Branchenmeldungen 18.08.2013

Wie verhalten nach einer Hundebissverletzung?

Wie verhalten nach einer Hundebissverletzung?

Foto: © sinuswelle - Fotolia.com

Einer damals 5-jährigen Patientin wurde vom Hund des Nachbarn der rechte Skalp und Teile des rechten Gesichts abgebissen. Der Skalp konnte sofort mikrochirurgisch replantiert werden, dann folgten mehrere aufwendige Rekonstruktions-OPs mit ästhetisch anspruchsvollem Ergebnis bis zum 8. Lebensjahr. Die nunmehr 23jährige Patientin berichtete auf der Jahrespressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) am 23.05.2013 in Essen über ihre Geschichte.

Bis zu 50.000 Deutsche werden pro Jahr nach Hundebissen medizinisch versorgt. Oftmals sind es Kleinkinder, die vom Hund der eigenen Familie oder anderen vertrauten Hunden urplötzlich in Finger, Lippen und Wangen gebissen werden, weil sie mitunter einfach das Knurren des Hundes überhörten oder ignorierten.

Die damals 5-jährige Patientin wurde nach einer Bissattacke des Nachbarhundes einen Tag vor Heiligabend in die Essener Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie eingeliefert. Das kleine Mädchen hatte vital bedrohliche Verletzungen mit Abbiss einer 10 x 5 cm großen Kopfschwartenregion und schwersten Bissverletzungen der rechten Gesichtsweichteile.

Prof. Dr. Dr. Christopher Mohr und sein Team versorgten die Patientin notfallmäßig noch in derselben Nacht: Der abgebissene Skalp wurde replantiert, das heißt mikrochirurgisch an die Blutgefäße des Kopfes angeschlossen, so dass die Blutversorgung des devitalen Gewebes wieder aufgenommen werden konnte. Mediziner sprechen bei diesem aufwändigen Verfahren von „mikrochirurgischer Reanastomosierung“.

Zeitgleich erfolgte die ausgedehnte Weichteilversorgung im Gesichtsbereich mit plastischem Wundverschluss und sorgfältiger Entfernung des abgestorbenen Gewebes. Im Intervall wurde das Mädchen 3 Jahre später erneut operiert, um plastische Rekonstruktionen vorzunehmen. Dabei wurde unter anderem eine aufwendige Verkleinerung des haarlosen Areals und Narbenkorrekturen durchgeführt.

 

Wichtig: Erste-Hilfe-Management beim Tier- /Hundebiss

Tierbisse sind meist äußerst schwerwiegende und vital bedrohliche Verletzungen: Wegen der hoch-pathogenen (= krankmachenden) Keimflora im Mundraum eines Tieres kommt es oft zu schweren Weichteilinfektionen. Die kleine Patientin hatte daher erstaunliches Glück, dass aufgrund der Komplexität die mikrochirurgische Replantation zu einem perfekten Ergebnis geführt hat.

Für eine bestmögliche Versorgung mit medizinisch und ästhetisch gelungenem Ergebnis ist es unter anderem wichtig, dass das Erste-Hilfe-Management richtig durchgeführt wird. Dies sowohl von Laien, als auch vom medizinischen Personal.

Worauf ist zu achten?

Was macht man mit dem abgebissenen Gewebe, um die bestmöglichen Chancen einer Replantation positiv zu beeinflussen? Unbedingt sollte der Tollwut-Impfstatus des Tieres in Erfahrung gebracht werden, denn Tollwut stellt eine lebensgefährliche Infektion für das Opfer dar und wird häufig unterschätzt und daher falsch gehandelt.


Quelle: DGMKG

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