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Branchenmeldungen 17.10.2016

1.500 Teilnehmer beim 57. Bayerischen Zahnärztetag

Der Zahnärztetag unter dem Titel „Zahnerhalt statt Zahnersatz – Restauration versus Reparatur“ fand  vom 20. bis 22. Oktober 2016 im Westin Grand München statt.
 
Die Teilnehmer des 57. Bayerischen Zahnärztetages erhielten ein praxisorientiertes Update zur restaurativen Zahnheilkunde. Der zentrale Fortbildungskongress der bayerischen Zahnärzte fand vom 20. bis 22. Oktober 2016 in München statt. Veranstalter waren die Bayerische Landeszahnärztekammer (BLZK) und die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns (KZVB). Als Kooperationspartner für das wissenschaftliche Programm konnte die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) gewonnen werden.
 
Der 57. Bayerische Zahnärztetag stand unter dem Leitmotto „Zahnerhalt statt Zahnersatz – Restauration versus Reparatur“. Die Referenten widmeten sich den unterschiedlichen Facetten der restaurativen Zahnheilkunde: Sie untersuchten das Spannungsfeld zwischen Restauration und Reparatur, beleuchteten das Thema im Kontext von Parodontologie, Kariestherapie, Endodontie, Chirurgie und Zahnersatz, diskutierten das Für und Wider neuer Ansätze, Werkstoffe und Verfahren. Vertragszahnärztliche Fragestellungen rundeten das Spektrum ab.
 

Reparaturen und adhäsive Anwendungen

Die Experten vermittelten den Teilnehmern Neues aus Wissenschaft und Praxis. Den Auftakt gestaltete Prof. Dr. Reinhard Hickel, München, mit seinem Vortrag „Entscheidungsfindung: Wann Restaurationen reparieren und wann erneuern?“ Wurden defekte Restaurationen früher meist vollständig ausgetauscht, zeigt sich heute, dass Zahnhartsubstanz und Pulpa mithilfe von Reparaturen besser geschont werden können.
 
Wie sich mit direkten Kompositfüllungen höchste Ansprüche erfüllen lassen, erläuterte Prof. Dr. Roland Frankenberger, Marburg, unter dem Thema „Bulk-Fill-Restaurationen – top oder Flop?“. Er stellte neue Möglichkeiten vor und gab einen Überblick zu praxisrelevanten Fragen bei der Adhäsiv- und Schichttechnik mit unterschiedlichen Kompositen.
 
„Neue Adhäsive – neue Möglichkeiten?“ lautete die Fragestellung bei Prof. Dr. Bernd Haller, Ulm. Dabei lag ein besonderes Augenmerk auf den Universaladhäsiven. Haller analysierte die Stärken und Schwächen der einzelnen Adhäsivtypen und gab Unterstützung bei der kompetenten Materialauswahl in der täglichen Praxis.

Ästhetik und neue Materialien

„Okklusale Rehabilitation mit Komposit“ lautete der Vortrag von Prof. Dr. Thomas Attin, Zürich. Er stellte Konzepte zur Realisierung einer neuen Bisslage im Seiten- und zur Verbesserung der ästhetischen Situation im Frontzahnbereich dar. Dabei stand die Herangehensweise mit Kompositrestaurationen in direkter Adhäsivtechnik im Mittelpunkt. Ein weiteres Referat vertieft die ästhetischen Aspekte. Prof. Dr. Bernd Klaiber, Würzburg, zeigte am Samstag, wie sich bei Zahnumformungen im Frontzahnbereich mit speziellen Kompositen ansprechende Ergebnisse erreichen lassen. Diese können einem Vergleich mit einer gelungenen laborgefertigten Restauration durchaus standhalten.
 
Heute existiert ein kaum überschaubares Spektrum an Materialien, in dem sich selbst Experten schwer zurechtfinden. Prof. Dr. Daniel Edelhoff, München, informierte zu neuen Keramiken und Hybridwerkstoffen und gibt eine Übersicht zu aktuellen zahnfarbenen CAD/CAM-Materialien, Indikationsbereichen und geeigneten Befestigungsmethoden.
 

