Branchenmeldungen 17.09.2010

Pharmaindustrie testet BMG-Arznei-Verordnung - Zahnärzte-Funktionäre fallen unten durch

Pharmaindustrie testet BMG-Arznei-Verordnung - Zahnärzte-Funktionäre fallen unten durch

Foto: © Shutterstock.com

Nichts könnte deutlicher die Ohnmacht der Zahnarztfunktionäre, hier von KZBV und von BZÄK verdeutlichen, als der Rösler-Entwurf aus dem BMG zum GKV-Finanzierungsgesetz (GKV-FinG). Rösler, viel umjubelt von KZBV und BZÄK-Bossen, ob seiner Ankündigungen die Budgetierung bei Zahnärzten sofort abzuschaffen, die Ost-BEMA-Honorierung dem Westen anzugleichen, die GOZ im Inhalt- und Honorarvolumen auf HOZ-Niveau zu bringen, die Zahnarzt-GKV-Einkommen nicht anzutasten und diese den Ärzten entsprechend nach oben anzupassen, hat nun im "GKV-FinG" und bei der GOZ-Novellierung nichts davon umgesetzt, ja alles ins Gegenteil verkehrt.

Rösler verpasst besonders den in öffentlichen Statements ob ihres allumfassenden Einflusses in der Politik strunzenden KZBV-Bossen eine schallende Ohrfeige nach der anderen. Die Budgetierung der Zahnarzt-Honorare wird im vorliegenden GKV-FinG nicht abgeschafft, sondern verschärft. Ja, die Individualprophylaxe wird nun auch Opfer der Budgetierung. Die zugesagte Ost-West-Anpassung wird halbiert, und parallel dazu, langfristig gesetzlich zementiert, das über 2013 hinaus. Damit sind die Zahnärzte im Osten die einzigen im Gesundheitswesen, die mit den Berlinern eine Honorardiskriminierung hinzunehmen haben. Welch eine Schande für die Zahnarzt-Funktionäre.

Statt mehr Geld und gerechte BEMA-Honorare ist die Punktwertsteigerung auf die halbe Grundlohnsummensteigerung gedeckelt. Also, immer weniger Geld für die Praxen, dafür plant die CDU-Finanzfraktion obendrauf für Zahnarzt- und Arztpraxen die Einführung der Gewerbesteuer.

Ein Versagen der KZBV-Funktionäre in allen Bereichen, was wenigstens zur Folge haben sollte, dass man dort Konsequenzen zieht: Abschaffung wenigstens eines der drei KZBV-Vorstandspostens und Reduktion der Polit-Lobby-Abteilung im KZBV-Headquarter in Berlin: Da ließen sich mehr als eine Million Euro einsparen, die Zwangsbeiträge für Zahnärzte könnten reduziert werden.

Was Lobbyarbeit und Einfluss daraus heißt, beweisen Tag für Tag die PKVen und die Pharmaindustrie. Die PKVen haben das HOZ-GOZ-Vorhaben der BZÄK mit Rösler sofort auf BEMA-GOZ-Niveau reduziert und bekommen auch Einzelvertragsrechte mit Praxen. Die Pharmaindustrie hat Rösler-Beamten gleich den neuen Verordnungsentwurf im BMG zur Arzneimittelprüfung per e-mail vorgetextet. Sie wird durchsetzen, dass künftig die wissenschaftliche Bewertung neuer Arzneimittel vor allem nach dem Kriterium "welche neue Pille bringt dem Hersteller den größten Nutzen" vorgenommen werden wird. Das nenn ich Lobbyarbeit mit Sinn, unerreichbar für KZBV-Bosse, dennoch alles Gute, trotz dieser Standesvertretung,

toi, toi, toi
Ihr J. Pischel

15.09.2010


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