Branchenmeldungen 17.11.2021

Paul Klee und die Rekonstruktive Zahnmedizin

Paul Klee und die Rekonstruktive Zahnmedizin

Foto: © OEMUS MEDIA AG

Das vom Architekten Renzo Piano entworfene «Zentrum Paul Klee» in Bern gehört zu den repräsentativsten Veranstaltungsorten der Bundesstadt und bot auch in diesem Jahr wieder die perfekte Kulisse für die Jahrestagung der Schweizerische Gesellschaft für Rekonstruktive Zahnmedizin (SSRD). Dank eines konsequent durchgeführten 3G-Konzepts (Kontrolle des Impfzertifikats und eines Ausweispapiers) war in diesem Jahr auch wieder eine Präsenzveranstaltung möglich.

«(Ver-)Zweifeln in der Rekonstruktiven Zahnmedizin – vom Bauchgefühl zur Evidenz» lautete das Motto der SSRD-Tagung 2021 zum 40-jährigen Jubiläum der Fachgesellschaft. Entscheidungsfindung – eine oftmals schwierige Aufgabe, der sich wohl jeder Behandler tagtäglich in seiner Praxis stellen muss. Dabei kommen immer wieder Zweifel auf – Was sagt die Evidenz, was das klinische Bauchgefühl? Reicht die (rein) wissenschaftliche Evidenz, um für diesen speziellen Patienten die richtige Entscheidung zu treffen? Oder ist es nicht relevanter, auf die klinische Erfahrung zu vertrauen?

«Battle of Concepts»

Nach der Begrüssung durch die Präsidentin der Wissenschaftlichen Kommission der SSRD, Prof. Dr. Irena Sailer, und den SSRD-Präsidenten Dr. Fidel Ruggia traten am Freitag Vertreter aus den Schweizer Universitäten und aus Privatpraxen gegeneinander an, um – moderiert von Dr. Iris Kraljevic, Ex-Präsidentin SSRD 2.0 – ihre Behandlungskonzepte zu einem speziellen Patientenfall vor einem Expertengremium und dem Publikum zu präsentieren.

Thomas J. W. Gasser von der Uni Zürich startete in das Battle und stellte den zu diskutierenden ersten Fall vor. Im Anschluss erläuterten Dr. Foteini Spyraki und Dr. Juan Legaz von der Uni Genf sowie der Privatpraktiker Dr. Christian Ramel ihre Herangehensweisen. Nach einer kurzen Diskussionsrunde konnte das Publikum über Sli.do abstimmen, welches Behandlungskonzept sie für das beste hielten. Der Behandlungsvorschlag aus Genf fand dabei die grösste Zustimmung.

Nach der Kaffeepause, die sowohl zum Besuch der begleitenden Industrieausstellung als auch für Kollegengespräche genutzt wurde, präsentierte PD Dr. Goran Benic von der Uni Basel den zweiten Fall. Seinen Überlegungen, wie eine optimale Behandlung aussehen sollte, folgten die Lösungsvorschläge von Dr. Barbara Zeller, Dr. Anja Stalder und Dr. Ayse Mathey. Nach der Beantwortung von Publikumsfragen kam es auch hier zur Abstimmung, welches Konzept am überzeugendsten war. Der Sieg im 2. Battle ging nach Bern – an Dr. Stalder und Dr. Mathey.

Der erste Veranstaltungstag klang mit einem geselligen Get-together-Event aus.

Samstagssektion

Am Samstag gab es Expertenreferate aus allen Teilbereichen der Zahnmedizin und Zahntechnik. Sie sollten Hilfestellungen geben, wie in speziellen Fällen Entscheidungen getroffen und Patienten bestmöglich behandelt werden können. «Der fragliche Milchzahn» lautete das Thema des Vortrags von Prof. Dr. Carlalberta Verna (Basel). Dr. Hrvoje Jambrec (Genf) referierte anschliessend über den fraglichen Parozahn und Prof. Dr. Serge Bouillaguet (Genf) über den fraglichen Endozahn.

Trotz wohlverdientem Ruhestand war Dr. Konrad H. Meyenberg mit dem Vortrag «Die Lücke, die Fragen aufwirft» in Bern dabei.

«SSRD Research Award»

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen des Research Awards, an dem sich in diesem Jahr ausschliesslich Frauen beteiligten: Dr. Sabrina Maniewicz und Dr. Najla Chebib aus Genf («Effect of Manufacturing Methods on the Fit and Clinical Retention of Complete Denture Bases made from Conventional and Digital Impressions»), Dr. Malin Strasding aus Genf («Multicentric randomized controlled clinical trial of micro-veneered lithium-disilicate glass ceramic and zirconia crowns supported by titanium base abutments: 1-year outcomes») und Dr. Katrin Zumstein aus Zürich («Clinical performance of monolithic zirconia implant-supported crowns fixed on reduced-diameter implants in the posterior region: 3-year results of a randomized clinical trial»).

Der mit CHF 3'000 dotierte 1. Platz ging auch hier nach Genf, Dr. Maniewicz und Dr. Chebib erhielten von der Jury am Ende den 1. Preis zugesprochen.

Zweifelnde Professoren?

«Professoren haben nie Zweifel, oder?» Über die Berner Sicht reflektierte Prof. em. Dr. med. dent. Urs Brägger, bis Februar 2021 Klinikdirektor der Klinik für Rekonstruktive Zahnmedizin und Gerodontologie der ZMK Bern, und über die Zürcher Sicht Prof. Dr. med. dent. Christoph Hämmerle, Direktor der Klinik für Rekonstruktive Zahnmedizin der Uni Zürich.

Die 40. SSRD-Jahrestagung endete mit der Vorstellung der neue Fachzahnärzte SSRD 2020 & 2021, die von Prof. Dr. Nicola U. Zitzmann, Präsidentin Spezialisierungskommission der SSRD, vorgenommen wurde.

Auch Paul Klee sinnierte über Entscheidungsfindungen, wie anders sollte sein Satz «Ein Auge, welches sieht, das andere, welches fühlt» sonst zu interpretieren sein?

Mehr News aus Branchenmeldungen

ePaper