Zahnerhaltung, Kariestherapie, Endodontie

Prof. Dr. Dr. Hans Jörg Staehle, Heidelberg, sprach über den Versorgungsbereich zwischen Premium- und Billigprodukten. Unter dem Thema „Mehr Zahnerhaltung – Problemlösungen in der restaurativen Zahnheilkunde“ erläutert er konkrete Beispiele. Das Wissen, dass der kariöse Prozess lange vor der Kavitation startet, stellt neue Anforderungen an Diagnostik und Therapie. In seinem Vortrag „Kariesdiagnostik und therapeutische Entscheidungsfindung“ präsentierte Prof. Dr. Rainer Haak, Leipzig, verschiedene Verfahren und bewertete sie kritisch.
 
Den zweiten Kongresstag startete Prof. Dr. Michael J. Noack, Köln, mit seinem Beitrag zu minimalinvasiver Kariestherapie. Durch schonende Verfahren werden auch die Prognose für Pulpaerkrankungen sowie der Zeitaufwand für „unangenehmes Bohren“ spürbar reduziert. Dr. Bijan Vahedi, M.Sc., Augsburg, referierte über „Postendodontische Restaurationen“. Er diskutierte die sinnvollen Restaurationsmöglichkeiten in Abhängigkeit von der noch vorhandenen Zahnhartsubstanz.
 

Parodontologie und Prophylaxe

Zahnärzte und Patienten wünschen sich für eine fundierte Planung zuverlässige Aussagen zum Langzeiterhalt parodontal geschädigter Zähne. Priv.-Doz. Dr. Bernadette Pretzl, Heidelberg, gab einen Überblick über wissenschaftliche Daten und Möglichkeiten des Zahnerhalts mittels Parodontitistherapie.
 
„Prophylaxe in der Zahnheilkunde“ hieß der Beitrag von Prof. Dr. Christoph Benz, München. Er demonstrierte, dass Prävention heute nicht mehr nur ein „Add-on“ zur restaurativen Zahnmedizin ist, sondern vielmehr deren neuer Kernbereich. Die Ergebnisse der aktuellen Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) unterstreichen dies.
 

Qualitätsförderung, Abrechnung, Chirurgie

Die KZVB gestaltete den vertragszahnärztlichen Teil des Bayerischen Zahnärztetages. Der erste Kongresstag widmete sich Qualitätsförderung und Abrechnung. Im Vortrag „Kein Grund zur Panik – Förderung der Qualität durch die KZVB“ erklärte Nikolai Schediwy, München, worum es bei den Neuregelungen zum Qualitätsmanagement geht.

Dr. Cornelius Haffner, München, warf die Frage auf, ob die GKV-Endo noch zeitgemäß ist. Zwar bieten neue, sehr aufwendige Konzepte bei der Behandlung des Wurzelkanals viele Vorteile – angesichts der Endo-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) bleibt jedoch die Frage, wie bei gesetzlich Versicherten zu verfahren ist.
 
Am zweiten Kongresstag ging es im vertragszahnärztlichen Teil um Komposite. Wann ist ein Kompositaufbau die bessere Wahl, angesichts dessen, dass Komposite heute eine interessante Alternative zur Versorgung mit keramischen Teilkronen oder Veneers gerade im Frontzahnbereich sind? Dr. Axel Wiedenmann, Nürnberg, stellte Vor- und Nachteile anhand von Fallbeispielen heraus.
 
Ein chirurgisches Thema rundete das Spektrum des 57. Bayerischen Zahnärztetages ab. Prof. Dr. Dr. Mark Farmand, Nürnberg, zeigte in seinem Vortrag „Chirurgischer Zahnerhalt“ die „intentionelle Replantation“ als Versuch der Erhaltung eines Molars. Nach vorsichtiger Extraktion wird er extraoral wurzelbehandelt und wieder eingesetzt. Zudem ging Farmand auf die parodontalchirurgische Behandlung einer tiefen Tasche mit verschiedenen Aufbaumaterialien ein.

