt der CSU-/Alt-Gesundheitspolitiker Wolfgang Zöller (MdB), aufgestiegen zum "Patientenbeauftragten der Bundesregierung" darüber nach, gesetzlich die Patientenrechte besonders zu "stärken" und dies vor allem gegenüber den Zahnärzten. Kann man nur hoffen, dass er sich nun, ebenso wenig wie in früheren Jahren, wo er Zahnärzten vieles versprochen hatte, durchsetzen kann und alles vorerst im Sande verläuft. Dies befreit aber nicht jeden Zahnarzt, seine Patienten - auch über Kosten - umfassend zu beraten,

toi, toi, toi

Ihr Jürgen Pischel

24.11.2010

Foto: © Shutterstock.com
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