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Branchenmeldungen 28.02.2011

Traditioneller Jahresrückblick im Kaufleuten Zürich

Traditioneller Jahresrückblick im Kaufleuten Zürich

Lag es an der Kälte, lag es an einer Fortbildungsmüdigkeit, dass Dr. Andreas Grimm etwas weniger Teilnehmer begrüssen durfte? An den Referenten und den Themen kann es nicht gelegen haben. Astra Tech Dental CEO Peter Selley aus Mölndal (Schweden), SSO-Präsident Dr. Francois Keller, Dr. Fidel Ruggia, PD Dr. Roland Jung, Dr. Gary Unterbrink und Dr. Ueli Grunder mit einem furiosen Schlussspurt vor dem Apéro sorgten für einen informativen und unterhaltsamen Abend.

Etwa 150 Gäste erwarteten Auftritt von Peter Selley, President & CEO von Astra Tech. Das Unternehmen, eine Tochter des Pharmariesen AstraZeneca gliedert sich in Dental und Health Care mit über 2‘200 Mitarbeitern in über 35 Ländern, davon 1‘000 in der Dentalsparte. Der 1985 wurde das erste Implantat-System eingeführt. 1990 entwickelte ein Team der Universität Oslo die erste chemisch veränderten Oberfläche, OsseoSpeed, die am EAO 2004 eingeführt worden ist. 2006 kam mit Facilitate die Computer gestützte Implantat Therapie dazu und im Jahr darauf mit Atlantis ein neues CAD/CAM System mit dem sich patientenspezifische Abutments für die wichtigsten Implantat Systeme herstellen lassen. AstraTech steht für präklinische und klinische Forschung sowie für biologisches, biomechanisches und biochemisches Wissen.

Einen Exkurs in die Rekonstruktive Zahnmedizin bot Dr. Fidel Ruggia. Abnehmbare Prothetik: Bikini-, String-, oder Stringless Design? Schritt für Schritt werden die Klammer-Konstruktionen „unsichtbarer“. Welches Klammerdesign man auch wählt, wichtig ist, dass der Patient den Interdentalraum gut putzen kann.

Was bietet die SSO jungen Zahnärzten?

Was bringt die SSO Mitgliedschaft für die Zukunft? Zur Beantwortung dieser Frage kam SSO-Präsident François Keller nach Zürich. Zunächst entwickelte er das Bild des Schweizer Modells: Zahnarzt und Patient entscheiden selber über die Art der Behandlung und Vergütung. Dieses Modell gelte es zu bewahren, damit die Zahnärzte nicht eines Tages zu „Staatstechnikern“ mutierten.

Mit den Kernthemen „Zahnmedizin in der Schweiz, Wandel des europäischen Umfelds und den Herausforderungen für die Zahnpraxis“ näherte sich Keller den Fragen, die das Publikum interessieren. Hört man sich bei Zahnärzten um, sind es die Folgen der bilateralen Verträge, die vor allem in den Ballungsräumen „Zahnweh“ verursachen. Laut Keller wurden bisher 2‘518 ausländische Diplome anerkannt. Dies führte unter anderem zu einer Verdoppelung der Praxiseröffnungen. Gleichzeitig bildet die Schweiz aber immer weniger Zahnärzte aus: Waren es 1990 noch 132 Absolventen, waren es 2010 nur noch 99. Im gleichen Zeitraum stieg der Frauenanteil von 19 auf über 55 Prozent. Wie wird sich das auf die Praxen auswirken? Die Bevölkerung nimmt zu, die Alterszahnmedizin gewinnt an Bedeutung und das Bewusstsein über den Wert gesunder und schöner Zähne wächst. Gute Bedingungen für Praxen, die sich zahnmedizinisch und betriebswirtschaftlich im Markt positionieren.

Bedrohen Zahnarztzentren oder der Dentaltourismus die klassische Praxis? Die Zahlen sprechen dagegen. 20 Prozent haben sich schon einmal in einem Zentrum behandeln lassen, nicht aus zahnmedizinischen- sondern aus Gründen wie: 24-Stunden Notfalldienst, keine Voranmeldung oder günstige Behandlung. Empfehlung oder Zufriedenheit stehen am Ende der Skala.

Ähnlich steht es mit dem Dentaltourismus: ungefähr 20 Prozent kehren ihrem Zahnarzt den Rücken, hier spielt der Preis. Dazu gehören auch hier lebende Ausländer, die ihrem Heimatzahnarzt treu bleiben. Sie sind eigentlich keine „Dentaltouristen“. Dritter Grund sind Notfälle.

Damit war die eingangs gestellte Frage nicht beantwortet. Dr. Andreas Grimm sprach hier im Namen junger Zahnärzte, die sich mit einer SSO-Mitgliedschaft beschäftigen und fragen: was bekomme ich für mein Geld? François Keller konnte auf die, nach SSO-Bekunden, erfolgreiche Profilierungskampagne verweisen, in die über 1 Million Franken investiert worden ist. Dann das Argument „Einigkeit macht stark“ mit einem leichten Seitenhieb auf die FMH, wo sich Spezialisten und Hausärzte durch die Politik auseinander dividieren liessen.
Hier hätte ein Gedankenaustausch beginnen können, doch leider fehlte die Zeit dazu.

PD Dr. Ronald Jung geniesst das Kaufleuten. Er gestaltete seinen Vortrag wirklich als Jahresrückblick: Da waren 40 Jahre Ronald Jung und 10 Jahre Zusammenarbeit mit Prof. Hämmerle. Drei Themen standen im Vordergrund: Gelförmige GBR Membranen, Digitalisierung und Weichgewebe aus der Packung? Entlang der beiden Fragen: Wie viel keratinisierte Mukosa (Qualität) brauchen wir? Die Antwort: Eine minimale Breite von 2 – 4 Millimetern scheint ausreichend. Und wie dick (Quantität) sollte die Mukosa sein? Um eine Weichgewebeverfärbung zu vermeiden, scheinen mind. 2 Millimetern erforderlich zu sein.

Jung skizzierte die Zukunft der Ersatzmaterialien: Allogene dermale Materialien sind am Markt, die 2-D Kollagen Matrix wird 2011 kommen und die 3-D Kollagen Matrix braucht noch Zeit.

10 Jahre NTI-tss in der Schweiz: Dr. Gary Unterbrink zeigte er, wie mit NTI-Schienen Patienten nach jahrelangen Problemen erfolgreich therapieren konnte. Dr. Ueli Grunder setzte zum furiosen Schlussspurt an: „Ästhetische Frontzahnrekonstruktionen in der Implantologie – 3 Techniken für voraussagbare Ergebnisse“. Mittels Videos zeigte er die Kriterien nach denen er Fälle für die verschiedenen Techniken selektiert und behandelt. Die Risikoabwägung bei ästhetisch heiklen Patienten am steht dabei am Anfang jeder Intervention.

Wort & Bild: Johannes Eschmann

Foto: © Johannes Eschmann

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