Wissen erhalten – Praxis gestalten: Kongress Zahnärztliches Personal

Die Aufforderung „Wissen erhalten –Praxis gestalten“ stand beim ebenfalls zweitägigen, parallel stattfindenden Programm für das zahnärztliche Personal im Fokus. Eröffnet wurde das abwechslungsreiche Programm von Sabine Deutsch, Wendelstein, mit einem Vortrag über die häufig zu spät erkannte Volkskrankheit Parodontitis. Deutsch zeigte Möglichkeiten auf, um einen parodontalen Behandlungserfolg über Jahre zu sichern. Zudem arbeitete sie die Unterschiede zwischen einer PZR-Sitzung und einer unterstützenden Parodontitistherapie (UPT) heraus.
 
Im Anschluss sprach Dr. Peter Klotz, Germering, über die Schienentherapie bei der Behandlung von parodontal erkrankten Patienten. Darüber hinaus erläuterte er die Abrechnungsmodalitäten in der gesetzlichen Krankenversicherung.
 

Herausforderungen wirkungsvoll begegnen

Mit der Frage, ob Souveränität erlernbar ist, beschäftigte sich Christine Rieder, Starnberg. Sie charakterisierte unterschiedliche Persönlichkeitstypen und analysierte das Prinzip von Ursache und Wirkung im Umgang mit „schwierigen“ Patienten.
 
Tipps für das „Überzeugen mit Körpersprache und Stimme“ gab Lisa Dreischer, Essen. Entscheidet immer der erste Eindruck? Können wir in unserem Gegenüber lesen wie in einem offenen Buch? Was verraten Mimik und Gestik? Auf diese Fragen fand die Referentin Antworten und motivierte zu positivem Denken im Alltag.
 
Zunehmende visuelle Belastung – etwa bei intensiver Bildschirmarbeit oder einer Tätigkeit im extremen Nahbereich – kann auch gesunde Augen übermäßig beanspruchen und zu heftigen Beschwerden führen. Alexandra Römer, Bremen, präsentierte Trainingsmöglichkeiten, die die Sehkraft erhalten und sogar verbessern können.

Praxistipps von Schmerzlinderung bis hin zu Abrechnungsfragen

Patienten mit freiliegenden Zahnhälsen verzichten häufig auf Heißes und Kaltes sowie auf Süßes und Saures, um blitzartige Schmerzen zu vermeiden. Unternehmen aus der Dentalbranche bieten ständig neue Produkte zur Schmerzlinderung an. Dr. Peter Wöhrl, München, setzte vor allem auf fundierte Lösungsmöglichkeiten und Therapiekonzepte.
 
Mit der Abrechnung von ästhetischen Leistungen im Grenzbereich befasste sich Irmgard Marischler, Bogen. Anhand von Fallbeispielen zeigte sie, wie schwierig die Abgrenzung zwischen medizinischer Notwendigkeit und der Erwartungshaltung der Patienten oft ist. Gleichermaßen kompliziert kann sich die Liquidation endodontischer Leistungen gestalten. Dr. Peter Klotz stellte die jeweiligen Leistungsbeschreibungen und Abrechnungspositionen vor.
 

Urkunden für Engagement

Eine feste Größe beim Bayerischen Zahnärztetag ist die Urkundenverleihung an erfolgreiche Absolventen der Aufstiegsfortbildungen Zahnmedizinische/-r Prophylaxeassistent/-in (ZMP) und Dentalhygieniker/-in (DH). Bereits zum fünften Mal wurden der Meisterbonus und der Meisterpreis vergeben, mit denen die Bayerische Staatsregierung erfolgreiches Engagement in der beruflichen Weiterbildung honoriert.

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