Branchenmeldungen 15.04.2026
„Weg vom reinen Handwerker, hin zum digital vernetzten Spezialisten“
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Zusätzlich zu den bisherigen Fähigkeiten des Zahntechnikers und seinem fundierten Know-how werden zunehmend hohe digitale Kompetenzen erwartet. Wie sollte sich das Dentallabor auf die Themen Digitalisierung und Vernetzung sowie die daraus resultierenden Herausforderungen einstellen?
Die Digitalisierung und Vernetzung verändern die Zahntechnik grundlegend. Dentallabore müssen sich strategisch darauf einstellen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und effizienter zu arbeiten. Dabei stellen sich viele Fragen:
- In welche Technologien sollte investiert werden, und welche sind für den eigenen Betrieb wirklich sinnvoll?
- Sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausreichend geschult, und wie häufig sind Weiterbildungen notwendig?
- Welche Anforderungen stellt die Vernetzung an das Labor und seine Partner?
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die optimale Nutzung neuer Technologien: Können innovative Materialien damit verarbeitet oder bestehende analoge Prozesse völlig neu gedacht werden? Und nicht zuletzt spielt die Wirtschaftlichkeit eine entscheidende Rolle – denn nicht alles, was technisch möglich ist, ist auch für jedes Labor sinnvoll.
Nicht nur Einzelzahnrestaurationen, sondern auch mehrgliedrige Versorgungen werden zunehmend chairside in der Zahnarztpraxis gefertigt. Wie verändert sich dadurch die Auftragslage für Dentallabore?
Einerseits werden größere Versorgungen vermehrt in Praxislaboren hergestellt. Andererseits hat die neue Approbationsordnung diesen Trend für neue Absolventen verändert. Komplexe und ästhetisch anspruchsvolle festsitzende Restaurationen sowie herausnehmbare Arbeiten werden jedoch weiterhin das Kerngeschäft gewerblicher Labore bleiben. Zusätzlich wird die Nachfrage nach beratenden Dienstleistungen zunehmen, da sich die Rolle des Dentallabors zunehmend vom reinen Hersteller hin zum Servicepartner wandelt. In unserem Labor haben wir bereits festgestellt, dass Studierende aus der Zahnmedizin unsere Unterstützung und Expertise sehr schätzen. Künftig wird noch deutlicher werden, dass die Kernkompetenz in der Herstellung von Zahnersatz im Dentallabor liegt. Hier gilt es, diese Rolle perfekt auszufüllen und durch fundiertes Wissen und handwerkliches Geschick zu überzeugen.
Bereits heute helfen digitale dentale Technologien dabei, Zeit zu sparen, die Produktion im Dentallabor wirtschaftlicher zu gestalten und trotz Fachkräftemangel den Arbeitsalltag zu bewältigen. Sehen Sie trotz aller Vorteile auch Risiken in der rasanten Entwicklung?
Eigentlich nicht – die Digitalisierung bringt vor allem positive Entwicklungen für das Berufsfeld mit sich. Die größte Herausforderung besteht darin, mit der schnellen Entwicklung Schritt zu halten und zu erkennen, welche Technologien langfristig relevant sind und welche nur vorübergehende Trends darstellen.
Digitale Prozesse ersetzen bereits in vielen, aber eben nicht in allen Bereichen analoge Schritte. Welche Limitierungen werden Ihrer Meinung nach als nächstes hinfällig?
Eine spannende Frage. Angesichts der Fortschritte in der additiven Fertigung werden wir künftig auch die Individualität stärker in digitale Prozesse integrieren können. Das bedeutet, dass nicht nur standardisierte Multi-Rohlinge verwendet werden, sondern auch individuelle Schichtungen digital geplant und umgesetzt werden können. Dadurch wird eine noch präzisere und patientenindividuellere Fertigung möglich.
Zahnärzte und Patienten schließen zunehmend von der Optik und Ausstattung von Dentallaboren auf die dort geleistete Arbeit. Zudem achten potenzielle Bewerber vermehrt auf die Atmosphäre am zukünftigen Arbeitsplatz. Was sollten Laborinhaber in puncto Ambiente beachten?
