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Branchenmeldungen 27.05.2020

Prophy trotz Corona – so klappt der (Wieder-)Einstieg

Sabine Kittel
Sabine Kittel
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Prophy trotz Corona – so klappt der (Wieder-)Einstieg

Es ist messbar: Langsam, aber sicher nimmt die Patientenzahl in den Zahnarztpraxen wieder zu – endlich! Doch ausgerechnet in puncto Prophylaxe herrscht häufig noch Zurückhaltung. Allzu oft wird Corona sogar als Vorwand genannt, das Recall auszusetzen. Dabei sollte der Wunsch, endlich wieder zur Prophylaxe gehen zu können mindestens so groß und selbstverständlich sein, wie der heiß ersehnte Besuch beim Friseur, oder?

Jetzt zeigt sich, wer schon vor Corona seinen Patienten die medizinische Notwendigkeit einer regelmäßig durchgeführten und risikoorientierten Prophylaxe erfolgreich vermittelt hat. Diese Patienten kommen verlässlich oder bemühen sich sogar selbst um einen Prophy-Termin.

Die große Chance für jene Praxen, deren Prophylaxe bislang noch nicht ganz „rund“ lief, besteht aktuell darin, das bisherige Konzept noch mal grundlegend zu überdenken, um künftig alle Patienten langfristig und sicher für die Prävention gewinnen zu können. Denn nur so werden sich eine planbare Auslastung und höhere Gewinne für die Prophy-Abteilung generieren lassen.

Ansprüche zu Zeiten von Corona

Besonderes Augenmerk und genaues Zuhören sind nun wichtig, um den Patienten Sicherheit bei der Behandlung und das Vertrauen in die medizinische Notwendigkeit der Prophylaxemaßnahmen erfolgreich zu vermitteln.

Für euch als zahnärztliches Praxisteam heißt das:

• Sicherheit im Team gewährleisten

Offener Umgang mit den Themen „persönlicher Schutz und Schutz für die Patienten“, sowie die jeweilige individuelle Risikoeinschätzung

• Vertrauensvolle und klare Kommunikation

Etwaige Unsicherheiten und Ängste erkennen und mit dem Team sowie in Einzelgesprächen besprechen

• Gemeinsame Vorkehrungen besprechen und umsetzen

Wer macht was, wann, wie oft? Das beinhaltet beispielsweise, ab sofort die Türklinken der Behandlungsräume, des Wartebereichs und der Patiententoilette im 30-Minuten-Takt zu desinfizieren, aber auch regelmäßig Übungen zur korrekten Händehygiene durchzuführen

• Aufklärung der Patienten

Angstnehmend und motivierend informieren über die aktuellen Corona-Maßnahmen in der Praxis – bei der Kontaktaufnahme am Telefon, per Videoberatung und auf der Homepage • Direkter Draht zum Patienten Der persönliche Anruf durch die jeweilige Prophylaxe-Mitarbeiterin zur Wiedereinbestellung kommt in der Regel sehr gut an und erhöht die Chance um ein Vielfaches, dass die Person den vorgeschlagenen Termin auch wahrnimmt.

Für die Prophylaxebehandlung findet ihr nachfolgend eine Checkliste, die euch in Kürze einen Überblick gibt, welche Maßnahmen besonders wichtig sind.

Patientenmanagement

• Allgemeine Anamnese und Patientenfragebogen zu COVID-19 erheben, einstufen und ggf. den Vorgaben der LZK folgen.

• Terminvergabe so gestalten, dass der Patient keine Wartezeit hat. Eine Möglichkeit ist z. B. auch die Vereinbarung, dass der Patient informiert wird, wann er die Praxis betreten kann und ggf. später von zu Hause oder seiner Arbeitsstelle losgeht.

• Abstand wahren an der Rezeption, im Wartebereich, im Behandlungszimmer.

• Nach dem Eintreten in die Praxis die Hände waschen und desinfizieren.

• Getränke, Zeitungen, Info-Broschüren entfernen.

Behandlungsmanagement

• Standard-Arbeitsschutz (Brille mit Seitenschutz, FFP2-Maske, Haube, Schutzschild, Handschuhe, Schutzkleidung) in puncto Hygienemaßnahmen strikt befolgen.

• Gemeinsame Übungen zum korrekten An- und Ablegen der Schutzausrüstung.

• Konsequente Händehygiene im Team üben. Beginn jedes Arbeitstages mit Händewaschen und Desinfektion.

• Keimzahlreduzierung in der Mundhöhle: Zusätzlich zur Chlorhexidin-Spülung (0,2 %, 1 Min.) mit Wasserstoffperoxid (H2O2) ab einer Konzentration von 0,5 % spülen und gurgeln lassen1,2. Es wird davon ausgegangen, dass Viren durch H2O2 effizient abgetötet werden können.

• Ein weiterer bekannter Wirkstoff ist CPC, der in Verbindung mit H2O2 bei Viren wirksam sein soll. Eine entsprechende Mundspüllösung gibt es neu auf dem Markt.

• Bei Verwendung von aerosolbildenden Verfahren, wie Pulver-Wasser-Strahlanwendung und beim Ausspülen mit Wasser-Luft-Gemisch mit Doppelabsaugung arbeiten:

  • bei 4-Hand-Methode (mit Assistenz), großes Saugrohr
  • bei 2-Hand-Methode (ohne Assistenz) großes Saugrohr und zusätzlicher Speichelsauger mithilfe eines Lippen-Wangen-Halters.
  • Wichtig: die Saugleistung sollte bei 300 L/min. liegen.

• Kofferdam anlegen.

• Arbeitsabstand zum Patienten erhöhen, im Sinne von aufrechter Haltung beim Instrumentieren.

• Sitzposition auf 12 Uhr möglichst vermeiden. Besser in 9 Uhr- oder 15 Uhr-Position arbeiten.

Behandlungszimmer-Hygienemanagement

• Mindestens 5 Minuten lang nach jedem Patienten lüften. Wo es möglich ist, auch während der Behandlung mit z. B. Schall/Ultraschallinstrumenten bei geöffnetem Fenster arbeiten.3

• Klimaanlagen überprüfen:

  • zur Sicherstellung der einwandfreien Funktion durch Servicetechniker
  • ggf. Filter austauschen, Desinfektion der Anlage.

Fazit

Ich denke uns ist allen klar, dass es keine Zeit nach, sondern nur mit COVID-19 geben wird. Aus diesem Grund ist es wichtig, die bereits vorhandenen Schutzmaßnahmen weiterhin konsequent anzuwenden: Ruhe bewahren, sich nur auf harte Fakten stützen und sich regelmäßig z.B. zu den Themen Hygiene, Arbeitssystematik und Anwendungstechniken fortbilden. So wird es uns gelingen, dass wir auch mit COVID-19 sicher leben und arbeiten sowie gleichzeitig für unsere Patienten ein vertrauensvoller Partner in dieser Krisensituation sind.

Die vollständige Literaturliste gibt es hier.

Dieser Beitrag ist in Zahnärztliche Assistenz erschienen.

Foto: Vadym Stock - Shutterstock.com

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