Branchenmeldungen 11.03.2026

Lachgas beim Zahnarzt: Entspannung für Patienten, Belastung fürs Klima



Wenn beim Zahnarzt Lachgas zum Einsatz kommt, sorgt das meist für entspannte Patienten. Für das Klima ist das Gas allerdings weniger erheiternd. Eine Studie aus Großbritannien zeigt nun, dass Sedierungen mit Lachgas durchaus eine messbare Klimabilanz haben.

Lachgas beim Zahnarzt: Entspannung für Patienten, Belastung fürs Klima

Foto: Peakstock – stock.adobe.com

Forschende des Eastman Dental Institute am University College London haben erstmals den CO₂-Fußabdruck von Lachgas-Sedierungen in der Zahnmedizin untersucht. Grundlage bildeten Daten aus 891 Sedierungen an 128 Standorten.1

Eine einzelne Behandlung verursacht laut den Autoren im Durchschnitt rund 28,6 Kilogramm CO₂-Äquivalente. Das entspricht ungefähr den Emissionen einer Autofahrt von gut 100 Kilometern. Der Grund liegt in den physikalischen Eigenschaften des Gases; Lachgas wirkt in der Atmosphäre als starkes Treibhausgas und besitzt ein rund 273-fach höheres Erwärmungspotenzial als Kohlendioxid.

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„Lachgas spielt eine wichtige Rolle in der zahnärztlichen Versorgung, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig ist es jedoch ein starkes Treibhausgas. Unsere Studie zeigt, dass seine Umweltwirkung zwischen den einzelnen Einrichtungen stark variiert – vor allem aufgrund unterschiedlicher Versorgungs- und Anwendungspraktiken“, erklärt Erstautorin Alexandra Lyne vom UCL Eastman Dental Institute.

Ein Blick auf den praktischen Einsatz zeigt zudem, wie stark die Emissionen variieren können. In der Analyse lag der CO₂-Fußabdruck einer Woche klinischer Lachgasverwendung je nach Einrichtung zwischen 38,9 und 1.849 Kilogramm CO₂-Äquivalenten. Die großen Unterschiede führen die Forschenden vor allem auf unterschiedliche Anwendungspraktiken zurück, etwa bei Gasflussraten, der Dauer der Sedierung oder der technischen Infrastruktur.

Auch die Art der Gasversorgung spielt offenbar eine Rolle: Einrichtungen mit zentralen Rohrleitungssystemen wiesen im Durchschnitt rund 30 Prozent höhere Verluste auf als Standorte, die mit Gasflaschen arbeiten. Insgesamt reichten die gemessenen Durchflussraten von 1 bis 13 Litern pro Minute, ohne dass ein klarer Zusammenhang mit dem Alter der Patientinnen und Patienten erkennbar gewesen wäre. Für die Autoren ist das ein Hinweis darauf, dass sich durch standardisierte Abläufe und einen bewussteren Umgang mit dem Gas ein Teil der Emissionen vermeiden ließe.

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„Unsere Analyse zeigt große Unterschiede darin, wie Lachgas verabreicht wird. Höhere Gasflussraten verbessern weder Behandlungserfolg noch Patientenerlebnis – erhöhen aber den Verbrauch und damit die Klimawirkung“, so Studienautor Prof. Paul Ashley.

1 Lyne, A., Ahmad, S. & Ashley, P. Reducing the environmental impact of nitrous oxide in dentistry: a national quality improvement project. Br Dent J 240, 102–106 (2026). https://doi.org/10.1038/s41415-025-9201-6

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