Ob stylisch und clean, im charmanten Altbau oder funktional und effizient – entscheidend ist, dass die Räumlichkeiten zum Gesamtkonzept des Labors passen und eine strategisch durchdachte Gestaltung aufweisen. Effizient gestaltete Arbeitsbereiche erleichtern den Alltag und erhöhen die Zufriedenheit der Mitarbeitenden. Sauberkeit und eine einladende Atmosphäre hinterlassen zudem einen positiven Eindruck bei Kunden und Bewerbern.
Stichwort Mitarbeitergewinnung und -bindung in Zeiten des Fachkräftemangels – was raten Sie Laborinhabern konkret?
Es gibt kein universelles Erfolgsrezept, da die Strukturen und Konzepte der Betriebe sehr unterschiedlich sind. Allerdings gibt es bewährte Ansätze: Die größte Herausforderung besteht meiner Ansicht nach darin, potenzielle Kandidaten in den Betrieb zu holen. Ein professioneller Auftritt und ein starkes Netzwerk sind hierbei essenziell. Wenn ein Bewerber den Betrieb betritt, sollte das Unternehmenskonzept klar kommuniziert werden. Es wird immer wichtiger, dass sich Mitarbeitende mit ihrer Arbeitsstätte identifizieren oder zumindest eine Werteübereinstimmung empfinden.
In puncto Mitarbeiterbindung ist eine offene und wertschätzende Kommunikation der Schlüssel. In unserem Betrieb erhält jede neue Mitarbeiterin und jeder neue Mitarbeiter bei Vertragsunterzeichnung einen leeren Zettel und einen Stift. Sie werden gebeten, ihre Wünsche und Anforderungen für einen erfolgreichen Start aufzuschreiben und diese spätestens 14 Tage vor Arbeitsbeginn abzugeben. Die Ergebnisse sind oft überraschend und bieten wertvolle Einblicke in individuelle Bedürfnisse.
Veränderte Mitarbeiterwünsche erfordern ein agiles Management seitens der Laborinhaber. Wie sollten sich Labore aufstellen, um langfristig am Markt bestehen zu können?
Dentallabore müssen flexibel auf veränderte Mitarbeiterwünsche reagieren, um als attraktive Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Moderne Technologien, kontinuierliche Weiterbildung und eine mitarbeiterfreundliche Unternehmenskultur sind dabei entscheidende Faktoren.Am wichtigsten ist jedoch, dass die Angestellten als souveräne Persönlichkeiten wahrgenommen werden – mit ihren individuellen Kompetenzen, Stärken, Wünschen und Bedürfnissen. Nur wenn es gelingt, diese zu erkennen und zu erfüllen, entsteht eine Arbeitsatmosphäre, in der Mitarbeitende ihr maximales Potenzial entfalten können.
Künstliche Intelligenz befindet sich auf dem Vormarsch. Welche Herausforderungen sehen Sie konkret für den Beruf des Zahntechnikers?
Die theoretische analoge Ausbildung bleibt auch mit zunehmender KI-Nutzung essenziell, insbesondere für die Kontrolle und Korrektur von Arbeitsergebnissen. KI wird jedoch eine wertvolle Unterstützung sein, um das komplexe Berufsbild des Zahntechnikers effizienter zu gestalten. Wichtig ist es, die richtige Balance zu finden und weiterhin das handwerkliche Geschick mit digitalen Kompetenzen zu verbinden.
Wie könnte die Arbeit im Dentallabor in fünf Jahren Ihrer Meinung nach aussehen?
Durch den zunehmenden Einsatz digitaler Technologien wird der Arbeitsalltag in Dentallaboren effizienter und flexibler. Die Rolle des Zahntechnikers wird sich weiterentwickeln – weg vom reinen Handwerker hin zum digital vernetzten Spezialisten, der kreative Lösungen entwickelt und beratend tätig ist. Parallel dazu wird die Bedeutung zwischenmenschlicher Kompetenzen steigen, da enge Kooperationen mit Zahnärzten und die Beratung von Patienten immer wichtiger werden.
Vielen Dank für das interessante Gespräch!
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